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"Dann rutscht der Euro ab!" Experten warnen vor längerem Iran-Krieg

Im Zuge des Iran-Krieges steigen die Sprit- und Gaspreise. Doch auch der Euro schwächelt.
Im Zuge des Iran-Krieges steigen die Sprit- und Gaspreise. Doch auch der Euro schwächelt. Copyright  AP Photo
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Von Zara Riffler
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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US-Präsident Trump spricht beim Iran-Krieg von einer Dauer von vier Wochen. Doch Wirtschaftsexperten warnen bei Euronews: Sollte der Konflikt länger andauern, könnte der Euro gefährlich abrutschen. Der prominente Ökonom Daniel Stelter prognostiziert für das Szenario sogar eine Rezession.

Der Iran-Krieg seit Ende Februar löst mit der Blockade der wichtigsten Handelsstraße Hormus durch das iranische Regime einen Energiepreis-Schock (Öl, Benzin, Diesel, Gas) aus. Die höheren Kosten für Verbraucher und energieintensive Branchen (Chemie, Stahl) setzen auch die deutsche Wirtschaft unter Druck – die ohnehin unter einer fragilen Konjunktur leidet.

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Jetzt leidet auch noch der Euro – aktuell um 1,16 US-Dollar – unter den Geschehnissen. Besonders hart könnte es den Euro treffen, falls das Szenario eintritt, dass der Iran-Krieg deutlich länger dauert als die von US-Präsident angekündigten "vier Wochen".

Der Ökonom Daniel Stelter mahnt bei Euronews: "Ein ohnehin strukturell schwacher Euro – wegen geringem Wachstum, hoher Schulden und politischer Zerstrittenheit – geriete weiter unter Druck, weil Kapital in als sicher geltende Dollar-Anlagen fließt."

Auch der Chefvolkswirt der ING-Bank, Carsten Brzeski, mahnt bei Euronews: "In solch einem Szenario würde als Erstes der Dollar steigen und der Euro weiter abrutschen."

Daniel Stelter zählt zu den einflussreichsten Ökonomen Deutschlands.
Daniel Stelter zählt zu den einflussreichsten Ökonomen Deutschlands. Daniel Stelter

Wie gefährlich tief könnte der Euro fallen?

Ein sogenanntes "Worst-Case-Szenario" für den Euro würde bei eineranhaltenden, regionalen Eskalation im Nahen Osten mit massiven, Europa betreffenden Energiestörungen eintreten. Investoren würden im Krisenmodus ihre Anlagen wie Aktien verkaufen und in "sichere Häfen" wie dem US-Dollar (gilt als "Krisenwährung Nummer eins") flüchten.

Das Ergebnis sähe so aus: Viele kaufen Dollar, der Dollar wird teurer, der Euro fällt.

ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski erklärt: "Wenn die Blockade am Hormus länger, sprich mehrere Wochen, anhält, sollte auch der Ölpreis auf 100 USD/b und mehr steigen. In solch einem Szenario würde als Erstes der Dollar steigen und der Euro weiter abrutschen. Wahrscheinlich auf rund 1.10 EUR/USD."

Chefvolkswirt der ING-Bank: Carsten Brzeski
Chefvolkswirt der ING-Bank: Carsten Brzeski ING Bank

In diesem Falle könnte der Wechselkurs Euro/US-Dollar auf 1,10 bis 1,12 oder weit tiefer fallen. Das heißt: Für einen Euro bekäme man dann nur noch 1,10 Dollar (statt aktuell 1,16 USD).Das wäre ein deutlicher Wertverlust gegenüber dem Dollar, etwa 5 bis 8 Prozent. Dann würde auch ein Urlaub in den USA (Hotels, Flüge, Shopping) teurer werden und importierte Waren (Öl, Elektronik, Rohstoffe) in Euro folglich umgerechnet mehr kosten. Ein Rückgang von 5 bis 8 Prozent in den nächsten Wochen wäre der schwächste Stand seit der Energiekrise 2022/23.

