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Westen der USA bangt trotz Wärme vor Bränden und Wassernot, Osten bibbert in der Kälte

Vor schneelosen Bergen spaziert am Freitag, dem sechsten Februar zweitausendsechsundzwanzig, ein Paar um den See im Washington Park in Denver.
Vor schneelosen Bergen spaziert ein Paar am See im Washington Park in Denver, am Freitag, dem sechsten Februar 2026. Copyright  AP Photo/David Zalubowski
Copyright AP Photo/David Zalubowski
Von Dorany Pineda and Seth Borenstein mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Im Osten der USA bibbern die Menschen bei eisiger Kälte, im Westen dagegen kämpfen viele Regionen mit ungewöhnlicher Wärme und drohender Dürre.

Ein historischer Schneemangel in Verbindung mit bislang unerreichter Wärme setzt den größten Teil des amerikanischen Westens unter Druck. Die künftigen Wasserreserven schrumpfen, die Region wird anfälliger für Waldbrände, Wintertourismus und Freizeitangebote leiden.

Fachleute berichten, dass Schneedecke und Schneehöhe den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten erreicht haben. Gleichzeitig haben mindestens 67 Wetterstationen im Westen ihren wärmsten Dezember bis in den frühen Februar hinein seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet.

Normalerweise umfasst die Schneedecke zu dieser Jahreszeit rund 460.000 Quadratmeilen (1,2 Millionen Quadratkilometer), was ungefähr der Fläche von Kalifornien, Utah, Idaho und Montana entspricht. In diesem Winter sind es nach Angaben des National Snow and Ice Data Center jedoch nur etwa 155.000 Quadratmeilen – ungefähr die Größe Kaliforniens.

„Ich habe noch keinen Winter wie diesen erlebt“, sagt Zentrumsleiter Mark Serreze, der seit fast vierzig Jahren in Colorado lebt. „Dieses Wettermuster hält sich unglaublich hartnäckig.“

Die Schneereserven in Oregon, gemessen an der darin gespeicherten Wassermenge, liegen nicht nur auf Rekordtief. Sie sind zudem rund dreißig Prozent geringer als der bisherige Negativrekord, sagt Jason Gerlich, Koordinator des regionalen Frühwarnsystems für Dürren bei der Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA.

Große Teile der USA östlich der Rocky Mountains versinken im Schnee und leiden seit mehr als zwei Wochen unter eisiger, ungewöhnlicher Kälte. Im Vorort West Jordan bei Salt Lake City in Utah ging Trevor Stephens vergangene Woche jedoch in kurzer Sporthose und T‑Shirt einkaufen.

„Im Moment liegt überhaupt kein Schnee“, sagt er und blickt aus dem Fenster. Er beklagt die fehlenden Snowboard-Möglichkeiten. „Ich hätte auf jeden Fall lieber vereiste Straßen und Schnee als das, was hier gerade passiert.“

Sorge um Wasserversorgung und Waldbrände

Skigebiete kämpfen ohnehin schon mit einer schwierigen Saison. Der anhaltende Schneemangel schürt nun die Sorge vor deutlich weiterreichenden Folgen.

Oregon, Colorado und Utah melden die niedrigste landesweite Schneedecke seit Beginn der Aufzeichnungen Anfang der achtziger Jahre.

Der trockene Januar brachte den meisten Bundesstaaten nur etwa die Hälfte des üblichen Niederschlags, teils noch weniger. Viele Sonnentage und überdurchschnittliche Temperaturen verhinderten zusätzlichen Schneezuwachs in einem Monat, der im Pazifischen Nordwesten und in den Nördlichen Rocky Mountains normalerweise reichlich Schnee bringt. Wegen kräftiger Regenfälle im Dezember steht Kalifornien nach Einschätzung von Fachleuten etwas besser da als die übrigen Bundesstaaten.

Am Montag, dem neunten Februar, waren am Salt Lake City International Airport seit 327 Tagen nicht mehr rund ein Zoll Schnee (etwa zweieinhalb Zentimeter) gefallen. Das ist nach Angaben des National Weather Service die längste schneearme Phase seit 1890/91.

Der magere Schnee in Colorado und Utah rückt das Einzugsgebiet des Oberlaufs des Colorado River ins Zentrum der Schneekrise, sagt Gerlich.

Normalerweise sorgt eine kräftige Schneedecke im Gebirge, die vom Winter in den Frühling hinein langsam schmilzt, für einen stetigen Zufluss von Wasser in Bäche und Flüsse. So steht im weiteren Jahresverlauf genug Wasser für Landwirtschaft, Städte, Wasserkraftanlagen und andere Nutzungen zur Verfügung.

Bleibt der Schnee aus oder kommt es zu einem zu schnellen Tauen, füllen sich Flüsse wie der Colorado später in der Saison deutlich weniger.

„Das ist ein ziemlich großes Problem für das Colorado-Becken“, sagt Daniel Swain vom Water Resources Institute der University of California.

Fachleute warnen, die Schneeknappheit könnte auch den Beginn der Waldbrandsaison vorziehen. Verschwindet die Schneedecke früher als im Durchschnitt, liegt der Boden im Frühling und Sommer länger frei und trocknet unter der Wärme schneller aus, ebenso die Vegetation, erklärt Daniel McEvoy vom Western Regional Climate Center.

Zu warm für Schnee

Es ist zwar trocken, doch die extrem niedrige Schneedecke geht vor allem auf die außergewöhnliche Wärme zurück. Mehrere Wissenschaftler führen sie auf die Erderhitzung durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Erdgas zurück. Seit dem ersten Dezember wurden im Westen mehr als 8.500 Tageshöchsttemperatur-Rekorde gebrochen oder eingestellt, wie NOAA-Daten zeigen.

Viel von dem Niederschlag, der früher als Schnee gefallen wäre und monatelang in den Bergen liegenblieb, kommt nun als Regen herunter und fließt deutlich schneller ab, erklären Swain und andere Forschende. Genau vor diesem Effekt haben Klimaforscher seit Langem gewarnt.

Schneearme Winter gibt es immer wieder. Doch die diesmalige Wärme ist extrem und lässt sich deutlich leichter mit dem Klimawandel in Verbindung bringen, sagt Russ Schumacher, Professor für Atmosphärenwissenschaften an der Colorado State University und zugleich Klimatologe des Bundesstaats Colorado.

„Es war so warm, besonders im Dezember, dass der Schnee nur in den höchsten Teilen der Berge fiel“, sagt McEvoy. „Dann kam der Januar, und es wurde fast überall für drei bis vier Wochen sehr trocken – bei anhaltend hoher Wärme.“

Nassere und kühlere Wetterphase in Sicht

Für diese Woche erwarten Meteorologen im Westen eine nassere und kühlere Wetterlage mit etwas Neuschnee. Möglicherweise markiert sie den Höhepunkt der Schneekrise. In vielen Regionen bleibt es jedoch wärmer als üblich, und Fachleute bezweifeln, dass der Schnee die Defizite ausgleichen kann.

„Ich sehe keine Chance, dass wir wieder auf ein durchschnittliches Niveau oder auch nur annähernd dorthin kommen“, sagt Schumacher. „Aber wenn das Wetter aktiver wird, können wir die Defizite immerhin ein wenig abbauen.“

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