Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Alle sollten sich wappnen: Forscher ändern El-Niño-Definition nach Hitzesprung

ARCHIV: Ein Müllsammler trinkt bei der Arbeit während einer Hitzewelle Wasser auf einer Mülldeponie am Stadtrand von Jammu in Indien, Mittwoch, 19. Juni 2024.
ARCHIV - Ein Müllsammler trinkt Wasser bei der Arbeit auf einer Deponie am Stadtrand von Jammu in Indien während einer Hitzewelle, am Mittwoch, 19. Juni 2024. Copyright  AP Photo/Channi Anand, File
Copyright AP Photo/Channi Anand, File
Von Seth Borenstein mit AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Forschende passen ihre Bezeichnungen für El Niño und La Niña an, da sich das Klima durch die Erderwärmung schneller und extremer verändert.

Der natürliche El Niño-Zyklus, der das Wetter rund um den Globus durcheinanderbringt, verstärkt nicht nur die Erderwärmung, sondern wird von ihr auch selbst beeinflusst, sagen Meteorologinnen und Meteorologen.<\/p>

WERBUNG
WERBUNG

Eine neue Studie berechnet, dass eine ungewöhnliche jüngste Wendung in dem Warm- und Kaltzyklus mit El Niño und seinem Gegenstück La Niña helfen kann, ein wissenschaftliches Rätsel zu erklären: warum die ohnehin steigenden Temperaturen der Erde in den vergangenen drei Jahren noch einmal sprunghaft auf ein neues Niveau geklettert sind.<\/p>