Diese Entwicklung bedeute "noch nicht unbedingt eine Rezession" in Deutschland – "aber dieses Worst-Case Szenario wäre ein enormer Dämpfer auf den sich gerade abzeichnenden Aufschwung", erklärt Brzeski.

Makroökonom Daniel Stelter prognostiziert sogar einen tiefen Fall: "Im Worst-Case halte ich ein Abrutschen des Euro deutlich unter die Tiefs der Energiekrise 2022/23 – damals zeitweise unter Parität zum Dollar – für möglich, also ein Szenario von 0,90 bis 0,95 Dollar je Euro." In einer Panikphase "vorübergehend darunter".

Rutsch der Euro ab, wenn der Iran-Krieg länger anhält?
Rutsch der Euro ab, wenn der Iran-Krieg länger anhält? AP Photo

Rezession? Schwere Folgen für Deutschland

Der Ökonom Daniel Stelter hingegen sieht bei einem Worst-Case-Szenario – Blockade über mehrere Monate, längerer Krieg, Zerstörung entscheidender Infrastruktur – für Deutschland besonders schwere Folgen. "Folglich wären Ölpreise deutlich über 100 Dollar, Gaspreise NOCH deutlich teurer".

**Laut Daniel Stelter entstehe dann eine Rezession: "Höhere Energiepreise wirken wie eine Zusatzsteuer, dämpfen Konsum und Investitionen. Bereits schwache Industrieländer wie Deutschland rutschen tief in die Rezession – die gesamte Eurozone in mindestens eine technische Rezession"**Auch warnt Stelter vor einer Stagflation: "Die Kombination aus hoher Inflation durch Energie und gleichzeitigem BIP-Rückgang – eine Wiederholung, aber in verschärfter Form, dessen, was wir seit 2022 gesehen haben."

Ökonom Daniel Stelter im Gespräch mit Euronews
Ökonom Daniel Stelter im Gespräch mit Euronews Euronews Berlin

Über die Aktienmärkteprognostiziert Stelter: Die Gewinnmargen energieintensiver Branchen (Chemie, Stahl, Auto, Maschinenbau) würden einbrechen. Europäische Indizes dürften "deutlich stärker fallen als US-Märkte". Das Geschäftsmodell "Energie rein, Industrie raus" komme nämlich erneut unter Druck.

Eine Stagflation, also hohe Inflation plus schwaches Wachstum, könnte den deutschen Aktienmarkt DAX in eine Verkaufswelle treiben. Viele Anleger könnten also gleichzeitig ihre Aktien verkaufen, aus Panik.

Je länger die Blockade, desto schlimmer die Folgen

Stelter: "Entscheidend ist: Je länger die Blockade anhält und je stärker die realwirtschaftlichen Schäden sichtbar werden, desto eher preist der Markt eine strukturelle Schwäche des Euro ein, nicht nur einen kurzfristigen Schock."

Dabei entsteht eine Schieflage bei Zinsen und Anleihenmärkten: "Am Ende würde die EZB wieder stärker in den Markt eingreifen müssen, um eine neue Schuldenkrise zu verhindern", sagt Stelter sogar. Denn "nominale Renditen am langen Ende könnten zunächst steigen aufgrund der Inflationssorge, gleichzeitig wächst jedoch der Stress bei den hoch verschuldeten Staaten, darunter Frankreich, wegen steigender Risikoaufschläge."

