Eine neue Studie sieht einen engen Zusammenhang zwischen Mobile-Gaming-Sucht und Muskel-Skelett-Schmerzen: Süchtige Studierende klagen drei Mal häufiger über Nacken- und vier Mal häufiger über Ellbogenschmerzen.
Mobiles Spielen könnte jungen Menschen körperlich zusetzen. Darauf deutet neue Forschung (Quelle auf Englisch) hin, die problematisches Spielverhalten mit deutlich höheren Raten von Schmerzen im Nacken, im oberen Rücken sowie in Ellbogen und Handgelenken in Verbindung bringt.
Gaming gehört für viele junge Menschen inzwischen ganz selbstverständlich zum digitalen Alltag. Einige zusätzliche Pausen – und vielleicht etwas weniger Zeit in gebückter Haltung über dem Smartphone – könnten ihrer körperlichen Gesundheit ebenso zugutekommen wie ihrem digitalen Wohlbefinden, sagen die Forschenden.
Für die Studie befragten die Autorinnen und Autoren 364 Medizinstudierende an Universitäten in Jordanien. Sie prüften, ob eine Abhängigkeit von Mobile Games mit Beschwerden am Bewegungsapparat zusammenhängt.
Rund neun Prozent der Befragten – 34 Personen – erfüllten die Kriterien der Studie für eine Abhängigkeit von mobilem Gaming.
Besonders deutlich waren die Unterschiede bei Schmerzen in Bereichen des Oberkörpers, die bei längerer Nutzung von Handgeräten stark beansprucht werden.
Unter den als abhängig eingestuften Studierenden berichteten 85,3 Prozent über Nackenschmerzen; bei den übrigen waren es 65 Prozent. Schmerzen im oberen Rücken meldeten 64,7 Prozent der abhängigen Gruppe, gegenüber 55 Prozent ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen. Noch größer war der Abstand bei Ellbogenschmerzen: 41,2 Prozent der Abhängigen klagten darüber, aber nur 12,5 Prozent der nicht Abhängigen. Auch Schmerzen in Hand- und Handgelenken traten bei Abhängigen häufiger auf – 41,2 Prozent gegenüber 34 Prozent.
Laut Studie berichteten Studierende mit Gaming-Sucht zudem häufiger, dass ihre Beschwerden am Bewegungsapparat den Alltag beeinträchtigen – etwa beim Lernen oder bei Hobbys. Einige von ihnen hatten wegen Schmerzen in Hand- und Handgelenken, Hüften oder Knien eher ärztliche Hilfe gesucht.
Längeres mobiles Spielen bringt auch ergonomische Probleme mit sich. Wer das Smartphone lange hält, verkrampft leicht die Finger, hält Arme und Nacken in starren Positionen und wiederholt einseitige Bewegungen.
Die Autorinnen und Autoren betonen, Gaming dürfe daher nicht nur als Frage der Bildschirmzeit oder der psychischen Gesundheit betrachtet werden.
Die Forschenden rufen zu mehr Bewusstsein für digitale Gesundheit auf (Quelle auf Englisch), außerdem zu ergonomischer Aufklärung, Haltungstraining und Verhaltensänderungen unter Studierenden. Hochschulen könnten in ihre Gesundheitsprogramme für Studierende Empfehlungen zu Pausen, zur Positionierung der Geräte und zu gesunden Gaming-Gewohnheiten aufnehmen – vor allem für Gruppen, die lange Lern- oder Arbeitsphasen vor Bildschirmen verbringen.