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Long COVID könnte OECD-Staaten jährlich 116 Milliarden Euro kosten

Staaten dürften in den kommenden zehn Jahren jährlich rund elf Milliarden Dollar (9,40 Milliarden Euro) für Long-Covid-bedingte Gesundheitskosten ausgeben.
Staaten dürften in den kommenden zehn Jahren jährlich rund elf Milliarden Dollar (9,4 Milliarden Euro) für Langzeit-Covid-Kosten im Gesundheitswesen ausgeben. Copyright  Cleared/Canva
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Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Einer neuen Studie zufolge drohen den OECD-Staaten jährliche Kosten in Milliardenhöhe – etwa so viel wie die gesamten Gesundheitsausgaben Spaniens oder der Niederlande.

Long Covid, eine Langzeiterkrankung nach einer Covid‑19‑Infektion, könnte die Staaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in den kommenden zehn Jahren pro Jahr rund 135 Milliarden Dollar (fast 116 Milliarden Euro) kosten.

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„Das ist vergleichbar mit dem gesamten jährlichen Gesundheitsbudget der Niederlande oder Spaniens“, heißt es in einem neuen Bericht der OECD.

Im März hat sich der Beginn der Covid‑19‑Pandemie zum sechsten Mal gejährt. Ihre Folgen belasten die Weltwirtschaft jedoch weiterhin.

Millionen Menschen leiden nach wie vor unter Long Covid. Diese Spätfolgen kosten die Gesundheitssysteme Milliarden und setzen die Arbeitsmärkte unter Druck.

Die Erkrankung und andere postakute Infektionssyndrome gehen nicht zurück. Gleichzeitig warnt die OECD vor alarmierenden Anzeichen dafür, dass das politische und finanzielle Interesse an dem Thema nachlässt.

„Es braucht dauerhaftes Engagement, denn Maßnahmen gegen diese Erkrankungen nützen sowohl den Patientinnen und Patienten unmittelbar als auch der langfristigen Vorbereitung auf künftige Pandemie‑Szenarien“, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Auf Grundlage eigener Analysen schätzt die OECD, dass Long Covid im Jahr 2021 auf dem Höhepunkt der Pandemie etwa fünf Komma drei Prozent der Gesamtbevölkerung in den Mitgliedsländern betroffen hat. Das entspricht rund 75 Millionen Menschen; die Gesundheitskosten beliefen sich damals auf 53 Milliarden Dollar (45,3 Milliarden Euro).

Die Verbreitung von Long Covid und die damit verbundenen Gesundheitsausgaben sind seitdem zurückgegangen. Dennoch rechnet die OECD damit, dass die direkten Gesundheitskosten für die Behandlung der Erkrankung zwischen 2025 und 2035 bei rund elf Milliarden Dollar (rund neun Komma vier Milliarden Euro) pro Jahr verharren – selbst unter vorsichtigen Annahmen.

Was ist Long Covid?

Jeder Mensch, der sich mit Covid‑19 infiziert hat, kann Long Covid entwickeln. Das Syndrom zeigt sich in ganz unterschiedlichen Beschwerden: von Erschöpfung über Muskel‑ oder Gelenkschmerzen und Atemnot bis hin zu Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen („Gehirnnebel“).

Die Symptome beginnen meist innerhalb von drei Monaten nach der ursprünglichen Covid‑19‑Erkrankung und dauern mindestens zwei Monate an.

In der Regel bessert sich der Zustand mit der Zeit, meist innerhalb der ersten neun Monate; jedoch leiden etwa 15 von einhundert Betroffenen auch nach einem Jahr noch unter Beschwerden.

Nach heutigem Kenntnisstand handelt es sich bei Long Covid nicht um eine einzelne Krankheit, sondern um mehrere eng verwandte Unterformen mit möglicherweise unterschiedlichen Risikofaktoren – genetischen, umweltbedingten oder anderen – und vielfältigen biologischen Mechanismen, heißt es im OECD‑Bericht.

Folgen weit über die Gesundheit hinaus

In den wohlhabenden Ländern zeigt sich ein einheitliches Bild: Anhaltende Beschwerden nach einer Infektion sind nicht nur eine Herausforderung für das Gesundheitswesen, sondern bremsen auch strukturell die Wirtschaftsleistung, so der Bericht.

„Die indirekten wirtschaftlichen Kosten von Long Covid werden die damit verbundenen Gesundheitsausgaben in den Jahren 2025 bis 2035 bei weitem übersteigen.“

Die OECD hat die sozioökonomischen Folgen von Long Covid untersucht. Treiber sind Erwerbsunterbrechungen, ein vorzeitiger Rückzug aus dem Arbeitsleben und geringere Produktivität.

„Long Covid wird die Erwerbsbeteiligung und Produktivität der Arbeitskräfte weiter dämpfen – in einer Zeit schwachen Wachstums und alternder Gesellschaften“, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Mit Blick nach vorn gehen Projektionen davon aus, dass sich – je nach weiterer Verbreitung des Virus – die Häufigkeit von Long Covid in den kommenden zehn Jahren bei etwa null Komma sechs bis eins Komma null Prozent der OECD‑Bevölkerung einpendeln könnte.

Berechnungen bis 2035 zeigen: Unter sehr optimistischen Annahmen könnten die Verluste auf kaum noch messbare Werte sinken. Realistischere Szenarien sagen jedoch anhaltende jährliche Einbußen von null Komma eins bis null Komma zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts voraus – das entspräche rund 135 Milliarden Dollar (115,38 Milliarden Euro) pro Jahr im nächsten Jahrzehnt.

Wie geht es weiter?

Die klinischen Merkmale von Long Covid sind inzwischen deutlich besser verstanden. Seine wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen werden jedoch erst nach und nach systematisch erfasst, stellt die OECD fest.

Schon beim Gesundheitsaspekt allein sind Anerkennung, Diagnose und Versorgung von Land zu Land sehr unterschiedlich, heißt es in dem Bericht.

Den meisten Ländern fehlen belastbare, gut nutzbare Daten zu Long Covid. Das erschwert verlässliche Schätzungen der Krankheitslast und die Entwicklung wirksamer politischer Maßnahmen, so die OECD.

Die Autorinnen und Autoren fordern die Staaten auf, die Erhebung und Veröffentlichung hochwertiger nationaler Long‑Covid‑Daten zu einem Schwerpunkt der Gesundheitspolitik zu machen.

Aus den Erfahrungen mit Long Covid zu lernen, sei entscheidend, um besser auf künftige Pandemien vorbereitet zu sein, betont die OECD.

„Die Reaktion auf Covid‑19 hat gezeigt, dass die langfristigen Folgen einer Infektion in den frühen Phasen oft vernachlässigt wurden und in der postakuten Erholungsphase der Pandemie erneut aus dem Blick zu geraten drohten“, heißt es in dem Bericht.

Bei jeder künftigen Pandemie oder beim Auftreten einer neuen oder aggressiveren Variante von Covid‑19 müsse man mögliche Langzeitfolgen – medizinisch als Spätfolgen einer früheren Erkrankung bezeichnet – von Beginn der akuten Phase an mitdenken und in die Planung einbeziehen, so die Fachleute.

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