Das schottische Nationalgericht war in den USA seit den 1970ern verboten. Nach einer Kampagne eines Spitzenmetzgers und eines Podcasters ist Haggis in Massachusetts nun offiziell – mehr oder weniger – wieder erlaubt.
Die Schotten haben es tatsächlich geschafft.
Nein, damit ist nicht der Sieg Schottlands im ersten Spiel gegen Haiti am vergangenen Sonntag gemeint, das erste WM-Spiel seit 1998.
Gemeint ist etwas anderes: Die Tartan Army hat es geschafft, Haggis wieder zu legalisieren. In einem US-Bundesstaat. Vorerst …
Im vergangenen Monat hatten wir berichtet, wie einer der führenden Metzgerbetriebe Schottlands, Simon Howie Butchers, eine Kampagne gestartet hat, um Haggis in den USA vor der Weltmeisterschaft wieder zu legalisieren.
Die optisch kaum verlockende, geschmacklich aber hervorragende schottische Spezialität ist in den USA seit den 1970er-Jahren verboten. Grund sind bundesweite Lebensmittelvorschriften zum Verzehr von Innereien – konkret Schafslunge, die bis zu 15 Prozent des traditionellen Haggis-Rezepts ausmacht.
Nun hat sich David McIntosh Jr., ein schottischer Podcaster und Mitglied der Tartan Army, mit der Gouverneurin von Massachusetts, Maura Healey, getroffen. Healey unterzeichnete am Mittwoch eine „executive order“, die Haggis für legal erklärt.
In einem Video auf sozialen Medien (Quelle auf Englisch), das McIntosh Jr. aus dem State House in Boston gepostet hat, ist zu sehen, wie Healey das Dokument unterschreibt. Die Bildunterschrift lautet: "Wir haben Haggis in Massachusetts legal gemacht. [In]offiziell."
Einzelne Bundesstaaten können Haggis zwar nicht eigenständig legalisieren, denn Lebensmittelsicherheit und Importstandards fallen in die Zuständigkeit der Bundesregierung. Doch ein Anfang ist gemacht.
Gouverneurin Healey hatte bereits zuvor die Ankunft der schottischen Fans zur Weltmeisterschaft gefeiert.
„Die Tartan Army hat Energie, Freude und Begeisterung nach Massachusetts gebracht", sagte sie. „Genau darum geht es bei der Weltmeisterschaft.”
Sie ergänzte: „Zwischen Dudelsäcken, Kilts und Tausenden von Schottland-Fans, die Boston zu ihrem Zuhause in der Ferne machen, hat die Tartan Army in Massachusetts einen bleibenden Eindruck hinterlassen.”
Tatsächlich sind mehr als 20.000 Schottland-Fans zum ersten Spiel Schottlands im Boston Stadium nach Massachusetts gereist. Sie genießen nicht nur den Fußball. Die Tartan Army nutzt ihre Zeit in den USA auch, um die Bars leer zu trinken.
Mehrere Bars in Boston berichten, dass ihnen seit der Ankunft der Schotten das Bier knapp wird. In der vergangenen Woche trat sogar ein neues Gesetz in Kraft, der „Tartan Army Bill“. Es erlaubt mehr als 140 Bars und Restaurants, länger geöffnet zu bleiben.
Die Tartan Army hat noch eine weitere Tradition nach Boston gebracht: Verkehrshütchen als Kopfbedeckung.
Fans setzen inzwischen orangefarbene Verkehrskegel den Statuen in der Stadt auf den Kopf – eine Tradition, die auf die Statue des Duke of Wellington vor der Gallery of Modern Art in Glasgow zurückgeht. Seit den späten 1980er-Jahren trägt die Figur dort dauerhaft einen Kegel. Wird er entfernt, setzen ihn Fans umgehend wieder auf.
Schottlands nächstes Spiel steht am Samstag, dem 20. Juni, erneut im Boston Stadium an. Gegner ist Marokko. Nach dem Sieg gegen Haiti und Brasiliens Remis gegen Marokko führt das Team derzeit die Gruppe C an.