Mai 2023: Ein großes Containerschiff passiert die Straße von Hormus.
Mai 2023: Ein großes Containerschiff passiert die Straße von Hormus. AP Photo

Sogar "extreme Preisspitzen" wären denkbar, mahnt Stelter, bei Eskalationen wie Angriffen auf Tanker oder physischen Schäden an der Infrastruktur. Ein sogenanntes "Energie-Black-Swan“-Ereignis im Energiebereichwürde dann entstehen, mit weitreichenden Konsequenzen wie plötzlichen Versorgungsstörungen oder Preisexplosionen, die die globale Wirtschaft erschüttern. "So ein Schock würde die Debatte über Rationierung, Produktionsstilllegungen und Verlagerung von Industrie ins Ausland erneut befeuern", so Stelter.Womöglich könnten auch trotz günstigem Euro – was deutsche Exporte theoretisch günstiger macht – die Exporte einbrechen. Der Grund: Die globale Nachfrage bricht ein, da die höheren Energiepreise die Weltwirtschaft insgesamt belasten, besonders in energieabhängigen Ländern wie China, Indien oder den USA. Die Unternehmer dort geben folglich weniger Geld aus, was weniger Bestellungen für Deutschlands Industrie bedeutet.

EIn schwacher Euro käme auf das Problem der schwachen deutschen Konjuktur obendrauf. (Symbolbild)
EIn schwacher Euro käme auf das Problem der schwachen deutschen Konjuktur obendrauf. (Symbolbild) AP Photo

Ökonom: "Vergrößert Zweifel an Stabilität der Geldordnung im Euroraum"

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte in ein schwieriges Dilemma geraten. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, die Inflation mittelfristig bei rund zwei Prozent zu halten.

Wenn der Krieg mit dem Iran nur kurz andauert, müsste sie die Zinsen senken, um die Wirtschaft zu stützen: Niedrigere Zinsen machen Kredite günstiger – das kann Investitionen und Konsum ankurbeln.

Doch wenn der Iran-Krieg länger anhält, entsteht für die EZB ein Problem: Dann könnte die EZB aufgrund der Inflationsrückkehr nicht die Zinsen als Wirtschaftshilfe senken – sie müsste stattdessen die Zinsen pausieren oder sogar anheben. Dann dürfte der Euro weiter unter Druck bleiben. Zugleich würde die Konjunktur an Schwung verlieren – im ungünstigsten Fall drohen Stagnation und eine Rezession. Wodurch das Kapital aus Europa flieht (Anlagen, Aktien, Euro).

Ökonom Stelter rechnet die Inflation vor: "Steigende Energiepreise würden die Inflationsrate im Euroraum rechnerisch um mindestens einen zusätzlichen Prozentpunkt nach oben treiben, wenn die Preise einige Monate hoch bleiben".

EZB-Chefin Christine Lagarde
EZB-Chefin Christine Lagarde AP Photo

Zugleich breche das Wachstum ein, dies sei "die klassische Stagflationsfalle", so Stelter. Er erklärt: "Politisch wächst der Druck, die hochverschuldeten Staaten über niedrige Zinsen und Anleihekäufe zu stützen; die EZB gerät damit noch stärker in die Rolle der verdeckten Staatsfinanzierung – etwas, worauf ich seit Jahren hinweise. In der Logik meiner bisherigen Argumentation vergrößert ein solcher Konflikt die Zweifel an der langfristigen Stabilität der aktuellen Geldordnung im Euroraum."

"Wäre kein Problem, wenn Konflikt schnell endet"

Eine schnelle Deeskalation des Iran-Krieges sowie ein Nahost-Konflikt, der nicht mehr als 4–5 Wochen dauert, könnten den Euro wieder auf einen etwas besseren Kurs bringen. Bisher ist völlig unklar, wann und wie der Iran-Krieg enden wird.

Große Widerstände im Iran und seitens des Mullah-Regimes gegen einen sogenannten "Regime-Change" – den die USA und Israel offensichtlich erreichen möchten – könnten den Konflikt im schlimmsten Fall monatelang hinziehen.

Daniel Stelter betont: "Es wäre kein Problem, wenn der Konflikt in wenigen Wochen vorbei ist und die kritische Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien und Katar nicht erheblich beschädigt ist."

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