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Studie: Welt droht bis 2050 Mangel von 100 Millionen Krebsfachkräften

Krebsversorgung: Bis 2050 fehlen weltweit 100 Millionen Fachkräfte
Bis 2050 fehlen weltweit 100 Millionen Fachkräfte für Krebsbehandlung Copyright  Canva/Cleared
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Von Marta Iraola Iribarren
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Neuer Bericht warnt: Welt steuert auf Versorgungskrise bei Krebs zu – Fallzahlen steigen rasant, das medizinische Personal kommt nicht hinterher.

Die Welt wird bis 2050 fast 100 Millionen zusätzliche Fachkräfte in der Krebsversorgung brauchen, warnt eine neue Studie.

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Am größten werden die Lücken bei Pflegekräften und Diagnosespezialistinnen und -spezialisten sein, vor allem in der Radiologie und Pathologie. Am stärksten betroffen sind Afrika und Asien.

Der Bericht der Lancet Oncology Commission, der auf der Jahrestagung 2026 der American Society of Clinical Oncology vorgestellt wurde, warnt: Der Mangel an gut ausgebildetem Personal für Krebsbehandlung und Forschung bleibt ein zentrales Hindernis, um globale Ungleichheiten abzubauen.

Personalmangel trifft alle Länder

Auf Basis aktueller Trends rechnet die Studie bis 2050 mit einem Fehlbestand von 99,9 Millionen Beschäftigten im Bereich Krebs. Dazu zählen Personen in Forschung, Regulierung und finanziellen Unterstützungsstrukturen ebenso wie die Gemeinschaften, die von Forschung profitieren und zu ihr beitragen.

Besonders gravierend wird der Mangel in Afrika und Asien ausfallen: Dort fehlen voraussichtlich 34,3 Millionen bzw. 57,3 Millionen Fachkräfte.

Die Forschenden betonen jedoch, dass keine Region verschont bleibt. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen treibt vor allem der sogenannte Brain Drain, also die Abwanderung qualifizierter Kräfte ins Ausland, den Personalmangel.

In wohlhabenden Staaten geraten die Gesundheitssysteme vor allem durch Burn-out, Depressionen und Budgetkürzungen unter Druck.

Besonders betroffen ist die Grund- und Allgemeinversorgung: Bis 2050 werden weltweit über 65 Millionen zusätzliche Pflegekräfte benötigt, dazu 16 Millionen weitere Diagnosespezialistinnen und -spezialisten in Radiologie und Pathologie.

„Unsere globale Initiative ist eine klare Warnung: Wenn wir den kritischen Personalmangel nicht zügig angehen, steuern wir auf eine Krebskrise zu, wie wir sie noch nie erlebt haben“, sagte die Co-Vorsitzende der Kommission, Hedvig Hricak vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York.

„Wir fordern sofortige, länderspezifische Strategien, einen klügeren Personaleinsatz, die Verlagerung von Aufgaben sowie den Einsatz von KI und digitaler Gesundheit. Dazu braucht es eine zukunftsorientierte Ausbildung und eine starke, langfristig gesicherte Finanzierung, auch über öffentlich-private Partnerschaften.“

Der Personalmangel verzögert nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren nicht nur die Versorgung heutiger Patientinnen und Patienten, sondern bremst auch die Forschung von morgen.

„Fortschritte in der weltweiten Krebsforschung setzen eine Belegschaft voraus, die Ideen entwickelt, Studien konzipiert, Teams führt und Erkenntnisse in wirksame Strategien und Leitlinien zur Krebsbekämpfung übersetzt“, heißt es im Bericht.

Krebserkrankungen weltweit auf dem Vormarsch

Krebs gilt als stille Pandemie, schreiben die Autorinnen und Autoren. Für 2050 rechnen sie mit 35,3 Millionen neuen Fällen, nach 20 Millionen im Jahr 2022, und mit 18,5 Millionen Todesfällen pro Jahr weltweit.

Das Team nutzte das Mikrosimulationsmodell Global Cancer Workforce. Es berücksichtigt demografische, epidemiologische und gesundheitsbezogene Faktoren, die die Häufigkeit von Krebs und die Überlebenschancen beeinflussen. Damit modellierten die Forschenden die aktuelle und künftige Situation für 17 häufige Krebsarten und 18 Berufsgruppen in 200 Ländern und Territorien im Zeitraum von 2030 bis 2050.

„Diese Ergebnisse sind ernüchternd. Der erwartete Anstieg um 35 Millionen Krebsfälle pro Jahr weltweit steht in krassem Gegensatz zu dem prognostizierten weltweiten Defizit von 100 Millionen Beschäftigten in der Krebsversorgung bis 2050“, sagte Mark Lawler von der Queen’s University Belfast und der Kommission, Mitautor der Studie, bei der Präsentation des Berichts.

„Machen wir uns nichts vor: Das ist ein Weckruf, egal wo auf der Welt Sie leben. Was wir herausgefunden haben, ist schockierend: Wie sollen wir einen Anstieg von 15 Millionen diagnostizierten Krebsfällen mit einem Rückgang von 100 Millionen Beschäftigten in der Krebsversorgung vereinbaren? Die Daten lügen leider nicht. Wir können nicht bis 2050 warten, um zu sehen, ob unsere Prognosen stimmen, wir müssen jetzt handeln.“

Rund 70 Prozent der neu diagnostizierten Krebsfälle werden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auftreten, also in den Regionen, die am stärksten unter dem Personalmangel leiden.

Über alle im Modell betrachteten Krebsarten hinweg steigt die weltweit diagnostizierte Inzidenz voraussichtlich von 165 Fällen pro 100.000 Menschen im Jahr 2025 auf 200 pro 100.000 im Jahr 2050.

Zuwächse erwarten die Forschenden in allen Weltregionen und bei nahezu allen Krebsarten, mit Ausnahme von Magenkrebs. Lungen-, Brust-, Darm- und Prostatakrebs dürften weltweit die häufigsten Diagnosen bleiben.

„Wer Entwicklungen bei Krebsfällen, Überlebenschancen und Personalbedarf versteht – und ihre Unterschiede je nach Kontext oder Region –, kann Krebsstrategien gezielter planen und Ressourcen besser einsetzen“, heißt es abschließend.

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