In Ceuta sind die jährlichen Feierlichkeiten zu Ehren der Schutzpatronin, der Jungfrau von Afrika (Nuestra Señora de África), ausgefallen. Nach über 24 Stunden öffnen Läden und Lokale nach und nach wieder.
Euronews berichtet aus Ceuta: Die Behörden versuchen dort, nach dem beispiellosen Zustrom von Migranten wieder Ordnung herzustellen. Entlang des Wellenbrechers, über den mindestens 60.000 Menschen auf irregulärem Weg die Grenze überschritten hatten, montieren Arbeiter neue Schutzbarrieren. Sie sollen eine erneute Massenankunft verhindern.
Trotz dieser Maßnahmen sind die Folgen der Krise weiter sichtbar. Das Euronews-Team trifft noch immer auf Migranten, die durch die Straßen ziehen. Die Behörden gehen zudem davon aus, dass eine unbekannte Zahl bei Freunden und Verwandten Unterschlupf gefunden hat.
Ein Anwohner schildert im Gespräch mit Euronews den Moment, in dem die Menge in die Stadt drängte.
„Ehrlich gesagt, es war beängstigend. Als diese ganze Menge hereinströmte… ja, wir hatten Angst. Wirklich. Dann kamen die Streitkräfte, Gott sei Dank, und konnten wieder etwas Ordnung herstellen.“
Der Unternehmerverband von Ceuta erklärt, dass lokale Betriebe ihre Arbeit wieder aufgenommen haben, wenn auch „mit Vorsicht“. Zuvor hatten die Einwohner mehr als 24 Stunden in ihren Wohnungen ausgeharrt.
Währenddessen blieben die meisten Geschäfte geschlossen. In einigen Vierteln fehlten dadurch Grundnahrungsmittel, sogar frisches Brot.
Unter denen, die noch in der Stadt sind, ist ein junger Migrant. Er erzählt Euronews, er sei auf der Suche nach einer besseren Zukunft gekommen.
„Ich bin hierher gekommen, um ein neues Leben zu finden. Mein Vater, meine ganze Familie, sie sind arm. Jetzt sind wir hier und versuchen zu überleben, wir schlafen auf der Straße. Das Leben ist wirklich hart.“
Er berichtet, dass er nicht zum ersten Mal in Ceuta ist. Vorerst hat er nicht vor, die Stadt zu verlassen.
Normalerweise würde die Stadt in diesen Tagen das Fest zu Ehren der Schutzpatronin Nuestra Señora de África, der Jungfrau von Afrika, feiern. In diesem Jahr wurden die Feierlichkeiten jedoch abgesagt.
Dieser für die dortige Kultur außergewöhnliche Schritt zeigt das Ausmaß der Krise. Die Behörden bemühen sich, wieder Normalität einkehren zu lassen, doch in Ceuta herrschen weiterhin Angst, Unsicherheit und Wut – aber auch Mitgefühl.
Die Stadt ringt noch immer mit den Folgen eines der größten irregulären Grenzübertritte ihrer Geschichte.