Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

90 Minuten Herzstress: wie WM-Spiele Herzinfarkte auslösen können

Im Zentrum Madrids feiern spanische Fans das Tor von Oyarzabal im WM-Spiel Spanien gegen Österreich in Inglewood, Kalifornien, am zweiten Juli 2026.
Spanische Fans im Zentrum Madrids feiern Oyarzabals Tor während des WM-Spiels Spanien gegen Österreich in Inglewood, Kalifornien, am zweiten Juli 2026 Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
Copyright Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
Von Christina Thykjaer
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Studien zeigen: Der emotionale Stress bei besonders spannenden Spielen steigert bei gefährdeten Menschen das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme.

Das lange erwartete Duell Spanien gegen Belgien verspricht an diesem Freitag große Emotionen. Zugleich rückt es eine Frage wieder in den Mittelpunkt, mit der sich die Wissenschaft seit Jahren beschäftigt: Kann ein Fußballspiel einen Herzinfarkt auslösen?

WERBUNG
WERBUNG

Studien deuten darauf hin, dass der emotionale Stress besonders intensiver Begegnungen das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei gefährdeten Menschen erhöhen kann. Fachleute betonen jedoch, dass der Fußball nicht die eigentliche Ursache ist, sondern höchstens der Auslöser.

Die Leidenschaft für Fußball treibt nicht nur den Puls in die Höhe. In entscheidenden Partien steigen Herzfrequenz, Blutdruck und die Spiegel von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol deutlich an.

Bei den meisten gesunden Fans sind diese Veränderungen vorübergehend und folgenlos. Wer jedoch bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat oder mehrere Risikofaktoren, kann durch diesen Stresspeak einen akuten Herznotfall erleiden.

Einer der bekanntesten Studien erschien nach der WM in Deutschland 2006 im 'New England Journal of Medicine' (Quelle auf Spanisch). Die Forschenden stellten fest: An Tagen, an denen die deutsche Nationalmannschaft spielte, stieg die Zahl der Notaufnahmen wegen Herzproblemen spürbar, besonders bei den nervenaufreibendsten Spielen. Das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis war bis zu 2,7-mal höher als an anderen Tagen. Die Studie gilt seither als Referenz für die Auswirkungen von Stress im Sport.

Seitdem haben verschiedene Untersuchungen ähnliche Ergebnisse bei internationalen Turnieren und Großereignissen gefunden, vor allem wenn Spiele in die Verlängerung gehen, im Elfmeterschießen entschieden werden oder bis zum Abpfiff spannend bleiben.

Smartwatches bestätigen den Effekt

Die jüngste Forschung stammt von der Universität Bielefeld in Deutschland und wurde in diesem Jahr in 'Scientific Reports (Quelle auf Spanisch)' veröffentlicht. Die Forschenden begleiteten über mehrere Wochen mehr als 200 Fans mit Smartwatches, um Herzfrequenz und Stressniveau während der Fußballspiele kontinuierlich zu messen.

Das Ergebnis: Hochintensive Begegnungen ließen die Herzfrequenz klar ansteigen und erhöhten den physiologischen Stress, besonders bei Fans, die emotional stark mit ihrem Team mitfiebern. Im Stadion fielen diese Reaktionen deutlich heftiger aus als zu Hause.

Es ist nicht nur das Spiel

Kardiologinnen und Kardiologen betonen, dass Fußball selten isoliert wirkt. Das Risiko steigt, wenn der emotionale Stress mit typischen Begleitfaktoren zusammenkommt - etwa mit hohem Alkoholkonsum, üppigem Essen, Rauchen, Schlafmangel sowie bestehenden Problemen wie Bluthochdruck, Diabetes oder schlecht kontrolliertem hohen Cholesterin.

In solchen Situationen kann die Kombination aus körperlichem und emotionalem Stress Herzrhythmusstörungen, hypertensive Krisen oder sogar einen Herzinfarkt auslösen, vor allem bei Menschen mit bereits bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Müssen sich Spaniens Fans heute Abend Sorgen machen?

Expertinnen und Experten wie der Kardiologe José Abellán geben Entwarnung. Für die überwältigende Mehrheit der Zuschauer ist ein hoch emotionales Spanien-Belgien kein gesundheitliches Risiko.

Menschen mit Herzvorgeschichte sollten jedoch Maß halten, ihre Behandlung konsequent einhalten und Warnzeichen nicht ignorieren - etwa Brustschmerzen, Atemnot, starke Schweißausbrüche oder Beschwerden, die in Arm oder Kiefer ausstrahlen.

Denn die Spannung beim Fußball verursacht Herzinfarkte nicht aus dem Nichts. Die Wissenschaft zeigt jedoch seit Jahren, dass ein Spiel mit maximalem Nervenkitzel zum perfekten Auslöser werden kann, wenn das Herz bereits geschwächt ist.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

WM 2026: Frankreich schlägt Marokko – Mbappé und Dembélé führen Les Bleus ins Halbfinale

Nach Hafermilch setzt Europa auf Erbse: Griechin treibt die Entwicklung voran

90 Minuten Herzstress: wie WM-Spiele Herzinfarkte auslösen können