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Studie: landwirtschaftliche Pestizide erhöhen Krebsrisiko

Ein Landwirt besprüht ein Reisfeld am Stadtrand von Jammu in Indien, am Mittwoch, dem zweiten August zweitausenddreiundzwanzig. (AP Photo/Channi Anand)
Ein Bauer sprüht Pestizide auf ein Reisfeld am Rand von Jammu in Indien, am Mittwoch, dem zweiten August zweitausenddreiundzwanzig. (AP Photo/Channi Anand) Copyright  Copyright 2023 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
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Leben in Regionen mit hoher Belastung durch Agrarpestizide erhöht laut einer neuen Studie das Krebsrisiko deutlich.

Pestizide sind allgegenwärtig in Lebensmitteln, im Wasser und in der Umwelt. Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass sie mit einem erhöhten Krebsrisiko zusammenhängen könnten, insbesondere bei sozial verletzlichen Bevölkerungsgruppen.

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Die im Fachjournal Nature Health (Quelle auf Englisch) veröffentlichte Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Belastung durch landwirtschaftliche Pestizide und dem Risiko, an Krebs zu erkranken. Das Team wertete dafür Umwelldaten, Krebsregister und biologische Proben aus Peru aus.

„Zum ersten Mal können wir eine landesweite Pestizidbelastung mit biologischen Veränderungen in Verbindung bringen, die auf ein erhöhtes Krebsrisiko hindeuten“, erklärt Stéphane Bertani, Molekularbiologe am französischen Forschungsinstitut für nachhaltige Entwicklung (IRD).

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die krebserzeugende Wirkung von Pestiziden unter Realbedingungen noch unzureichend verstanden ist. Das erschwert belastbare Risikobewertungen und verzögert wirksame Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Um diese Lücke zu schließen, identifizierte das Team Regionen in Peru, in denen Menschen besonders stark Pestiziden ausgesetzt sind und häufiger bestimmte Krebsarten entwickeln. In diesen Zonen lag das Erkrankungsrisiko um hundertfünfzig Prozent höher.

An der Studie arbeiteten das französische Entwicklungsforschungsinstitut in Peru, das Institut Pasteur, die Universität Toulouse und das peruanische Nationale Institut für Neoplastische Erkrankungen zusammen.

Das Team modellierte die Verbreitung von Pestiziden in der Umwelt über sechs Jahre, von 2014 bis 2019. So entstand eine hochauflösende Karte mit Gebieten, in denen das Expositionsrisiko am höchsten ist, erklärt der Epidemiologe Jorge Honles von der Universität Toulouse.

Gebiete mit mittlerem und hohem Risiko umfassten mehr als ein Drittel des Staatsgebiets. Angetrieben durch weiträumige Transporte in Luft und Wasser reichte die Verunreinigung bis zu dreißig bis fünfzig Kilometer über die Anbauflächen hinaus.

Die Forschenden setzten ihr Modell im ganzen Land ein. Sie berücksichtigten dabei landwirtschaftliche Chemikalien, von denen keine von der Weltgesundheitsorganisation WHO als gesicherter krebserregender Stoff für den Menschen eingestuft ist, und kombinierten dies mit Modellen zu ihrer Ausbreitung in der Umwelt.

Durch den Abgleich der Pestizidkarte mit Krebsregistern nutzte die Studie Daten von mehr als 150.000 Patientinnen und Patienten, bei denen zwischen 2007 und 2020 eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde.

Die höchsten Umweltbelastungen durch Pestizide konzentrierten sich auf das andine Hochland und dessen Hänge, besonders in Regionen mit wenig Niederschlag. Dort können sich Pestizide leichter anreichern.

Molekularanalysen zeigten, dass Pestizide Prozesse stören, die für die Funktion und Identität von Zellen wichtig sind. Solche Veränderungen können auftreten, bevor ein Tumor entsteht. Das deutet auf frühe, schleichende und sich summierende Effekte hin, die Gewebe anfälliger für andere Risikofaktoren machen können – etwa Infektionen, Entzündungen oder zusätzliche Umweltbelastungen, heißt es in der Studie.

Pestizide: Zusammenhang mit allen Krebsarten?

Die Studie zeigt, dass bestimmte Tumoren, die zwar unterschiedliche Organe betreffen, gemeinsame biologische Schwachstellen aufweisen, die mit ihrem zellulären Ursprung zusammenhängen. Eine Pestizidbelastung kann diese Verwundbarkeiten zusätzlich schwächen.

Am weitesten ausgedehnt waren die Risikozonen für endodermale und ektodermale Epithelkarzinome. Diese Krebsarten kommen bei Erwachsenen am häufigsten vor und betreffen vor allem den Magen-Darm-Trakt, die Lunge und die Haut.

In Peru trifft das hepatozelluläre Karzinom (HCC), die häufigste Form von Leberkrebs, überproportional oft junge Menschen ohne Leberzirrhose mit indigener Herkunft. Besonders stark betroffen sind zentrale Regionen wie Junín, berichten die Forschenden.

Die Leber spielt eine zentrale Rolle beim Abbau von Chemikalien und gilt als Frühwarnorgan für Umweltbelastungen, erinnern die Autorinnen und Autoren.

Frühere Arbeiten brachten dieses Muster mit versteckten Hepatitis-B-Infektionen in Verbindung. Die neue Studie zeigt jedoch, dass Ballungsräume von Leberkrebs mit Gebieten starker Pestizidbelastung zusammenfallen und dass nicht-tumoröses Lebergewebe molekulare Signaturen einer frühen Karzinogenexposition trägt.

Pestizide sind in Lebensmitteln, im Wasser und in ganzen Ökosystemen weit verbreitet. Dadurch wird es sehr schwierig, die tatsächliche Umweltbelastung präzise zu kartieren, schreiben die Autorinnen und Autoren.

In Regionen, in denen intensive Landwirtschaft, nicht nachhaltige Landnutzung und eine schwache Gesundheitsversorgung zusammenkommen, kann die Verbreitung von Pestiziden die ökologische Widerstandskraft untergraben und bestehende Gesundheitsungleichheiten weiter verschärfen.

Die Forschenden sehen ihre Ergebnisse als klares Signal, soziale und ökologische Gerechtigkeit stärker in Regulierungen zu verankern – „ein entscheidender Schritt, um ökologische Schäden zu begrenzen und vulnerable Bevölkerungsgruppen vor umweltbedingtem Krebs zu schützen“.

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