Eine neue Studie zeigt: Über Jahre haben Pumas tausende Pinguine gerissen. Die meisten blieben liegen, zum Teil sogar nur angefressen.
Im Nationalpark Monte León in Patagoniens gnadenloser Wildnis erholt sich der Bestand der Pumas. Schutzlose Pinguine fallen ihnen massenhaft zum Opfer.
Seitdem die Viehzucht im Süden des Landes in den neunziger Jahren weitgehend aufgegeben wurde, erobern Pumas Teile ihres ehemaligen Verbreitungsgebiets zurück. Gleichzeitig breiten sich Kolonien der Magellan-Pinguine von nahe gelegenen Inseln aufs Festland aus, wo es zuvor keine landlebenden Räuber gab.
Das Zusammenspiel führt zu einem „Naturschutzdilemma“: In der Region könnten die Pinguinkolonien schrumpfen. Eine Studie der Universität Oxford hat nun das Risiko für das langfristige Überleben der Pinguinbestände beziffert.
Warum Pumas zur größten Bedrohung für diese Pinguine wurden
Forschende des Centro de Investigaciones de Puerto Deseado der Universidad Nacional de la Patagonia Austral und Rangerinnen und Ranger des Nationalparks Monte León beobachten seit Jahren die Pinguinbestände im Schutzgebiet.
Über einen Zeitraum von vier Jahren, von 2007 bis 2010, zählten sie die Zahl der Pinguinkadaver, die sie Pumas zuschreiben konnten. Anschließend werteten sie die Daten gemeinsam mit dem Wildlife Conservation Research Unit der Universität Oxford aus.
Die neue Studie, veröffentlicht im Journal for Nature Conservation, schätzt, dass in diesen vier Jahren mehr als siebentausend erwachsene Pinguine getötet wurden – die meisten davon wurden jedoch nicht vollständig gefressen. Das entspricht rund sieben Komma sechs Prozent der erwachsenen Tiere.
Hauptautorin Melisa Lera spricht von einer „überwältigend hohen“ Zahl an Kadavern in der Kolonie, die Spuren von Beutegreifern zeigen.
„Dass viele Tiere unversehrt liegen bleiben, zeigt, dass Pumas mehr Pinguine töten, als sie zur Nahrungsaufnahme brauchen“, erklärt sie. „Das entspricht dem, was Ökologinnen und Ökologen als ‚surplus killing‘ bezeichnen.“
Ein ähnliches Muster kennt man von Hauskatzen: Sie jagen oft weit mehr Vögel, als sie fressen, weil die Beute zahlreich und wehrlos ist.
Droht den Pinguinen in Patagonien das Aussterben?
Die Forschenden speisten die Daten in Modelle ein und kommen zu dem Schluss, dass Pumas allein die Kolonie im Nationalpark voraussichtlich nicht auslöschen werden.
Entscheidender für die Zukunft der Pinguine sind demnach Faktoren wie der Fortpflanzungserfolg und das Überleben der Jungtiere. Hohe Verluste durch Pumas können diese Entwicklung jedoch deutlich verschärfen.
„Die Studie beschreibt eine neue Herausforderung für den Naturschutz: sich erholende Raubtiere treffen auf Beutetiere, die sie zuvor kaum kannten“, sagt Mitautorin Dr. Jorgelina Marino.
„Zu verstehen, wie sich solche Änderungen im Beutespektrum auf Räuber und Beute auswirken, ist entscheidend, um Schutzmaßnahmen gezielt planen zu können.“
Da die Modelle insbesondere den Bruterfolg und die Sterblichkeit der Jungtiere als zentrale Faktoren für das Überleben der Population herausstellen, betonen die Autorinnen und Autoren die Bedeutung der Umweltbedingungen. Nährstoffe, Nahrungsangebot und Temperaturen, die nachweislich vom Klimawandel beeinflusst werden, könnten den Fortpflanzungserfolg der Pinguine maßgeblich bestimmen.
Die Parkverwaltung beobachtet die Bestände von Pumas und Pinguinen weiter genau.