Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Bericht: Industrie hinkt im Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen hinterher

Die Industrie kommt im Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen nicht mehr hinterher; resistente Infektionen breiten sich schneller aus.
Die Pharmaindustrie bremst die Ausbreitung resistenter Keime nur unzureichend; multiresistente Infektionen nehmen schneller zu als ihre Gegenstrategien. Copyright  Cleared/Canva
Copyright Cleared/Canva
Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Innerhalb von fünf Jahren ist die Entwicklung neuer Antibiotika um 35 Prozent zurückgegangen. Laut einem neuen Bericht wächst die weltweite Resistenz schneller.

Die Pharmabranche kommt beim Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen mit der Ausbreitung resistenter Infektionen nicht Schritt. Das zeigt ein neuer Bericht.

WERBUNG
WERBUNG

Demnach ist die Entwicklungspipeline von Medikamenten gegen antimikrobielle Resistenzen (AMR) in den vergangenen fünf Jahren um fünfunddreißig Prozent geschrumpft, berichtet die Access to Medicine Foundation (Quelle auf Englisch), eine unabhängige niederländische Stiftung, die sich für den Zugang zu Medikamenten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen einsetzt.

Im Jahr 2026 befinden sich nur noch 60 Projekte großer forschender Pharmakonzerne in der Entwicklung, nach 92 im Jahr 2021.

„Der Bedarf an neuen Antibiotika war noch nie so groß“, schreibt Jayasree K. Iyer, Geschäftsführerin der Access to Medicine Foundation, in dem Bericht.

„Ohne tiefgreifende Veränderungen wird AMR in den kommenden zwei Jahrzehnten zu einem drastischen Anstieg von Todesfällen durch eigentlich vermeidbare Infektionen führen. Besonders hart trifft es verletzliche Bevölkerungsgruppen in ärmeren Ländern“, heißt es weiter.

Der derzeitige Mangel an Forschung und Entwicklung (F&E) im Bereich Infektionskrankheiten gehört zu den größten Hürden im Kampf gegen AMR.

Der Bericht hat die F&E-Aktivitäten von fünfzehn Unternehmen untersucht – sieben großen forschenden Konzernen und acht kleinen und mittleren Unternehmen –, darunter GSK, Pfizer, Shionogi, MSD und Otsuka.

Der britische Pharmakonzern GSK bleibt Spitzenreiter mit 30 Wirkstoffen, von vorbeugenden Impfstoffen bis zu antibakteriellen Therapeutika, darunter drei innovative Präparate.

Der japanische Konzern Shionogi hat inzwischen Pfizer überholt, das 2021 noch auf Platz zwei lag.

„Die Leistungen der Unternehmen fallen weiterhin sehr unterschiedlich aus, und kein Konzern schöpft sein Potenzial annähernd aus. Der Weg im Kampf gegen AMR ist daher noch lang“, heißt es in dem Bericht.

AMR: Bedrohung nimmt weiter zu

Antimikrobielle Resistenzen entstehen, wenn Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten nicht mehr auf entsprechende Medikamente ansprechen. An sich ist das ein natürlicher Prozess, der auf genetischen Veränderungen der Erreger beruht. Menschliches Handeln beschleunigt ihn jedoch massiv – vor allem Fehlgebrauch und Übergebrauch von Antibiotika und anderen antimikrobiellen Mitteln.

Ende 2025 war nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation eine von sechs im Labor bestätigten bakteriellen Infektionen bereits gegen Standardbehandlungen resistent.

In der Europäischen Union sterben jedes Jahr mehr als 35.000 Menschen infolge antimikrobieller Resistenzen. Zwischen 2025 und 2050 könnten weltweit 39 Millionen Todesfälle direkt auf bakterielle AMR zurückzuführen sein.

Kinder besonders gefährdet

Kinder, vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, sind Infektionen überdurchschnittlich stark ausgesetzt. Trotzdem fand der Bericht nur fünf Kinderarzneien in der Entwicklung.

Nur dreizehn Prozent der Projekte in der antimikrobiellen Pipeline richten sich an Kinder unter fünf Jahren. Dadurch verzögern sich Kinderzulassungen, selbst für vorhandene Antibiotika, heißt es. Von allen neuen Antibiotika, die seit 2000 eingeführt wurden, tragen nur zehn Prozent eine explizite Zulassung für Kinder.

Kindgerechte Darreichungsformen benötigen oft Jahre bis zur Genehmigung, so der Bericht. Gleichzeitig ist die Verfügbarkeit bestehender Antibiotika in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen häufig unzureichend.

Wie geht es weiter?

Der Bericht nennt außerdem sieben innovative Projekte in späten Entwicklungsphasen, die großes Potenzial im Kampf gegen resistente Infektionen haben.

Drei werden von großen forschenden Konzernen entwickelt – GSK, Otsuka und Shionogi – und vier von kleinen und mittleren Unternehmen: BioVersys, F2G, Innoviva und Venatorx.

Trotz dieser vielversprechenden Projekte bleibt die Entwicklung neuartiger antimikrobieller Mittel, die wirken, wenn ältere Medikamente versagen, insgesamt dünn besetzt, warnt die Analyse.

„Ohne Reformen auf globaler und nationaler Ebene – insbesondere bei Beschaffung, Finanzierung und Regulierung – kann die Industrie das erforderliche Tempo und die nötige Schlagkraft nicht erreichen“, heißt es in dem Bericht.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die Entdeckung neuer Antibiotika erst dann wirklich vorankommt, wenn die Finanzierung dem Ausmaß der AMR-Bedrohung entspricht. Bis dahin bleiben die Bemühungen vor allem reaktiv statt vorausschauend – mit hohen Kosten an Geld und Menschenleben.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Studie: Lesen, Rätsel und neue Fähigkeiten könnten Alzheimer hinauszögern

EU startet neues KI-Tool für mehr Lebensmittelsicherheit

Tägliche Multivitamine bremsen Alterung – Fachleute bleiben skeptisch