Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Wie kam das Hantavirus auf die Kreuzfahrt? Kanaren bereiten sich auf Evakuierung vor

Das Kreuzfahrtschiff MV Hondius liegt am 4. Mai 2026 in einem Hafen in Praia, Kap Verde, vor Anker.
Das Kreuzfahrtschiff MV Hondius liegt am 4. Mai 2026 in einem Hafen in Praia, Kap Verde, vor Anker. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Copyright Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Von Rafael Salido
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Die Kanarischen Inseln bereiten sich darauf vor, die Passagiere und Crew des Kreuzfahrtschiffes aufzunehmen, auf dem das Hantavirus grassiert. Experten vermuten, dass der Erreger von einem Menschen eingeschleppt wurde.

Das Hantavirus könnte von einer bereits in Argentinien infizierten Person auf das Kreuzfahrtschiff im Atlantik eingeschleppt worden sein. Die Weltgesundheitsorganisation geht inzwischen davon aus, dass das Hantavirus von Mensch zu Mensch übertragbar ist. "Wir vermuten, dass es bei sehr engem Kontakt eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt", so die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerhove.

WERBUNG
WERBUNG

Der 70-jährige Mann aus den Niederlanden, der nach einer Infektion mit dem Hantavirus an Bord des Kreuzfahrtschiffes verstarb, war zusammen mit seiner erkrankten Frau nach Südafrika gebracht worden. Die 69-jährige Ehefrau starb dort kurz nach ihrem Mann.

Die Leiche des verstorbenen deutschen Passagiers befindet sich noch immer an Bord der Hondius. Laut WHO gibt es sieben weitere mutmaßlich mit dem Hantavirus infizierte Personen auf dem Kreuzfahrtschiff.

Wie seit der Corona-Pandemie weltweit bekannt ist, können vorbeugende Maßnahmen wie Handhygiene, Abstand und Masken das Ansteckungsrisiko deutlich verringern.

Kap Verde hatte die Aufnahme der Erkrankten abgelehnt

Die spanischen Gesundheitsbehörden haben zudem die Überwachungsprotokolle im Hinblick auf die mögliche Ankunft der MV Hondius auf den Kanarischen Inseln aktiviert. Das Kreuzfahrtschiff ist von einem Ausbruch des Hantavirus betroffen. Drei Passagiere sind bereits gestorben und mehrere Menschen wurden während der Atlantiküberquerung schwer krank.

Das von der niederländischen Gesellschaft Oceanwide Expeditions betriebene Schiff wartet auf die Genehmigung zum Anlegen, nachdem Kap Verde die Ausschiffung aus Gründen der nationalen Gesundheitssicherheit verweigert hat.

An Bord befinden sich etwa 150 Personen aus 23 Ländern, darunter 14 Spanier, von denen einer zur Besatzung gehört. Das Schiff hat um dringende medizinische Hilfe für zwei Besatzungsmitglieder mit leichten und schweren Atemwegssymptomen gebeten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) koordiniert mit den Behörden der betroffenen Länder eine internationale Reaktion.

In Erwartung des Schiffes in Las Palmas de Gran Canaria oder Santa Cruz de Tenerife bereiten sich die Notfallbehörden auf den Kanarischen Inseln auf eine mögliche Evakuierung der Menschen per Hubschrauber vor. Das Zentrum für die Koordinierung von Gesundheitswarnungen und Notfällen auf den Kanaren arbeitet an einem Plan, der die Isolierung, die Krankenhausversorgung von Verdachtsfällen und die Risikobewertung für die lokale Bevölkerung in den Vordergrund stellt.

Möglicher Ursprung in Argentinien

Das Kreuzfahrtschiff war am 1. April von Ushuaia im argentinischen Patagonien aus zu einer Route aufgebrochen, zu der die Antarktis und mehrere abgelegene Inseln im Südatlantik gehörten. Obwohl die argentinischen Behörden behaupten, dass zu Beginn der Reise keine Symptome festgestellt wurden, weisen Experten darauf hin, dass die Inkubationszeit für das Hantavirus bis zu acht Wochen betragen kann.

