Nach Angaben der Behörden in Kairo ließ ein Drohnenangriff am Mittwoch im Hafen der Stadt Damietta am Mittelmeer Feuer auf zwei Schiffen ausbrechen. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Angriff. Ein Indiz weist allerdings in Richtung Iran.
Am Mittwoch hat eine Drohne im Mittelmeerhafen von Damietta ein Flüssigerdgas-Schiff mit us-amerikanischem Eigentümer getroffen. Auf dem Tanker brach ein Feuer aus, das auf ein zweites Schiff übergriff. Sollte es sich um einen gezielten Schlag handeln, wäre dies der erste Angriff auf ägyptisches Staatsgebiet seit Beginn des Krieges zwischen dem Iran und den USA im Februar.
Ägyptens Kabinett bestätigte am Donnerstagmorgen, dass „erste Ermittlungen der zuständigen Behörden ergeben haben, dass der Vorfall durch eine Drohne verursacht wurde“. Damit liegt erstmals eine offizielle Bestätigung zur Art des zuvor lediglich als Luftschlag bezeichneten Angriffs vor.
Bisher hat sich keine Konfliktpartei zu dem Angriff bekannt, die Untersuchung dauerte zuletzt an.
Ägyptische Regierung ergreift Schutzmaßnahmen
Die Behörden ergriffen „Maßnahmen zum Schutz der Interessen und der nationalen Sicherheit Ägyptens“, erklärte das Kabinett. Das Erdölministerium hatte den Brand bereits früher bestätigt, ohne die Ursache zu nennen. Erdölminister Karim Badawi reiste in den Hafen, um die Einsatzkräfte zu koordinieren.
Nach Angaben der maritimen Sicherheitsfirma Ambrey und des britischen Unternehmens Vanguard traf die Drohne die Energos Winter, eine unter Flagge der Marshallinseln fahrende schwimmende Speicher- und Wiederverdampfungseinheit des US-Unternehmens New Fortress Energy, gegen 15.20 Uhr MEZ auf der Steuerbordseite.
Das Feuer griff auf den nahe gelegenen, unter Bermuda-Flagge fahrenden LNG-Tanker Gaslog Salem über. Beide Besatzungen wurden evakuiert. Der Brand konnte unter Kontrolle gebracht werden, Verletzte wurden nicht gemeldet. Beide Schiffe wurden anschließend zur Begutachtung auf Reede gelegt, also auf einen geschützten Ankerplatz außerhalb des Hafens.
Teheran präsentierte zuvor mögliche Angriffsziele
Ägyptische Behörden und mehrere maritime Quellen bestätigten, dass das iranische Staatsfernsehen Damietta bereits zwei Tage zuvor als mögliches Ziel einer „Vergeltung gegen ukrainische Interessen“ bezeichnet hatte. Zuvor hatten ukrainische Streitkräfte am Wochenende ein iranisches Schiff im Kaspischen Meer angegriffen.
Die auf dem staatlichen Sender gezeigte Karte beschrieb Damietta als „Tor für Gasexporte nach Europa“. Außenminister Abbas Araghchi sagte am Dienstag, Iran strebe „keine Eskalation“ an, fordere von Kyjiw jedoch „Entschädigung“.
Die Energieanalysefirma Kpler erklärte, der Angriff habe den Betrieb am Terminal unterbrochen und beide Schiffe gezwungen, auf das offene Meer auszuweichen.
Der frühere Leiter der Hafenbehörde von Damietta, Generalmajor Ayman Salah, erklärte, der Wiederverdampfungsprozess laufe unter sehr hohem Druck; schon ein kleines Leck könne einen Brand auslösen.
Vorfall inmitten kritischer Phase
Der Vorfall in der Region ereignete sich in einer Phase äußerster Anspannung.
Am Mittwoch feuerte die Revolutionsgarde (IRGC) ballistische Raketen auf US-Truppen in Jordanien. Die USA und Saudi-Arabien griffen ihrerseits mit Iran verbundene Milizenstellungen im Irak an. Zudem verhängte die Huthi-Bewegung im Jemen ein Seeembargo gegen Saudi-Arabien. Beobachter befürchten die bislang breiteste simultan verlaufende Eskalation in der Region seit Kriegsbeginn am 28. Februar.
Ägypten war in dem Konflikt bisher von Angriffen verschont geblieben und pflegt weiterhin Beziehungen sowohl zu Washington als auch zu Teheran.
Der Suezkanal, durch den normalerweise rund zwölf Prozent des weltweiten Handels laufen, verzeichnet seit Beginn der Kämpfe einen drastischen Rückgang des Schiffsverkehrs.
Nun drohen zusätzliche Einbußen: Die Huthi wollen nach Angaben aus der Region eine Abgabe auf vorbeifahrende Frachtschiffe erheben und haben Schläge gegen Schiffe angekündigt, deren Reedereien nicht zahlen wollen. Das könnte den Verkehr durch die Straße von Bab el-Mandeb im Roten Meer stark einschränken.
Ägypten war früher LNG-Exporteur. Damietta beherbergt eines der ersten LNG-Exportterminals der arabischsprachigen Welt. Sinkende heimische Gasförderung hat das Land jedoch zu einem Nettoimporteur gemacht.