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„Wir sind es leid, Schäden zu zählen“: Ruf nach Klimageldern nach Erdrutsch in sizilianischer Stadt

Der Erdrutsch in Niscemi im Südwesten Siziliens erstreckte sich über vier Kilometer.
Der Erdrutsch bei Niscemi im Südwesten Siziliens erstreckte sich über vier Kilometer. Copyright  Alberto Lo Bianco/LaPresse
Copyright Alberto Lo Bianco/LaPresse
Von Rebecca Ann Hughes & NICOLE WINFIELD mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Greenpeace Italien kritisiert die italienische Regierung: Sie investiert zu wenig in den Klimaschutz. Die Organisation fordert mehr Mittel und klare Schritte.

In Sizilien hängt eine Stadt nun am Rand einer neu entstandenen Klippe: Tage mit heftigem Regen durch einen Zyklon haben einen massiven Erdrutsch ausgelöst und die Evakuierung von mehr als 1.500 Menschen erzwungen.

Der Erdrutsch in Niscemi im Südwesten der Insel erstreckt sich über vier Kilometer. Aufnahmen zeigen Autos und Gebäudeteile, die von der neu entstandenen Klippe 20 Meter in die Tiefe gestürzt sind. Viele weitere Häuser stehen weiterhin gefährlich dicht an der Kante.

Greenpeace Italia wirft der italienischen Regierung vor, zu wenig in die Eindämmung der Klimakrise zu investieren.

„Statt uns zu schützen, trifft sie weiter energiepolitische Entscheidungen, die die Lage verschärfen könnten und unser Land zum Gasdrehkreuz machen – zur Freude der fossilen Industrie“, teilte die Organisation in einer Pressemitteilung mit.

„Um weitere Katastrophen zu vermeiden, müssen wir von Nord bis Süd strukturell in die ökologische Transformation investieren und Maßnahmen zur Minderung und Anpassung an die Klimakrise finanzieren.“

„Häuser sind nicht mehr bewohnbar“

Der Zivilschutz hat in Niscemi eine 150 Meter breite Sperrzone eingerichtet. Die Stadt liegt im Hinterland der Küstenstadt Gela.

„Der gesamte Hügel rutscht auf die Ebene von Gela“, sagt Zivilschutzchef Fabio Ciciliano. „Am Rand des Erdrutsches stehen Häuser, die offensichtlich nicht mehr bewohnbar sind. Zusammen mit dem Bürgermeister müssen wir für diese Familien eine dauerhafte Umsiedlung organisieren.“

Die Behörden warnen: Wer in dem Gebiet wohnt, braucht langfristige Alternativen. Der durchnässte Boden bewegt sich weiter und ist zu instabil zum Wohnen.

Die Regierung in Rom hat Niscemi am Montag, 26. Januar, in den Ausnahmezustand für drei südliche Regionen aufgenommen, die Zyklon Harry besonders hart getroffen hat, und zunächst 100 Millionen Euro bereitgestellt. Regionale Stellen in Sizilien bezifferten am 28. Januar den Gesamtschaden auf zwei Milliarden Euro.

Ohne Klimainvestitionen drohen Italien „unermessliche Schäden“

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat zugesichert, dass die erste Notfallhilfe nur ein erster Schritt ist und weitere Mittel folgen.

Geologen erklären, Niscemi sei auf einem Hügel aus Sand- und Lehmschichten gebaut. Diese werden bei Starkregen besonders durchlässig und haben sich schon früher verschoben, zuletzt bei einem größeren Erdrutsch 1997, der 400 Menschen zur Evakuierung zwang.

Der jüngste Abbruch heizt die politische Debatte wieder an. Warum wurde auf einem Gelände gebaut, das wegen seiner Geologie bekanntermaßen ein hohes Erdrutschrisiko birgt?

Das Thema ist aktueller denn je. Der Druck der Klimakrise auf fragile Landschaften wie die von Niscemi und ganz Sizilien nimmt zu.

Zyklon Harry, der die Küsten der Insel hart getroffen hat, wurde von einem zunehmend warmen Mittelmeer gespeist, betonte Greenpeace.

„Es ist inzwischen wissenschaftlich belegt: Steigende Wassertemperaturen infolge des Klimawandels verstärken die Wucht solcher Extremereignisse“, erklärte die Organisation.

Ohne drastische Senkungen der Treibhausgasemissionen wird der bis 2100 erwartete Meeresspiegelanstieg Italiens Landschaft irreversibel verändern. Bis zu 5.500 km² Küstenebene, in denen mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt, werden voraussichtlich überflutet.

„Wir sind es leid, Schäden und Opfer zu zählen, und zu sehen, wie die Folgen der Klimakrise erneut als bloße ‚wetterbedingte Schäden‘ abgetan werden, ohne die mediale Aufmerksamkeit, die Ereignisse dieser Größenordnung verdienen“, sagte Simona Abbate von der Klima-Kampagne von Greenpeace Italia in einer Pressemitteilung.

„Die täglich veröffentlichten wissenschaftlichen Daten sind eindeutig: Wenn Meloni und Vizepremier Matteo Salvini weiter den Interessen der fossilen Industrie und ihrer Profiteure dienen, werden sie Italienerinnen und Italiener zu einer der in Europa am stärksten von Extremereignissen betroffenen Bevölkerungen machen, mit immer verheerenderen Folgen und unermesslichen Schäden.“

Elly Schlein, Vorsitzende der Demokratischen Partei, fordert die Regierung auf, Mittel aus dem Brückenprojekt über die Straße von Messina, das erhebliche Umweltbedenken ausgelöst hat, auf die Bewältigung von Extremwetter-Notlagen umzulenken.

Auch der WWF Italia drängt auf Maßnahmen. „Nach Zyklon Harry und der nächsten Welle extremer Wetterereignisse ist klar: Die Klimakrise und die Auswirkungen der Flächennutzung sind das ‚neue Normal‘“, teilte die Organisation mit.

Man müsse die Klimaanpassung dringend beschleunigen, vor allem in Gebieten mit besonders hohem hydrogeologischem Risiko.

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