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Studie zu Botticelli-Gemälden: Venus-Muse starb an Tumor

Studie: Simonetta Vespucci stirbt an Adenom, nicht an Tuberkulose
Simonetta Vespucci: Tod durch Adenom, nicht durch Tuberkulose Copyright  Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Von Chiara Zampiva
Zuerst veröffentlicht am
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Neue Studie in Endocrinology, Diabetes & Metabolism: Forschende stellen mit Gesichtserkennung Diagnose zum wahrscheinlichen Todesgrund von Botticelli-Muse Simonetta Vespucci.

Simonetta Vespucci, das Gesicht der italienischen Renaissance und Muse Sandro Botticellis, starb nach neuen Erkenntnissen wohl mit nur 23 Jahren an den Folgen eines Tumors – und nicht an Tuberkulose.

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Darauf weist eine aktuelle Studie (Quelle auf Italienisch) hin. Sie stellt die verbreitete Annahme infrage, die junge Frau, die 1476 starb, sei an der damals häufigen und meist tödlichen Tuberkulose gestorben.

Ein internationales Team von Forschenden der Queen Mary University in London, der Università Campus Bio-Medico in Rom und der University of California hatte bereits 2019 eine andere Erklärung vorgeschlagen.

Mithilfe eines auf Gemälde angewandten Gesichtserkennungs-Algorithmus analysierten die Forschenden Porträts der Frau, die Botticelli in zahlreichen Bildern zeigt, darunter die berühmte „Geburt der Venus“. Sie untersuchten die Veränderungen in ihren Gesichtszügen und werteten zusätzlich verschiedene Dokumente der Zeit aus.

Die in der Fachzeitschrift Endocrinology, Diabetes & Metabolism veröffentlichte Studie beschreibt „einen allmählichen Wandel ihrer somatischen Merkmale“. Es handele sich um „Veränderungen, wie sie typisch bei Patientinnen und Patienten mit einem Hypophysenadenom auftreten, einem Tumor der kleinen Drüse an der Basis des Gehirns, die die Hormonproduktion steuert“, erklärt der Endokrinologe Paolo Pozzilli, einer der Autoren.

„Wir vermuteten einen Tumor, der sowohl Wachstumshormon als auch Prolaktin ausschüttet. Ein Überschuss dieser Hormone kann die Konturen des Gesichts im Laufe der Zeit verändern und in manchen Fällen eine unerwartete Laktation auslösen“, so wie sie Botticelli in seinem Werk darstellt.

Simonettas Adenom könnte sich über mehrere Jahre vergrößert haben, bis es eine voluminöse Masse bildete, die schließlich ihren plötzlichen Tod auslöste.

Neue Diagnose: Indizien sprechen dafür

Das neue Forschungsteam vermutet, dass eine Apoplexie durch einen Hypophysentumor den plötzlichen Tod der jungen Frau verursachte. Diese besondere Komplikation tritt auf, „wenn ein Hypophysentumor plötzlich blutet oder anschwillt und Symptome wie starke Kopfschmerzen, Sehverlust, Verwirrtheit und einen raschen körperlichen Verfall verursacht, weil die Hormonregulation zusammenbricht“, erläutert Pozzilli.

Die ungewöhnliche Ferndiagnose mehr als 550 Jahre später stützt sich auf drei Gruppen von Indizien.

Erstens zeigen die körperlichen Veränderungen in den Gemälden, die von den Siebzigerjahren des 15. Jahrhunderts bis zur postum entstandenen „Geburt der Venus“ reichen, feine Unterschiede an Kinn, Stirn und den Weichteilen des Gesichts. Diese Variationen von Bild zu Bild deuten darauf hin, dass der Tumor mit der Zeit wuchs.

Zweitens berichten die zeitgenössischen Chroniken ihrer Krankheit von Kopfschmerzen, Halluzinationen, Erbrechen und Fieber. Dieses Bündel an Symptomen passt eher zum klinischen Bild einer Apoplexie als zu Tuberkulose, die meist einen langsameren und deutlich sichtbaren körperlichen Verfall verursacht.

Drittens verweisen zwei dokumentierte Ereignisse in den Monaten vor ihrem Tod auf dasselbe Krankheitsbild. In Briefen zwischen Piero Vespucci und Lorenzo de’ Medici ist von ihrem Zusammenbruch während eines ausgelassenen Balls die Rede.

Außerdem existiert die Schilderung eines mutmaßlichen Übergriffs durch Alfonso II. von Aragón, Herzog von Kalabrien. Beide Vorfälle könnten plausibel eine Blutung oder eine plötzliche Ausdehnung des Tumors ausgelöst haben.

Gesicherte Fakten gibt es nicht. Doch der schnelle, völlig unerwartete Tod einer zuvor gesunden jungen Frau spricht für eine neue Diagnose, die die etablierten historischen Deutungen infrage stellt. Zugleich öffnet sie die Möglichkeit, zahlreiche historische Fälle mit dem Wissen der modernen Medizin neu zu lesen.

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