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Gute gegen schlechte Mücken: wie Google tödliche Krankheiten eindämmen will

Weltweit sterben jedes Jahr rund 700.000 bis 1 Million Menschen durch Mückenstiche.
Mücken verursachen weltweit jedes Jahr rund 700 000 bis 1 Million Todesfälle. Copyright  Cleared/Canva
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Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Google will in einem neuen Projekt Millionen Mücken in den USA aussetzen, um von Mücken übertragene Krankheiten einzudämmen – mit „nützlichen“ Insekten statt mit Bekämpfung.

Stechmücken sind weltweit jedes Jahr für rund 700.000 bis eine Million Todesfälle bei Menschen verantwortlich. Damit gehören die fliegenden Plagegeister zu den tödlichsten Insekten des Planeten.

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Ihre Zahl dürfte weiter steigen, weil der Klimawandel und zunehmende Migration ihre Verbreitung fördern und die Lebensräume der Mücken ausdehnen.

Wie lässt sich ihr Vormarsch stoppen?

Um dieses Problem anzugehen, arbeitet Google am Projekt Debug. Ziel ist es, mehr „gute“ als „schlechte“ Mücken in die Umwelt zu entlassen.

Der US-Technologiekonzern hat nun bei den Behörden beantragt, innerhalb von zwei Jahren bis zu 64 Millionen Mücken in Kalifornien und Florida freizusetzen.

„Wir versuchen, die gefährlichen Mücken zu stoppen, indem wir nützliche Mücken züchten und aussetzen“, heißt es auf der Debug-Webseite von Google.

„Unsere nützlichen Insekten sind männliche Stechmücken, die das natürlich vorkommende Bakterium Wolbachia tragen. Es sorgt dafür, dass sie mit wilden weiblichen Mücken keine Nachkommen bekommen.“

Paaren sich wilde Weibchen mit einem sterilen Männchen, schlüpfen aus ihren Eiern keine Larven. So schrumpft die Population mit jeder Generation, und die Übertragung von Krankheiten kommt zum Erliegen. Weibliche Stechmücken übertragen Krankheiten wie Dengue, Malaria und Gelbfieber. Sie saugen Blut von Menschen oder Tieren, um Eiweiß für ihre Eier zu gewinnen, und geben dabei Krankheitserreger weiter.

Männliche Mücken sollen es richten

Ein Team aus Forschenden sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren bei Google entwickelt mehrere Methoden, um männliche Mücken unfruchtbar zu machen.

Eine der Methoden, die auch für den möglichen Einsatz in Kalifornien und Florida vorgesehen ist, infiziert die Mücken mit Wolbachia.

Im Unterschied zu chemischen Pestiziden und Insektiziden, die Ökosysteme schädigen können, kommt die Wolbachia-Methode ohne Gifte aus und verändert das Erbgut nicht. Sie gilt daher als sicher für Menschen und Umwelt.

Stechmücken tragen Viren nicht von Natur aus in sich; sie nehmen sie von infizierten Menschen auf. Stechen können jedoch nur die Weibchen, und nur sie übertragen Krankheiten. Am Programm beteiligt sind daher ausschließlich männliche Tiere.

Das Projekt will Millionen steriler Mücken züchten, die Männchen von den Weibchen trennen und die Männchen anschließend in der Natur aussetzen.

„Die richtige Zahl nützlicher Mücken am richtigen Ort ist entscheidend. Deshalb entwickeln wir Software und Überwachungswerkzeuge, die jede Freisetzung steuern“, heißt es auf der Projektseite.

Auf welche Mücken zielt das Programm?

Weltweit gibt es mehr als 3.000 Stechmückenarten, die Hunderte von Krankheiten und Viren übertragen. Nicht alle sind jedoch gleich gefährlich.

Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung ist dem Risiko ausgesetzt, sich durch eine bestimmte Mückenart anzustecken: Aedes aegypti.

Diese Art verursacht den Großteil der Dengue-, Zika-, Gelbfieber- und Chikungunya-Fälle. Zusammengenommen führen diese Krankheiten weltweit jedes Jahr zu Zehntausenden Todesfällen.

Pilotprojekt in Zypern

Auch andere Länder setzen bereits ähnliche Methoden ein, etwa die Sterile Insekten-Technik (SIT). Zypern ließ im Jahr 2023 über einen Zeitraum von mehr als 20 Wochen hinweg jede Woche 100.000 sterile Männchen frei.

Das Land bestätigte 2022 erstmals das Vorkommen der Mücke Aedes aegypti auf der Insel. Das gilt als Hinweis darauf, dass sich diese Art in Europa ausbreitet.

„Das Auftreten der zwei Arten invasiver Mücken bringt erhebliche Herausforderungen für Zypern mit sich. Wird Aedes aegypti nicht ausgerottet, könnte dies schwerwiegende Folgen für ganz Europa haben“, sagte Rafael Mariano Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, zu Beginn des Projekts.

In diesem Programm machte man die Mücken mit Bestrahlung unfruchtbar, einer Methode, die auch zur Bekämpfung landwirtschaftlicher Schädlinge wie der Mittelmeerfruchtfliege, des Falschen Apfelwicklers, des Schraubenwurms der Neuen Welt und von Tsetsefliegen eingesetzt wird.

Weitere Pilotversuche mit SIT fanden 2020 in Kuba und 2017 in China statt.

2025: Rekordjahr für Mücken in Europa

Europa erlebt längere und intensivere Übertragungszeiten für mückenübertragene Krankheiten.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) führt diese Entwicklung auf klimatische und ökologische Faktoren zurück: steigende Temperaturen, längere Sommer, mildere Winter und veränderte Niederschlagsmuster.

Nach Angaben der Behörde gehören zu den wichtigsten betroffenen Arten Aedes albopictus, der Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren übertragen kann, Aedes aegypti, der zusätzlich das Gelbfiebervirus verbreitet, sowie Culex pipiens, der Hauptüberträger des West-Nil-Virus.

Die Mücke Aedes albopictus, die das Chikungunya-Virus übertragen kann, ist nach ECDC-Angaben inzwischen in 16 europäischen Ländern und 369 Regionen heimisch. Vor zehn Jahren waren es erst 114 Regionen.

Auch Fälle des West-Nil-Virus treten zunehmend in neuen Regionen Europas auf, etwa in den italienischen Provinzen Latina und Frosinone sowie im rumänischen Kreis Sălaj.

„Mit dem Wandel bei mückenübertragenen Krankheiten wird in Zukunft mehr Menschen in Europa Gefahr drohen. Umso wichtiger ist die Vorbeugung – durch koordinierte Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens und durch persönlichen Schutz“, sagte Céline Gossner, leitende Expertin für neu auftretende und vektorübertragene Krankheiten beim ECDC, am Weltmückentag 2025.

Weitere Vorsorgemaßnahmen bestehen darin, stehendes Wasser aus Behältern wie Blumentöpfen, Eimern und verstopften Regenrinnen zu entfernen, damit Mücken dort keine Brutstätten finden.

In größeren Wasserflächen lassen sich nach Empfehlung des ECDC Larvizide einsetzen. Während aktiver Ausbrüche können zudem Insektizide gegen erwachsene Mücken verwendet werden – stets unter Berücksichtigung der ökologischen Folgen.

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