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23.000 Keilschrift-Tafeln: Wie Handel vor 6.000 Jahren in Anatolien alles veränderte

Kültepe
Kültepe Copyright  Buse Keskin
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Von Buse Keskin
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Das von assyrischen Händlern gegründete Handelszentrum Kaniš-Karum brachte die Keilschrift nach Anatolien. Es machte die Region zu einem bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Knotenpunkt der Epoche.

Kültepe liegt an den Hängen des Erciyes-Berges, im Zentrum der Türkei, an einem Knotenpunkt der großen Handelswege nach Mesopotamien. Die Siedlung entstand vor etwa 6.000 Jahren. Unter seinem alten Namen Kaniš entwickelte sich der Ort in der mittleren Bronzezeit (2000 bis 1650 v. Chr.) zu einem der bedeutendsten Zentren des internationalen Handels.

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Kaniš-Karum war das anatolische Zentrum der Handelskolonien, die assyrische Kaufleute aus Nordmesopotamien gegründet hatten. Der Ort zählte zu den lebendigsten wirtschaftlichen und kulturellen Treffpunkten seiner Zeit. Die Karawanen transportierten nicht nur Waren, sondern auch Kultur, Ideen und Technologien. Diese Kontakte ebneten der Schrift den Weg nach Anatolien. Die Verwendung der Keilschrift für kaufmännische, rechtliche und administrative Vorgänge übernahmen bald auch die Königreiche der Region.

Die Siedlung in Kültepe gilt als eines der Zentren, in denen die Hethiter erstmals in der Geschichte hervortreten. Wer den Ort heute besucht, kann sich das Leben in dieser Stadt mit ihren einst prächtigen Palästen, belebten Märkten und bunten Karawanen nur schwer vorstellen. Doch archäologische Funde lassen die Vergangenheit aufscheinen. Trotz der schweren Zerstörungen durch Brände und Naturkatastrophen bleibt Kültepe einer der wichtigsten historischen Gedächtnisorte Anatoliens.

Grabungsleiter Prof. Dr. Fikri Kulakoğlu beschreibt die Dimensionen Kültepes so: "Sobald man durch das Tor tritt, steht man mitten in der Siedlung. Nur drei bis vier Meter unter dem Punkt, an dem wir uns jetzt befinden, liegen weitere Stadtreste. Vor uns erhebt sich der Siedlungshügel, dahinter breitet sich ein großes Areal mit einem Durchmesser von rund drei Kilometern aus."

Kulakoğlu betont, dass Kültepe nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch seine Funktion eine außergewöhnliche Stadt war:

„Wir sprechen von einer Stadt, in der zwischen 4.000 und 1.000 v. Chr. mindestens 50.000 Menschen lebten. Gemessen an der damaligen Weltbevölkerung war das eine riesige Siedlung. Der Hauptgrund für diese Größe war der Handel.“

Kulakoğlu erinnert daran, dass Kayseri seit jeher mit Handel verbunden ist, und weist darauf hin, dass diese Tradition in Kültepe noch viel früher einsetzte: "Der Handel hier gehört zu den ersten internationalen, systematisch organisierten Fernhandelsnetzen der Welt. Er war der zentrale Motor für das Wachstum der Städte in Anatolien."

Kültepe war nicht nur ein Handelsplatz. Der Ort zählt auch zu den wichtigen Zentren, in denen die Urbanisierung in Anatolien einsetzte. In derselben Epoche zeigen auch Siedlungen wie Konya Karahöyük und Anişar frühe Formen städtischen Lebens in der Region.

Für Kulakoğlu liegt der entscheidende Beitrag Kültepes darin, dass mit ihm die Schrift nach Anatolien kam: "Die Menschen in Anatolien lernen zum ersten Mal in Kültepe lesen und schreiben. Über den Handel kommen sie mit der Schrift in Berührung. Denn organisierter Handel braucht Aufzeichnungen."

Die in Kültepe gefundenen Keilschrift-Tafeln enthalten nicht nur Handelsdokumente, sondern auch Lehrmaterial. Kulakoğlu beschreibt das so: "So wie es heute in Grundschulen Übungen wie ‚Ali wirft den Ball‘ gibt, finden wir hier auf Tontafeln geschriebene Wiederholungsübungen. Die Schüler lernten die Schrift auf diese Weise."

Seit 1948 laufen die Ausgrabungen ohne Unterbrechung und haben zahlreiche neue Erkenntnisse über Kültepe gebracht. Rund 23.000 Keilschrift-Tafeln wurden 2015 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen. Dieses Archiv, oft als „Gedächtnis Anatoliens“ bezeichnet, gilt als eine der größten schriftlichen Sammlungen der antiken Welt.

Die Ausgrabungen in Kültepe-Karum stehen seit 2014 auf der Vorschlagsliste zum UNESCO-Welterbe. Ein internationales Team führt sie im Auftrag des Kultur- und Tourismusministeriums und mit Unterstützung der Stadt Kayseri unter Leitung der Universität Ankara durch. Das Projekt umfasst die Erschließung neuer Grabungsflächen, die Konservierung der Funde und geoarchäologische Untersuchungen, die laufend neue Erkenntnisse zur Geschichte der Region liefern.

Kültepe zählt damit nicht nur in Anatolien, sondern in der gesamten Menschheitsgeschichte zu den frühesten Zentren von Handel, Urbanisierung und Schrift und schlägt bis heute eine starke Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

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