Der Andes-Hantavirus-Stamm hat eine Sterblichkeitsrate von fast 40 %. Das bedeutet, dass sich auf dem 80-Kabinen-Schiff mit einer Länge von 107 Metern die Lage schnell verschärfen könnte, erklärt Mediziner Zaid Fadul der "New York Post".

Obwohl die Krankheit in Patagonien nicht häufig vorkommt, ist es in Argentinien, das im vergangenen März offiziell aus der WHO ausgetreten ist, in letzter Zeit zu einem Anstieg der Hantavirus-Infektionen gekommen, wobei landesweit 28 Todesfälle festgestellt wurden.

Das spanische Gesundheitsministerium betont, dass "die derzeitigen Erkenntnisse darauf hindeuten, dass sie sich auf dem Boot selbst infiziert haben", möglicherweise durch den Kontakt mit Nagetieren oder deren Exkrementen auf dem Boot. Es schließt jedoch eine vorherige Infektion an Land oder sogar eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht aus, die in Südamerika zwar ungewöhnlich, aber dokumentiert ist, insbesondere im Zusammenhang mit dem Andenvirus in Argentinien und Chile.

Das Kreuzfahrtschiff MV Hondius liegt am Montag, den 4. Mai 2026, in einem Hafen in Praia, Kap Verde, vor Anker.
Das Kreuzfahrtschiff MV Hondius liegt am Montag, den 4. Mai 2026, in einem Hafen in Praia, Kap Verde, vor Anker. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Warum wurde das Kreuzfahrtschiff in Kap Verde nicht evakuiert?

Kap Verde verweigerte dem Schiff das Anlegen unter Berufung auf die "nationale Gesundheitssicherheit". Wie ein WHO-Vertreter auf dem afrikanischen Archipel erklärte, galt es ein heikles Gleichgewicht zwischen der Versorgung der Kranken und dem Schutz der lokalen Bevölkerung zu beachten.

Das Gesundheitspersonal durfte das Schiff betreten, um die Passagiere zu untersuchen und sich auf mögliche kontrollierte medizinische Evakuierungen vorzubereiten.

"Sie haben es mit einem Ereignis im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu tun. Und natürlich haben sie an den Schutz der Bevölkerung gedacht", sagte Ann Lindstrand, WHO-Vertreterin auf den Kapverden, laut AP. Angesichts dieses Szenarios entschied sich Oceanwide Expeditions für einen möglichen Zwischenstopp auf den Kanarischen Inseln als logistische Alternative.

Die Chronologie der Erkrankten

Der Ausbruch der Krankheit hat bereits drei Passagiere das Leben gekostet.

Das erste Todesopfer war ein 70-jähriger Niederländer, der am 11. April nach Fieber, Bauchschmerzen und Durchfall an Bord starb.

Seine 69-jährige Frau starb wenige Tage später in Südafrika, nachdem sie auf dem Flughafen von Johannesburg zusammengebrochen war.

Das dritte Opfer, ein deutscher Passagier, starb während der Überfahrt über den Atlantik.

Außerdem ist ein britischer Staatsangehöriger, der zuvor nach Südafrika evakuiert wurde, weiterhin in kritischem Zustand auf einer Intensivstation, nachdem er positiv auf das Hantavirus getestet wurde. Wie die Reederei mitteilte, haben zudem zwei Besatzungsmitglieder Symptome der Infektion gezeigt und müssen dringend behandelt werden. Die Gesundheitsbehörden haben bereits mit der Ermittlung von Kontaktpersonen begonnen, obwohl sie betonen, dass "das Risiko für die allgemeine Bevölkerung gering ist".

Für das Hantavirus gibt es keine spezifische Behandlung, aber eine frühzeitige medizinische Versorgung ist der Schlüssel zur Erhöhung der Überlebenschancen. Während noch geklärt wird, was mit der MV Hondius passiert, bleiben die Kanarischen Inseln in Alarmbereitschaft, um auf einen seltenen, aber potenziell ernsten Gesundheitsnotfall reagieren zu können.

Weitere Quellen • AP

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Angst vor Krieg? So schützen Sie Ihre psychische Gesundheit

Größte Herausforderung und Chance: die wichtigsten Punkte des Euronews Health Summit

Von Mandeln bis Pistazien: Das sind die gesündesten Nüsse