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Langlebigkeitsmedizin: Wissenschaft sucht mehr Leben und Energie im Alter

Cristina Spa, Gründerin von C+Longevity
Cristina Spa, Gründerin von C+Longevity Copyright  Cristina Spa
Copyright Cristina Spa
Von Maria Muñoz Morillo
Zuerst veröffentlicht am
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Spanien altert und zählt zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung. Ärztinnen und Ärzte fördern Präventions- und Longevitätsmedizin, damit Menschen ihre letzten Jahre gesund erleben.

Die alternde Bevölkerung gehört zu den größten demografischen und gesundheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Spanien liegt bei der weltweiten Lebenserwartung an der Spitze, im Schnitt werden die Menschen dort 84 Jahre alt. Hinter dieser Zahl verbirgt sich jedoch eine weitaus komplexere Realität: Ab dem 65. Lebensjahr verbringen die Bürger fast die Hälfte ihres Lebens im Schatten von Krankheit, Einschränkungen oder fehlender Selbstständigkeit. Wir leben zwar länger, doch die Lebensqualität in der letzten Lebensphase lässt oft stark zu wünschen übrig.

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Vor dieser medizinischen Paradoxie werden Innovation und Technologie zu wichtigen Verbündeten, um das Altern grundlegend zu verändern. Im Rahmen des Ibiza Tech Forum haben wir mit Cristina Spa gesprochen, Pharmazeutin mit zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Industrie und Gründerin von C+Longevity, einem Pionier-Ökosystem für gesundes, langes Leben. Ihr Ziel ist so klar wie ambitioniert: Sie will die Lücke zwischen technologischer Avantgarde und ärztlicher Praxis dauerhaft schließen.

Extremes Biohacking: Risiko für die Gesundheit, Bedarf an wissenschaftlicher Kontrolle

Mit der Verbreitung von Gesundheitsinhalten in sozialen Netzwerken ist der Begriff Langlebigkeit von einer Flut an Informationen überlagert. Zweifelhafte Therapien und Trends des extremen Biohackings – ein Ansatz, der körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie Langlebigkeit mit Hilfe von Wissenschaft, Technologie, Ernährung und Lebensstil optimieren will – verbreiten sich täglich. Das erzeugt eine Desinformation, die der Gesundheit massiv schaden kann.

In dieser Situation plädiert Cristina Spa dafür, die Wissenschaft ins Zentrum zu rücken. „Unser Ansatz ist, dass Gesundheitsprofis – Ärztinnen, Pfleger, Psychologinnen, Ernährungsberater – der Bevölkerung helfen, damit all diese Technologien aus der Langlebigkeitsforschung den Weg in die ärztliche Praxis finden“, erklärt sie. Dafür bietet ihre Initiative Fachkräften einen geschützten Raum mit geprüfter Fortbildung und einer wissenschaftlich fundierten Bibliothek. So rückt sie das Fachgebiet weg von den improvisierten Experimenten der sozialen Netzwerke.

Ein klares Zeichen für den Paradigmenwechsel sind neue Langlebigkeitsforschungsgruppen an Universitäten wie Valencia (Quelle auf Spanisch). Diese Entwicklung verleiht dem Fach die akademische Rückendeckung, die es für seine Konsolidierung braucht. Spa ist überzeugt, dass daraus langfristig eine offizielle medizinische Fachrichtung für gesundes Altern entstehen wird.

Erfahrene Ärztinnen und Ärzte treiben Prävention voran

Entgegen gängigen Klischees treiben nicht die jüngsten Fachkräfte das neue Gebiet voran, sondern die erfahrensten Medizinerinnen und Mediziner. Nach vielen Jahren im öffentlichen Gesundheitssystem kennen sie sowohl die Stärken als auch die strukturellen Schwächen, vor allem die fehlende Zeit für wirklich präventive, personalisierte Medizin, die direkt den Lebensstil der Patientinnen und Patienten verändert.

An Langlebigkeit arbeiten wir von Geburt an
Cristina Spa

Zudem erweist sich die Langlebigkeit als ein zutiefst querschnittliches Thema. Was zunächst nach einem Nischenthema für ästhetische Medizin oder Dermatologie aussah, weckt inzwischen das Interesse von Immunologinnen, Endokrinologen, Gynäkologinnen und sogar Kinderärzten. Denn, so erinnert die Pharmazeutin, „an Langlebigkeit arbeiten wir von Geburt an“.

Wearables und Gesundheitsdaten: Von der Datenflut zur ärztlichen Auswertung

Wir leben im Zeitalter der Daten. Uhren und andere smarte Geräte messen permanent Puls, Schlafqualität oder Hormonzyklen. Allein der Besitz dieser Technik verbessert die Gesundheit jedoch nicht. Er kann sogar dauerhaften, schädlichen Stress erzeugen, wenn Nutzerinnen und Nutzer die Daten nicht richtig einordnen können.

Spa betont, dass der eigentliche Mehrwert in der individuellen Interpretation dieser Parameter liegt. Gesundheitsprofis lesen Daten nicht nach Durchschnittswerten, sondern im Kontext des einzelnen Menschen: Lebensumfeld, Arbeitsbelastung, persönliche Situation. „Diese Verantwortung darf nicht beim Bürger liegen, der nicht Medizin studiert hat. So wie es ein Fehler ist, Symptome in Google zu suchen, gilt dasselbe für Gesundheitsdaten: Wir brauchen die Expertin oder den Experten an unserer Seite, der die Werte anpasst und danach handelt“, sagt sie.

Auf dem Weg zur breiten Präventionsmedizin

Derzeit gilt Langlebigkeitsmedizin noch als teures, schwer zugängliches Angebot. Das heutige Gesundheitssystem ist im Kern reaktiv aufgebaut: Die Menschen gehen erst in die Praxis, wenn Symptome oder Krankheiten bereits auftreten.

Angesichts einer umgekehrten Bevölkerungspyramide wird die Zivilgesellschaft eine Schlüsselrolle spielen. Sie kann Behörden und Politik dazu drängen, auf ein präventionsorientiertes Gesundheitssystem umzusteigen. Steigt die Nachfrage und wächst die Zahl der Fachkräfte, werden die Kosten sinken. Dann lassen sich diese Behandlungen breiter zugänglich machen.

Spa schließt mit einem Appell an die Gesellschaft: So wie wir Spenden für die Erforschung einzelner Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer sammeln, müssen wir beginnen, gezielt in Forschung zum gesunden Altern zu investieren.

Ein tiefes Verständnis der biologischen Mechanismen des Alterns gilt als Schlüssel, um altersbedingte Erkrankungen von Grund auf zu verzögern oder zu verhindern. Nur so lässt sich erreichen, dass die letzten Lebensjahre mit möglichst viel Lebensfreude, Vitalität und Energie vergehen.

Die vollständige Interviewaufzeichnung sehen Sie hier:

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