Viele glauben, dass Kernkraftwerke in Griechenland wegen der häufigen Erdbeben nicht betrieben werden können. Die Regierung in Athen hat jetzt jedoch eine neue Debatte zur Atomenergie angestoßen, auch ein Nuklearphysiker plädiert für einen Atomeinstieg.
Um die Herausforderungen bei der Energiesicherheit und der Emissionsreduzierung anzugehen, hat sich die Regierung in Griechenland zu einem Schritt entschlossen, der noch vor wenigen Jahren heftige Reaktionen hervorgerufen hätte. Sie hat einen Einstieg in die Atomenergie vorgeschlagen. Darüber wird jetzt debattiert.
Zwölf EU-Länder verfügen über in Betrieb befindliche Kernreaktoren: Frankreich, Belgien, Bulgarien, Tschechische Republik, Spanien, Ungarn, Niederlande, Rumänien, Slowenien, Slowakei, Finnland, Schweden und Spanien.
Im Jahr 2024 erzeugten Kernkraftwerke laut Eurostat nicht ganz ein Viertel, etwa 23,3 Prozent, des gesamten Stroms in der EU, was einem Anstieg von 4,8 Prozent gegenüber 2023 entspricht.
Der Nuklearphysiker und Präsident des Deon Policy Institute, George Laskaris, der eine spezielle Studie über das Potenzial Griechenlands zur Entwicklung kleiner Kernreaktoren durchgeführt hat, erklärt Euronews, warum er Kernkraft in Griechenland für unverzichtbar hält. Der Forscher betont, dass dies von der Öffentlichkeit unterstützt werden müsse.
"Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit"
"Die Kernenergie ist aus drei Hauptgründen notwendig: Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit. Die Kernenergie ist notwendig für die Energiesicherheit, für die wirtschaftliche Sicherheit und für die Klimasicherheit", fordert George Laskaris.
Und weiter: "Lassen Sie mich mit dem letzten Punkt beginnen. Wenn wir von Klimasicherheit sprechen, was meinen wir damit? Wir meinen damit, dass sich das Klima offensichtlich verändert. Alles, was wir tun können, ist, der Erde zu helfen, dass sich Klima nicht so schnell verändert. Die Kernenergie ist einegrüne Energieform, und ein Kernkraftwerk kann auf sehr kleinem Raum betrieben werden. Ein herkömmliches Kernkraftwerk hat eine Fläche von einem Quadratkilometer und bietet auf kleinstem Raum riesige Mengen an Energie."
Zum Thema Energiesicherheit merkt der Grieche Laskaris an: "Natürlich wissen wir alle, dass es in den letzten Jahren bei allen Kriegen im Nahen Osten, in jüngster Zeit und davor zwischen der Ukraine und Russland um Energieressourcen ging. Für unser Land, das etwa 80 % seiner Energie entweder in Form von Öl oder Gas aus dem Ausland importiert, ist es daher äußerst wichtig, sich selbst versorgen zu können, und die Kernenergie kann die Energieautarkie des Landes gewährleisten."
Zudem steht laut Laskaris die wirtschaftliche Sicherheit im Fokus: "Alle Unternehmen und Haushalte wollen die Kontrolle über die Energiekosten haben. Energie ist für die Industrie das, was für den Menschen das Blut ist. Es handelt sich um Kosten, die schwanken, und in Krisenzeiten, wie wir sie jetzt haben, schwanken sie natürlich sehr stark. Das Kernkraftwerk kauft Kernbrennstoff zu einem bestimmten Preis, wenn es gebaut ist, kann es die Energiepreise sowohl für die Industrie als auch für die Haushalte stabil halten."
Die Frage der Erdbeben in Griechenland
Breite Kritik an der Atomfrage für Griechenland fußt unter anderem darauf, dass das Land als erdbebengefährdetes Gebiet gilt. Auch Nuklearphysiker George Laskaris hält das für "eine sehr gute Frage. Seit vielen, vielen Jahren gibt es 3-4 Generationen von Reaktoren.
Die ersten Reaktoren, die 1950 in den USA und dann in der Sowjetunion und in England auf den Markt kamen, waren Versuchsreaktoren. Die zweite Generation von Reaktoren, die die Welt beherrschte und vielleicht auch heute noch beherrscht, begann Mitte der 1960er Jahre und dauerte bis 1990. Dann gab es die dritte Generation von Reaktoren.
Im Laufe der Jahre haben sich die Sicherheitssysteme der Reaktoren verbessert. Heute gehören zu den Reaktorsicherheitssystemen passive Systeme, die im Falle eines Ereignisses nicht einmal mehr ein menschliches Eingreifen benötigen, um den Reaktor zu stoppen. Er stoppt sich selbst."
Inzwischen werde auch KI eingesetzt, um die Reaktoren sicherer zu um. die Reaktoren sicherer zu machen. "Ich denke, dass die Diskussion über die Sicherheit im Allgemeinen, insbesondere in Ländern wie Griechenland, sozusagen über die Grenzen der technologischen Möglichkeiten hinausgegangen ist und in den Bereich des Imaginären führt.
Aber ich denke, dass diese Diskussion nach so vielen Jahren nun überwunden ist. Selbst große Umwelt-Organisationen haben verstanden, dass die Kernenergie eine wertvolle Energieform ist, die große Mengen an Energie auf umweltfreundliche Weise produziert. Auch sie haben sich dem JA zugewandt, das heißt, bedingt, aber JA zur Kernenergie."