Die Oscarpreisträgerin wirbt in einem Spot für Luxus-Penthäuser in Israel. Der Gegenwind ist heftig: Eine Prominente fragt, ob Paltrow »ein übler Mensch« oder bloß »dumm« sei.
Die Oscarpreisträgerin Gwyneth Paltrow steht im Zentrum heftiger Online-Proteste. Kritikerinnen und Kritiker nennen sie „gefühllos“ und „dumm“ und bezeichnen ihre jüngste, schamlose Aktion spöttisch als „Gwynocide“.
Die dreiundfünfzigjährige Schauspielerin, die mit ihrer Marke Goop zur Lifestyle-Unternehmerin geworden ist, tritt in einem Werbevideo für 51 Park auf. Der 51‑stöckige Luxus-Wohnkomplex entsteht in Herzliya, direkt nördlich von Tel Aviv.
In dem fremdschämigen Spot erzählt Paltrow von einer Morgenroutine und preist den Reiz von Gebäuden direkt am Park.
„Es gibt einen Grund, warum die ikonischsten Gebäude der Welt an einem Park stehen“, sagt sie.
Auf die Frage, ob das Luxusgebäude in New York steht, antwortet sie knapp: „Herzliya. Israel.“
Der Clip hat eine Welle der Kritik in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Viele Nutzerinnen und Nutzer verweisen auf den andauernden Krieg in Gaza und die humanitäre Krise. Nur wenige Kilometer von 51 Park entfernt werden Palästinenserinnen und Palästinenser von Siedlern und dem israelischen Militär getötet und vertrieben. Nach einer aktuellen Analyse von Oxfam (Quelle auf Englisch) sind in den vergangenen drei Jahren mehr Palästinenserinnen und Palästinenser getötet worden als in den 17 Jahren davor zusammen.
Paltrow, die in einer jüdisch-christlichen Familie aufwuchs, hat den Clip zwar nicht selbst veröffentlicht. Auf ihren jüngsten Instagram-Posts (Quelle auf Englisch) tauchten jedoch zahlreiche palästinensische Flaggen und „Free Palestine“-Botschaften in den Kommentaren auf.
Eine Nutzerin auf X schrieb: „Vollständiger moralischer Verfall. Während Kinder in Gaza Völkermord, Hunger und tägliche Massaker erleiden, ist Gwyneth Paltrow damit beschäftigt, Luxuswohnungen in Israel zu bewerben. Kein Gewissen, keine Ethik, nur pure Komplizenschaft mit einem Besatzungsregime. Absolut widerlich.“
Eine andere Person postete: „Widerliche Frau. Für ein bisschen extra Geld macht sie offenbar alles.“
Ein weiterer X-Nutzer schrieb: „Ich habe Gwyneth Paltrow wegen ihrer schauspielerischen Leistung immer geliebt. Ich habe bisher keinen einzigen ihrer Filme verpasst. Heute ist mir nur noch schlecht. Für ein paar Dollar, von denen sie ohnehin mehr als genug hat, hat sie ihre Seele an den Teufel verkauft, indem sie eine Wohnanlage in Israel bewirbt, die auf gestohlenem palästinensischem Land entsteht.“
Hier einige der Reaktionen:
Auch mehrere bekannte Persönlichkeiten meldeten sich zu Wort. Sie kritisierten die Werbung als extrem unsensibel und bezeichneten Paltrow als „mitschuldig“.
Alana Hadid, Aktivistin und Schwester der Models Bella und Gigi Hadid, nannte die Kampagne „gefühllos“ und „mitschuldig“. Influencer Matt Bernstein griff Paltrow wegen ihrer Teilnahme an dem Spot scharf an und erklärte: „Das Ausmaß an Gier und Verkommenheit ist wirklich unbegreiflich.“
Livia Giuggioli, die Ex-Frau von Colin Firth, verurteilte Paltrows „widerliche“ Beteiligung an der Kampagne und kündigte an, einen geplanten Besuch Paltrows auf ihrem Bauernhof in Italien abgesagt zu haben.
„Ich habe Gwyneth Paltrow gerade ausgeladen“, sagte Giuggioli in einem aktuellen Instagram-Video. „Sie sollte in ein paar Wochen für eine Führung zu uns auf den Hof kommen, ein Soil-to-Fork-Erlebnis. Wir haben sie jetzt ausgeladen, weil das, was sie getan hat, völlig inakzeptabel ist.“
Giuggiolo fügte hinzu: „Für jemanden mit so viel Privilegien ist es schlicht maximal widerlich, Werbung für ein Luxus-Apartmenthaus zu machen. Wie weit bist du von der Realität entfernt? Entweder du bist so abgehoben, dass du gecancelt werden musst, weil du in einer anderen Welt lebst. Oder du bist ein wirklich, wirklich gemeiner Mensch. Oder du bist dumm. Was trifft auf dich zu, Gwyneth Paltrow?“
Paltrow hat auf die Kritik bislang nicht öffentlich reagiert. Die Frage bleibt also vorerst offen.
Paltrow ist nicht der einzige prominente Star, der wegen Geschäftsbeziehungen zu israelischen Firmen oder Projekten in der Kritik steht. Im vergangenen Jahr berichteten wir über ähnliche Vorwürfe gegen Leonardo DiCaprio, weil er den Bau eines luxuriösen Öko-Hotels in Israel mitfinanzierte. DiCaprio war zuvor bereits an mehreren Projekten in Israel beteiligt, darunter Investitionen in Mobli, ein Social-Media-Start-up, und Aleph Farms, ein Unternehmen für kultiviertes Fleisch.
Mehrere Menschenrechtsorganisationen werfen Israel vor, in Gaza einen Völkermord zu begehen. In der vergangenen Woche veröffentlichte Amnesty International einen 149-seitigen Bericht (Quelle auf Englisch), in dem die israelische Regierung beschuldigt wird, im besetzten Westjordanland eine Kampagne „staatlich gebilligter, staatlich gesteuerter und staatlich durchgeführter“ ethnischer Säuberung zu betreiben.
Die politische Führung Israels weist diese Vorwürfe regelmäßig zurück und betont, der Militäreinsatz ziele darauf, die Hamas zu besiegen.