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Berlinale-Krise: Goldener-Bär-Gewinner İlker Çatak warnt vor Zensur aus Berlin

Berlinale in der Krise: Goldener-Bär-Gewinner 2026 Ilker Catak warnt vor Zensur durch die Bundesregierung
Berlinale-Krise: Goldener-Bär-Gewinner 2026 Ilker Çatak warnt vor Zensur durch die deutsche Regierung Copyright  AP Photo
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Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Regisseur İlker Çatak, dessen Politdrama „Yellow Letters“ bei der Berlinale den Hauptpreis holte, warnt: Ein möglicher Verhaltenskodex für das Festival wäre nichts anderes als Zensur.

Der deutsch-türkische Regisseur İlker Çatak, dessen Film Yellow Letters vor Kurzem auf der Berlinale den Goldenen Bären gewann, hat sich zu den Empfehlungen des deutschen Kulturministeriums geäußert, die nach der angedrohten Entlassung von Berlinale-Chefin Tricia Tuttle vorgelegt wurden.

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Tuttles Position geriet in Gefahr, weil die diesjährige Ausgabe der Berlinale zunächst von Kritik am Schweigen zur politischen Debatte überschattet war und anschließend mehrere Filmschaffende ihre Dankesreden nutzten, um pro-palästinensische Botschaften zu formulieren und über Gaza zu sprechen.

Inzwischen hat sich eine breite Unterstützung für Tuttle formiert – nicht nur von mehr als 3.000 Filmschaffenden, die einen offenen Brief unterzeichneten. Darin heißt es, die Stärke der Berlinale „besteht darin, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten und einer Vielzahl von Stimmen Sichtbarkeit zu verschaffen“.

Rückendeckung erhielt Tuttle auch von 32 Leiterinnen und Leitern internationaler Filmfestivals, darunter Cannes-Chef Thierry Frémaux, der einen offenen Brief unterschrieb. Darin fordern sie, Räume zu bewahren, „in denen Unbehagen ausgehalten wird, Debatten weit geführt werden können, neue Ideen entstehen und unerwartete, manchmal widersprüchliche Perspektiven sichtbar werden“.

In dieser Woche bestätigte die Berlinale, dass Tuttle nach einer Sitzung des Aufsichtsrats Direktorin bleibt. Am Ende der Sitzung veröffentlichte der Veranstalter, die KBB, eine Reihe von Empfehlungen. Vorgesehen sind unter anderem ein Verhaltenskodex, Schulungen für Mitarbeitende im Umgang mit politisch sensiblen Inhalten sowie ein unabhängiges Beratungsforum, in dem unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen vertreten sind, einschließlich jüdischer Stimmen.

Die deutsche Boulevardzeitung Bild, die sich offen proisraelisch positioniert, behauptete fälschlich, Tuttles Verbleib im Amt sei daran geknüpft, dass die Berlinale und ihre Gäste einen neuen „Code of Conduct“ unterzeichnen müssten.

Die Berlinale stellte klar, der Aufsichtsrat habe „Empfehlungen ausgesprochen und keine Auflagen, die mit Tuttles Weiterbeschäftigung verknüpft sind“.

İlker Çatak hat nun auf die mögliche Umsetzung dieser Empfehlungen reagiert.

Regisseur İlker Çatak spricht zum Publikum, nachdem er den Goldenen Bären für den besten Film für „Yellow Letters“ entgegengenommen hat – 21. Februar 2026
Regisseur İlker Çatak spricht zum Publikum, nachdem er den Goldenen Bären für den besten Film für „Yellow Letters“ entgegengenommen hat – 21. Februar 2026 AP Photo

„Ein internationales Spitzenfestival wie die Berlinale, ein Festival, das den freien Künsten, der Meinungsfreiheit und dem Kino in all seinen vielfältigen Stimmen verpflichtet ist, darf niemals ‚Empfehlungen‘ oder sonstigen externen Vorgaben unterworfen werden“, erklärte der Regisseur in einer Stellungnahme für Variety.

„Abgesehen von der Unverletzbarkeit der Menschenrechte und in diesem Fall des Grundgesetzes darf nichts vorschreiben, wie die Festivalleitung ihr Programm kuratiert“, fügte er hinzu. „Auch Filmschaffende und Gäste müssen innerhalb dieses Rahmens alles sagen dürfen, was sie möchten. Alles andere wäre ein offener staatlicher Eingriff in die autonome Ausübung von Kunst. Wir müssten es beim Namen nennen: Zensur.“

Mit Blick auf eine mögliche Entlassung Tuttles hatte Çatak zuvor bereits erklärt: „Ist ihnen eigentlich klar, dass wir alle – und da schließe ich mich ausdrücklich ein – der Berlinale nie wieder einen Film einreichen würden?“

Tuttle hat noch drei Jahre ihres Fünfjahresvertrags als Direktorin der Berlinale vor sich. Nun richtet sich der Blick auf das Festival und die deutsche Bundesregierung, der der palästinensische Regisseur Abdallah Al-Khatib während der Abschlusszeremonie vorwarf, „in Gaza Komplizen des von Israel verübten Völkermords zu sein“. Gemeint ist auch Deutschlands konsequent proisraelische Haltung, die stark vom historischen Schuldbewusstsein geprägt ist.

Çataks hochaktueller Berlinale-Sieger Yellow Letters ist ein Politdrama. Özgü Namal und Tansu Biçer spielen ein türkisches Künstlerpaar, dessen Ehe zu zerbrechen droht, als der Staat sie ins Visier nimmt und sie Job und Wohnung verlieren. Der Film begeisterte das Publikum der diesjährigen Berlinale; gelobt wurden vor allem die schauspielerischen Leistungen und der Blick auf politische Verfolgung in der Türkei.

Yellow Letters startet in dieser Woche in den deutschen Kinos und soll in Frankreich am ersten April anlaufen. Weitere europäische Starttermine sollen folgen.

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