Ex-Pink-Floyd-Musiker Roger Waters nennt Ed Sheeran im Macklemore-Palästina-Streit „kleiner Wichser“, weil dieser sich nicht positionieren will. Und er ist nicht allein.
Ed Sheeran steht derzeit mächtig in der Kritik ...
Alle verbliebenen Voracts auf der US-Tour des britischen Sängers haben ihren Auftritt abgesagt, nachdem der Rapper Macklemore aus dem Line-up gestrichen wurde, weil er sich auf der Bühne pro Palästina geäußert hatte.
Der Israeli American Council hatte eine Petition gestartet, um Macklemore aus der Tour zu entfernen, nachdem der Rapper am vierten September im MetLife Stadium „Free Palestine“ gefordert hatte.
Der irische Singer-Songwriter Aaron Rowe, die irische Folkband Beoga, die dänische Band Lukas Graham und Finneas, der Bruder von Popstar Billie Eilish, gaben alle bekannt, dass sie aussteigen.
Rowe erklärte, Sheeran sei ein Freund für ihn gewesen, „aber als Irinnen und Iren wissen wir nur zu gut, was Völkermord, erzwungene Hungersnöte und gewaltsame Besatzung bedeuten“.
„Ich kann nicht tatenlos zusehen und zulassen, dass Milliardäre ihre Macht nutzen, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die gegen den israelischen Völkermord protestieren und die brutale Ermordung von Kindern anprangern. Wenn ich einfach weitermachen würde, als sei nichts, könnte ich mich selbst nicht mehr respektieren.“
Beoga teilten auf Instagram mit, dass sie nicht länger Teil von Sheerans Tourband seien „nachdem Macklemore durch zionistische Lobbygruppen zum Schweigen gebracht wurde“. Sie ergänzten, sie seien seit mehr als zehn Jahren mit Sheeran befreundet und würden das auch bleiben, „aber in Hallen zu spielen, in denen Menschen mundtot gemacht werden, die sich für Free Palestine einsetzen, kommt für uns nicht infrage“.
Finneas, der später im Jahr mit Sheeran in Südamerika touren sollte, schrieb auf Instagram: „Künstler dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden, wenn sie sich für Unterdrückte einsetzen. Ich habe beschlossen, meine kommenden Tourtermine mit Ed Sheeran abzusagen. Ich stehe an der Seite Palästinas und seiner Menschen.“
Sheerans Krisenmanagement geht nach hinten los
Nachdem Macklemore bekannt gemacht hatte, dass er von Sheerans Tour gestrichen wurde, erklärte er, die Entscheidung gehe auf ein Eingreifen des Milliardärs Robert Kraft zurück. Kraft besitzt das Football-Team New England Patriots und das Gillette Stadium – eine der Arenen, in denen Sheeran demnächst auftreten soll. Kraft ist zudem ein prominenter Geldgeber für Israel.
Ed Sheeran kündigte an, er wolle sich nicht in eine öffentliche Debatte über Gaza hineinziehen lassen, und betonte, er sei nicht dafür verantwortlich, dass Macklemore aus der Tour entfernt wurde.
Er bestätigte jedoch, dass einige Hallenbetreiber damit gedroht hätten, die Tour komplett abzusagen, falls Macklemore nicht aus dem Programm genommen werde. Sheeran will die Tour dennoch fortsetzen.
„Ich würde die Fans, die ihre Pläne gemacht haben, niemals im Stich lassen, und ich würde auch nicht die Tourcrew sowie die anderen Voracts und Musiker aufgeben, die auf mich als Arbeitgeber angewiesen sind.“
Trotz dieser Schadensbegrenzung steckt der letzte Abschnitt von Sheerans Tour weiter in der Krise. Viele werfen dem Sänger vor, Macklemore und andere Kolleginnen und Kollegen nicht unterstützt zu haben. Manche nennen Sheerans Haltung „moralisch bankrott“ und bezeichnen ihn als „armseligen Feigling, dessen Musik genau so klingt, wie er selbst“.
Hier einige der Reaktionen:
Viele weisen außerdem darauf hin, dass Sheeran sich früher öffentlich für die Ukraine eingesetzt und Geld gesammelt hat. Sein Hinweis, er wolle als Künstler „keine Partei ergreifen“, wirkt für Kritikerinnen und Kritiker daher heuchlerisch.
„Ed wer?“: Musiker stellen sich hinter Macklemore
Sheeran sieht sich auch Kritik von anderen Musikerinnen, Musikern und Prominenten ausgesetzt, die Macklemore ihre Unterstützung ausgesprochen haben.
Die irische Band Kneecap schrieb auf Instagram „all love and solidarity to @macklemore“, während die irische Sängerin CMAT Fotos der palästinensischen Flagge mit der Botschaft „Free Palestine“ veröffentlichte.
Andere schlossen sich an, darunter Zara Larsson, Paloma Faith und die Rockband Garbage. Garbage bezeichnete die Entscheidung, Macklemore auszuschließen, als „schieren Wahnsinn“.