Unabhängig davon mussten Forschende neu festlegen, wie sie El Niño und La Niña klassifizieren. Ursache sind rasche Wetterumschwünge durch die globale Erwärmung. Immer heißere Ozeane weltweit haben dazu geführt, dass die US-Klimabehörde NOAA in diesem Monat ihre Methode geändert hat, mit der sie erkennt, wann das Muster in eine neue Phase kippt. Künftig werden voraussichtlich mehr Ereignisse als La Niña und weniger als El Niño gelten, wenn sich die Tropenmeere erwärmen.<\/p><\/cstm>Die durchschnittliche monatliche Temperatur der Erde ist Anfang 2023 spürbar nach oben geschnellt<\/a> – deutlich über den ohnehin langfristigen Anstieg durch den menschengemachten Klimawandel. Dieser Sprung hielt bis 2025 an. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben mehrere Erklärungsansätze: eine Beschleunigung der Treibhausgas-Erwärmung, weniger Schiffsemissionen von Rußpartikeln<\/a>, ein unterseeischer Vulkanausbruch und eine erhöhte Sonnenaktivität.<\/p>In einer neuen Studie in „Nature Geoscience“<\/a> untersuchen japanische Forschende, wie sich 2022 die Differenz zwischen der ein- und ausgehenden Energiemenge der Erde, das sogenannte Energieungleichgewicht, vergrößert hat. Mehr Ungleichgewicht bedeutet mehr gespeicherte Wärme und damit höhere Temperaturen. Die Forschenden kommen zu dem Ergebnis, dass rund drei Viertel der Veränderung auf die Kombination aus langfristiger, vom Menschen verursachter Erwärmung und dem Übergang von einer dreijährigen, kühlenden La-Niña-Phase zu einer warmen El-Niño-Phase zurückgehen.<\/p>ARCHIV - Ein Mann trägt brauchbare Habseligkeiten, die er aus seinem vom Hochwasser verwüsteten Haus gerettet hat, durch ein überflutetes Gebiet im Distrikt Shikarpur in der Provinz Sindh in Pakistan, Mittwoch, 31. August 2022.<\/caption>ARCHIV - Ein Mann trägt brauchbare Habseligkeiten, die er aus seinem vom Hochwasser verwüsteten Haus gerettet hat, durch ein überflutetes Gebiet im Distrikt Shikarpur in der Provinz Sindh in Pakistan, Mittwoch, 31. August 2022.<\/alt><\/cstm>Was El Niño von La Niña unterscheidet<\/h2>El Niño bezeichnet eine wiederkehrende, natürliche Erwärmung von Teilen des tropischen Pazifiks entlang des Äquators. Sie verändert anschließend Wetterlagen weltweit. La Niña ist das Gegenstück mit kühleren als üblichen Wassertemperaturen.<\/p>Beide Phänomene verschieben Niederschlags- und Temperaturmuster, aber auf unterschiedliche Weise. El Niños treiben die globalen Temperaturen nach oben, La Niñas bremsen den langfristigen Anstieg eher ab.<\/p>Studien zeigen, dass La Niñas in den Vereinigten Staaten<\/a> meist mehr Schäden anrichten – unter anderem durch vermehrte Hurrikans und Dürren.<\/p><\/cstm>Warum die Zyklen zwischen warm und kalt wechseln<\/h2>Von 2020 bis 2023 erlebte die Erde eine ungewöhnliche „dreifache“ La Niña<\/a>, ohne einen El Niño dazwischen. Bei La Niña bleibt warmes Wasser in größerer Tiefe, die Meeresoberfläche kühlt ab. Dadurch gelangt weniger Energie ins All<\/a>, erklärt Studien-Mitautorin Yu Kosaka, Klimaforscherin an der Universität Tokio.<\/p>Sie vergleicht das mit dem menschlichen Körper bei Fieber.<\/p>„Wenn unsere Körpertemperatur hoch ist, gibt der Körper tendenziell Energie nach außen ab. Bei der Erde ist es ähnlich. Steigen die Temperaturen, strahlt sie mehr Energie ins All“, sagt Kosaka. „Bei einer dreijährigen La Niña ist es umgekehrt.“<\/p><\/cstm>So bleibt mehr Energie in Form von Hitze<\/a> im Klimasystem gefangen, sagt sie. Normalerweise baut sich während einer La Niña ein bis zwei Jahre lang zusätzliches Energieungleichgewicht auf. Dieses Mal dauerte die Phase länger, deshalb war der Effekt deutlicher sichtbar – inklusive höherer Temperaturen, so Kosaka.<\/p>„Wenn der Übergang von La Niña zu El Niño kommt, ist es, als würde der Deckel hochfliegen und die angestaute Wärme entweicht“, erläutert der frühere NOAA-Meteorologe Tom Di Liberto, der jetzt für die Organisation Climate Central arbeitet.<\/p>Rund dreiundzwanzig Prozent des Energieungleichgewichts, das die jüngsten Rekordtemperaturen antreibt, gehen demnach auf dieses ungewöhnlich lange La-Niña-Muster zurück. Etwas mehr als die Hälfte stammt aus den Treibhausgasen, die beim Verbrennen von Kohle, Öl und Gas<\/a> entstehen, heißt es in der Studie. Den Rest erklären andere Faktoren.<\/p>Die Klimaforscherin Jennifer Francis vom Woodwell Climate Research Center, das nicht an der Studie beteiligt war, hält die Ergebnisse für schlüssig. Sie erklärten den Anstieg des Energieungleichgewichts, den einige Fachleute bislang einer beschleunigten Erwärmung zugeschrieben hatten.<\/p>Wie El Niño und La Niña neu definiert werden<\/h2>Seit rund fünfundsiebzig Jahren berechnen Meteorologinnen und Meteorologen El Niño und La Niña anhand der Abweichung der Temperaturen<\/a> in drei tropischen Pazifikregionen vom Normalwert. El Niño lag dabei mindestens ein halbes Grad Celsius über dem Durchschnitt, La Niña entsprechend darunter.<\/p>In einer sich erwärmenden Welt verschiebt sich jedoch fortlaufend, was als normal gilt.<\/p><\/cstm>Bislang nutzte NOAA den Dreißig-Jahres-Durchschnitt als Referenz und aktualisierte ihn alle zehn Jahre – wie die meisten Klima- und Wetterkennzahlen. Doch die Ozeane erwärmten<\/a> sich in den relevanten Regionen so stark, dass NOAA den Normalwert bereits alle fünf Jahre neu festlegte. Auch das reichte nicht mehr aus, sagt Nat Johnson, Meteorologe im Geophysical Fluid Dynamics Lab der Behörde.<\/p>Deshalb führt NOAA nun einen relativen El-Niño-Index ein, der ab diesem Monat gilt. Dieses neue Maß vergleicht die Wassertemperaturen im tropischen Pazifik mit denen in den übrigen Tropen der Erde. In jüngster Zeit betrug der Unterschied zwischen der alten und der neuen Methode bis zu einem halben Grad Celsius, und „das reicht, um einen spürbaren Effekt zu haben“, sagt Johnson.<\/p>Entscheidend sind bei El Niño und La Niña die Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre. In den vergangenen Jahren passten diese Muster nicht mehr zu den alten Bezeichnungen, zur neuen Methode hingegen schon, sagt Johnson.<\/p>Nach seiner Einschätzung wird es mit dem neuen System etwas mehr La-Niña- und etwas weniger El-Niño-Ereignisse geben als bisher ausgewiesen.<\/p>Ein weiterer El Niño steht bevor<\/h2>Die Prognosen von NOAA deuten darauf hin, dass sich im Spätsommer oder Herbst dieses Jahres ein El Niño entwickelt. Bildet er sich früh genug, könnte er die Hurrikanaktivität im Atlantik dämpfen. Zugleich würde er 2027 die globalen Temperaturen weiter in die Höhe treiben.<\/p>„Wenn sich El Niño entwickelt, werden wir wahrscheinlich ein neues globales Temperaturrekordjahr<\/a> erleben“, schreibt Francis vom Woodwell-Zentrum in einer E-Mail. „Das alte ‚Normal‘ liegt seit Jahrzehnten weit hinter uns. Bei so viel überschüssiger Wärme im System sollten sich alle auf extreme Wetterereignisse gefasst machen, die daraus folgen werden.“<\/p><\/p>9905c4d1bef8fcada8de2967bc033760<\/hash>

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Wetter für Extrembrände verdreifacht sich: Reichen Staaten die Löschkräfte noch aus?

„Gefährlicher Trend“: Olympia-Skistars besorgt über schrumpfende Gletscher

Großer Verlust: Grönlands Schlittenhund-Champion bangt um Kultur durch tauendes Eis