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WHO: Nikotinbeutel werden massiv an junge Menschen vermarktet

WHO warnt: Nikotinbeutel bergen hohes Suchtrisiko für Jugendliche
WHO warnt: Nikotinbeutel erhöhen Suchtgefahr für Jugendliche Copyright  Bengt Wiberg from Pixabay
Copyright Bengt Wiberg from Pixabay
Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
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Die Weltgesundheitsorganisation warnt in einem neuen Bericht vor Suchtgefahren durch Nikotinbeutel und prangert aggressives Marketing an, das gezielt Jugendliche anspricht.

Der Weltmarkt für Nikotinbeutel wächst rasant. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor aggressiven Marketingstrategien, die sich an Jugendliche und Kinder richten und schon früh zu einer Abhängigkeit führen können.

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Nikotinbeutel sind vorportionierte Beutel, die Nikotin über die Mundschleimhaut abgeben. Sie enthalten in der Regel Nikotin, künstlich hergestellt oder aus Tabak gewonnen, sowie weitere Bestandteile wie Zellulosepulver, Aromen, Süßungsmittel und alkalische Zusatzstoffe.

Der WHO-Bericht warnt, dass Nikotinbeutel stark abhängig machen können, und fordert umfassende Regelungen für alle tabakbezogenen Produkte.

„Die Verwendung von Nikotinbeuteln breitet sich schnell aus, doch die Regulierung kommt kaum hinterher“, sagte Vinayak Prasad, Leiter der Initiative „Tobacco Free“ der WHO. „Regierungen müssen jetzt handeln und starke, evidenzbasierte Schutzmaßnahmen ergreifen.“

Laut Bericht wurden im Jahr 2024 weltweit im Einzelhandel 23,462 Milliarden Nikotinbeutel verkauft. Das entspricht einem Anstieg um 50,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Im Jahr 2025 lag das weltweite Marktvolumen für Nikotinbeutel bei fast sieben Milliarden US-Dollar (sechs Milliarden Euro). Die höchsten Umsätze wurden in Nordamerika erzielt, vor allem in den Vereinigten Staaten, die auf einen Umsatzanteil von 79 Prozent kommen.

Außerhalb der USA sind Nikotinbeutel laut WHO vor allem in europäischen Ländern wie Deutschland, Polen und Schweden beliebt.

Zwar nutzen Menschen aller Altersgruppen diese Produkte. Der Bericht fordert jedoch besonderen Schutz für Kinder und Jugendliche, die sowohl für die körperlichen Folgen des Nikotins als auch für die Werbetaktiken der Industrie besonders anfällig sind.

„Dringendes, koordiniertes und dauerhaftes Handeln ist entscheidend, um heutige und künftige Generationen vor Nikotinabhängigkeit zu schützen“, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Mehr Konsum unter jungen Menschen

Der Bericht hält fest, dass die Nutzung von Nikotinbeuteln in den USA unter Jugendlichen von dreizehn bis zwanzig Jahren und jungen Erwachsenen von einundzwanzig bis siebenundzwanzig Jahren in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Zwischen 2022 und 2025 hat sie sich nahezu vervierfacht.

Im Vereinigten Königreich konzentriert sich der jüngste Anstieg ebenfalls vor allem auf junge Menschen. Bei den Sechzehn- bis Vierundzwanzigjährigen stieg der Konsum von Nikotinbeuteln laut WHO von null Komma sieben Prozent im Januar 2022 auf vier Prozent im März 2025.

Diese Zuwächse gehen dem Bericht zufolge darauf zurück, dass Nikotinbeutel „aggressiv bei jungen Menschen beworben und vermarktet werden“.

Zu den von der internationalen Gesundheitsorganisation identifizierten Methoden zählen Werbung in sozialen Netzwerken und auf digitalen Plattformen. Häufig kommen Influencer und Anzeigen zum Einsatz, die eine „diskrete“ oder heimliche Nutzung anpreisen, sodass Eltern oder Lehrkräfte den Konsum schwerer bemerken – und als Möglichkeit, Regeln zu umgehen.

Nahezu unbegrenzte Geschmacksvielfalt

Weitere Marketingstrategie ist eine große Auswahl an aromatisierten Nikotinbeuteln, um ein breiteres Publikum anzusprechen.

Diese Produkte bieten oft süße, fruchtige, minzige, bonbonähnliche oder Kaugummi-Aromen, die die WHO als „besonders attraktiv für Kinder“ einstuft.

Einige Marken führen zudem Geschmacksrichtungen alkoholischer Getränke wie Bier, Mojito, Martini oder Bourbon in ihren Sortimenten.

„Aromen in Tabak- und verwandten Produkten steigern deren Attraktivität und Reiz, insbesondere für junge Menschen. Sie fördern das Ausprobieren, den Einstieg und den fortgesetzten Konsum von Tabak und Nikotin“, warnt der Bericht.

WHO fordert strengere Regulierung

Angesichts der wachsenden Beliebtheit dieser Produkte ruft die WHO Länder, in denen sie verkauft werden, dazu auf, „strenge Regelungen einzuführen, um ihre Attraktivität zu mindern und Schäden für die Bevölkerung zu begrenzen“.

„Regierungen sehen, wie sich die Nutzung dieser Produkte schnell ausbreitet, besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit irreführenden Taktiken aggressiv ins Visier genommen werden“, sagte Etienne Krug, Direktor für Gesundheitsdeterminanten, Gesundheitsförderung und Prävention bei der WHO.

„Diese Produkte sind auf Abhängigkeit ausgelegt, und es besteht ein dringender Bedarf, unsere Jugend vor der Manipulation durch die Industrie zu schützen.“

Der Bericht kritisiert, dass nationale Maßnahmen unzureichend sind. Nikotinbeutel fallen häufig durch Regulierungslücken und sind daher entweder gar nicht oder nur sehr schwach reguliert.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen einheitliche Regeln für alle Nikotinbeutelprodukte, unabhängig von der Form des Nikotins, ein Verbot von Aromen sowie ein umfassendes Verbot jeglicher Werbung und Verkaufsförderung.

Die WHO fordert die Länder zudem auf, den Zugang von jungen Menschen zu Nikotinbeuteln zu begrenzen: Mindestalter strikt durchsetzen, wirksame Alterskontrollen sicherstellen und Online-Verkäufe verbieten.

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