„Das ist so extrem ungerecht. Darf ich alle daran erinnern, dass nichts von dem, was Macklemore gesagt hat, gewalttätig, hasserfüllt oder auch nur im Entferntesten radikal war“, schrieb die Band. „Diejenigen, die andere verbannen, zum Schweigen bringen und zensieren, sind niemals die Guten. Egal, was sie sich einreden. Nur weil ihr die Wahrheit ignoriert, verschwindet sie nicht und verliert auch nicht an Kraft. Das alles ist einfach nur obszön.“
Die Kinderpädagogin Rachel Accurso warf Sheeran vor, bei der Unterstützung der Ukraine eindeutig Stellung bezogen zu haben, aber zum Leid der Palästinenser zu schweigen.
„Stell dir vor, du bist ein palästinensisches Kind und siehst, dass er ein Konzert für die Ukraine gegeben hat, aber wenn über 20.000 palästinensische Kinder getötet werden, bleibt er still. Wenn sein Opening Act sagt, Palästinenser sollten frei sein und nicht einem Völkermord ausgeliefert, lässt er zu, dass ein Milliardär ihn von der Bühne kickt“, schrieb Accurso auf Instagram.
„Hacks“-Darstellerin Hannah Einbinder schrieb auf Instagram: „Ed Sheeran, ich sage das als Rothaarige: Ich wünsche dir einen RICHTIG schlimmen Sonnenbrand, so einen auf dem ganzen Rücken, bei dem Liegen, Gehen oder Sitzen weh tut.“
Eine der schärfsten Attacken gegen Sheeran kam anschließend von Ex-Pink-Floyd-Mitglied Roger Waters, der ein Video auf seinen Social-Media-Kanälen teilte.
Der Clip begann mit dem eingeblendeten Satz „Ed Who?“ und ging dann in ein Video mit Waters über.
„Das ist eine kleine Botschaft an Ed Sheeran“, sagte er und zeigte ein Bild der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese hinter sich, daneben eine namenlose Frau aus Gaza mit Tränen in den Augen.
„Ich habe nur eine kleine Botschaft für [Sheeran]“, fuhr Waters fort. „Es gibt zwei Arten von Menschen auf der Welt. Die einen tun das Richtige – der Rapper Macklemore gehört dazu. Und es gibt Menschen – leider viele –, kleine W… entschuldigt, ich hätte beinahe das F-Wort benutzt … so kleine Arschlöcher wie du, die das Falsche tun. Auf Wiedersehen.“
Unterdessen argumentierte die New Yorker Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, die Kontroverse sei größer als die beiden beteiligten Künstler. Sie sieht darin ein Beispiel dafür, wie mächtige Interessen angeblich Künstlerinnen und Künstler zum Schweigen bringen können, wenn diese sich politisch äußern.
„Es ist inzwischen klar, dass es hier nicht nur um einen oder zwei Musikacts geht, sondern darum, wie ein paar Stadionbesitzer und Eliten verhindern können, dass ein riesiges Thema überhaupt angesprochen wird – in diesem Fall der Völkermord in Gaza, aber dabei bleibt es nicht“, sagte Ocasio-Cortez gegenüber TMZ.
Eine der wenigen Stimmen – neben dem Israeli American Council –, die Verständnis für Sheeran äußern, ist die britische Kulturministerin Lisa Nandy. Sie erklärte, sie habe den Eindruck, dass der Sänger in eine „unmögliche Lage“ geraten sei.
„Ich hoffe, das schadet seiner Tour nicht. Er ist einer unserer erfolgreichsten Künstler und zudem einer der nettesten Menschen, mit denen ich je gearbeitet habe … Ich habe großes Mitgefühl für die Situation, in der er steckt“, sagte Nandy am Mittwoch dem Sender LBC. „Die Welt ist im Moment ein ziemlich schwieriger Ort, und viele Menschen mögen es auch, einen Raum zu haben, in dem sie all das einmal hinter sich lassen können.“
Hamas griff Israel am siebten Oktober 2023 an. Das Gesundheitsministerium in Gaza meldet mehr als 73.000 Tote in den vergangenen drei Jahren israelischer Bombardements. Organisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch und die Vereinten Nationen bezeichnen Israels Vorgehen als „Völkermord“.
Ein Bericht einer unabhängigen UN-Kommission, der im Juni veröffentlicht wurde (Quelle auf Englisch), kommt zu dem Schluss, dass „israelische Behörden und Sicherheitskräfte palästinensische Kinder bewusst ins Visier genommen haben, was zu Völkermord und Gräueltaten im Gazastreifen sowie zu Kriegsverbrechen im Westjordanland geführt hat“.
Ein früherer Bericht aus dem vergangenen September stellte ebenfalls fest, dass Israel Völkermord begangen habe, und erklärte, diese Taten seien von hochrangigen israelischen Regierungsvertretern angestachelt worden, darunter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Israel hat die Vorwürfe wiederholt als „verleumderisch“ und „verzerrt“ zurückgewiesen.