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Computerspiel "FIFA 23" zeigt Marokkanerin Nouhaïla Benzina mit ihrem Hidschab

Nouhaïla Benzina, die erste Spielerin, die bei einem WM-Spiel einen Hidschab trug, hat jetzt ein entsprechendes Pendant im Videospiel
Nouhaïla Benzina, die erste Spielerin, die bei einem WM-Spiel einen Hidschab trug, hat jetzt ein entsprechendes Pendant im Videospiel Copyright Electronic Arts
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Von David Mouriquand
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

FIFA 23 hat das Spielermodell der marokkanischen Verteidigerin Nouhaïla Benzina um einen Hidschab ergänzt, nachdem sie bei der Frauen-WM das islamische Kopftuch trug. Aber warum ist der Hidschab im Fußball nach wie vor ein so umstrittenes Thema?

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Während der laufenden FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023 schrieb die marokkanische Spielerin Nouhaïla Benzina Geschichte, als sie als erste Spielerin ein WM-Spiel mit dem  islamischen Kopftuch bestritt.

Im neuesten Update Nummer 16 für das Computerspiel "FIFA 23" hat der Hersteller Electronic Arts (EA) Nouhaïla Benzinas Spielermodell aktualisiert und ihr einen Hidschab verpasst.

In FIFA 16 wurden erstmals Frauen-Nationalmannschaften in die FIFA-Reihe aufgenommen, und FIFA 2023 wird das erste Spiel sein, das auch Frauen-Vereinsmannschaften enthält.

"Wir haben die Vision, nicht nur die 150 Millionen Fans zu erreichen, die wir jetzt haben, sondern eine Milliarde Fans", sagte John Shepherd, Vizepräsident und Executive Producer von Electronic Arts. "Wir wollen, dass dieses Spiel und diese Marke, dieser Club, diese Reihe, jeden willkommen heißt."

Das nächste Spiel von EA wird jedoch nicht FIFA heißen. Die Serie wird in EA Sports FC 24 umbenannt, nachdem es Probleme mit dem Wiedererwerb der FIFA-Lizenz gab. Das diesjährige Spiel, EA Sports FC 24, wird Berichten zufolge Frauen als Teil des "Ultimate Team-Modus" enthalten. In diesem für das Spiel charakteristischem Modus können die Spieler:innen Teams mit männlichen und weiblichen Spielern zusammenzustellen.

Der Hidschab im Fußball bleibt ein umstrittenes Thema

Electronic Arts
Modell der Spielerin Nouhaila Benzina im Computerspiel 'FIFA 23'Electronic Arts

Das Tragen von Kopfbedeckungen aus religiösen Gründen bei Spieler:innen wurde erst 2014 erlaubt, als die FIFA (der reale Fußballverband, nicht das EA-Sportspiel) ihre Regeln bezüglich des Hidschabs aktualisierte. Zuvor war das Kopftuch verboten, weil man befürchtete, dass es zu Verletzungen führen könnte.

Benzina, die sowohl für den marokkanischen Verein ASFAR als auch für die Nationalmannschaft spielt, hat das Kopftuch während der laufenden Frauen-WM regelmäßig getragen.

Trotz der Genehmigung aus dem Jahr 2014 wurde die 25-jährige Verteidigerin für ihre Entscheidung, mit ihrem Hidschab anzutreten, kritisiert. Der Journalist Philippe Guibert bezeichnete die Entscheidung als "unglaublich regressiv". 

Die französische Sportzeitung L'Equipe erklärte, dass "die Position der FIFA nicht die gleiche ist wie die Frankreichs".

MOHAMMAD ABU GHOSH / AP
Mitglieder des iranischen Frauenfußball-Teams im Jahr 2007.MOHAMMAD ABU GHOSH / AP

Im Juni 2023 bestätigte Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht ein Verbot des Kopftuchs für Fußballspielerinnen während des Spiels. Französische Politiker hatten das  Thema aufgegriffen, weil sie den Laizismus in Gefahr sahen.

"Sportverbände, deren Aufgabe es ist, das gute Funktionieren zu gewährleisten, können ihren Spielerinnen bei Wettbewerben und Sportveranstaltungen ein Neutralitätsgebot auferlegen, um den reibungslosen Ablauf der Spiele und jegliche Zusammenstöße oder Konfrontationen zu gewährleisten", so der Verfassungsrat in einer Erklärung.

Eine Regel des Französischen Fußballverbands (FFF), die jedes Zeichen während des Spiels verbietet, dass "eindeutig eine politische, philosophische, religiöse oder gewerkschaftliche Zugehörigkeit erkennen lässt", wurde für "angemessen und verhältnismäßig" befunden.

Eine Gruppe muslimischer Fußballspielerinnen, die "Hijabeuses", hatte gegen die FFF-Regelung geklagt. Die Richter standen im Vorfeld des Urteils unter politischem Druck, weil  etablierte Parteien versuchten, die in den Umfragen weit vorne liegenden rechtsextremen Parteien abzuwehren.

Das französische Konzept der Laizität (Laizismus) ist in Frankreich nach wie vor ein heikles Thema, das von seinen Befürwortern als Garant für die religiöse Neutralität des Staates und von Kritikern als Hetzparole gegen ethnische und religiöse Minderheiten, insbesondere Muslime, dargestellt wird.

Die Beibehaltung des Hidschab-Verbots wurde kritisiert, weil es Hidschab-tragenden Frauen die Möglichkeit nehmen würde, auf allen Ebenen des französischen Fußballs zu spielen, zu amtieren und teilzunehmen.

Marokko schied nach einer 0:4-Niederlage gegen Frankreich aus der Frauenfußball-Weltmeisterschaft aus. Die französische Mannschaft spielt morgen, am Samstag, den 12. August, im Viertelfinale gegen Australien.

Weitere Quellen • AFP

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