Der Gefängnisausbruch wurde auf Video festgehalten, doch nicht gleich bemerkt. Auch zwei Tage nach dem Ausbruch aus der Justizvollzugsanstalt sind die fünf als gefährlich eingestuften Männer noch immer nicht gefasst.
Schon am Samstag, den 7. September, sind fünf Häftlinge in Portugal aus dem Hochsicherheitsgefängnis Prisão Vale de Judeus ausgebrochen.
Die spektakuläre Flucht der fünf Männer über eine sechs Meter hohe Mauer wurde sogar auf Video aufgezeichnet. Allerdings bemerkten die Justizvollzugsbeamten den Ausbruch, der um 9 Uhr 56 stattfand, erst 40 Minuten nach der Flucht.
Nach Ansicht der Behörden hatten die Häftlinge, die als gefährlich gelten, den Ausbruch von langer Hand vorbereitet. Sie wurden von drei Männern in zwei Fahrzeugen erwartet.
Als entscheidend für die "erfolgreiche" Flucht gilt die Tatsache, dass die Justizvollzugsanstalt Vale de Judeus nicht über Wachtürme verfügt. Das Hochsicherheitsgefängnis liegt im Landesinneren nördlich der portugiesischen Hauptstadt Lissabon.
Doch wer sind die entflohenen Straftäter?
Als er in Aveiro verhaftet wurde, war Rodolf José Lohrmann - Spitzname "der Argentinier“, auch bekannt als "Russo“) bereits seit über einem Jahrzehnt auf der Flucht vor der argentinischen Justiz. Rodolf José Lohrmann wurde wegen Morden in Südamerika gesucht. Zusammen mit seinem Komplizen José Maidana entführten sie 2003 Cristian Schaerer, den Sohn eines ehemaligen Gesundheitsministers, dessen Verbleib bis heute unbekannt ist. Anschließend flohen sie nach Europa.
Im November 2016 wurde Rodolf José Lohrmann bei einem Raubüberfall auf einen Geldtransporter zusammen mit einem Mittäter geschnappt. Erst einen Monat später, als sie sich an die lateinamerikanische Polizei wandten, wurde den portugiesischen Behörden klar, wen sie gefasst hatten: Es handelte sich um zwei der gefährlichsten und meistgesuchten Männer in Argentinien, Paraguay, Uruguay und Brasilien, die schwerer Verbrechen wie Entführung und Mord verdächtigt wurden.
Mit Hammer und Messer bewaffnet
Mark Cameron Roscaleer wurde in England verhaftet und zu sieben Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt, weil er vermummt und mit Hammer und Messer bewaffnet in einen Pub eingebrochen war, um umgerechnet fast 7.700 Euro zu stehlen. Zusammen mit einem Komplizen, Karl Steinman, der ebenfalls nach der Tat verhaftet wurde, drohte Mark Cameron Roscaleer einem Mitarbeiter des The Gunners Arms, „den Schädel einzuschlagen“, wenn er nicht mit den Räubern kooperieren würde. Ursprünglich sollte Mark Cameron Roscaleer wegen schweren Raubes zu vier Jahren Haft verurteilt werden.
Fábio Fernando Santo war 2012 in Odemira verhaftet worden, als er mit Freunden im Urlaub war. Es war nicht das erste Mal, dass die Behörden ihn festnahmen, aber es war das erste Mal, dass er hinter Gittern landete, nachdem er wegen Wohnungseinbrüchen an der Algarve zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war und bis zur Entscheidung über eine Berufung auf freiem Fuß blieb.
Fábio Loureiro (Soitzname "Cigano“/"der Zigeuner“) konnte schon nach früheren Festnahmen durch die Polizei mehrmals entkommen. Im Jahr 2011 wurde er verhaftet, weil er in einen Drogenhandel verwickelt war, wurde aber wieder freigelassen, weil ein Freund angab, die 11 Pfund beschlagnahmtes Haschisch gehörten ihm und nicht Fábio.
Der 61-jährige Fernando Ribeiro Ferreira verbüßte im Vale de Judeus eine 25-jährige Haftstrafe wegen Drogenhandels, krimineller Vereinigung, Diebstahls und Entführung. Im Jahr 2012 war er zu 11 Jahren Haft verurteilt worden, weil er im August 2009 einen 31-jährigen Geschäftsmann entführt und gefoltert hatte. Angesichts seines Vorstrafenregisters wurde Fernando Ferreiras Strafe auf 25 Jahre Gefängnis erhöht.
Über den fünften Entflohenen, Shergili Farjiani (Spitzname: "der Georgier“) ist wenig bekannt, zumindest noch nicht. Er ist 40 Jahre alt, stammt aus Georgien und wurde wegen Diebstahls, Gewalt nach Diebstahl und Urkundenfälschung zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Die Behörden sind in erhöhter Alarmbereitschaft und sagen, die „internationale Zusammenarbeit“ sei „beschleunigt“ worden. Zunächst hatte die Kriminalpolizei das Gefängnis durchsucht - mit dem Ziel, Informationen zu sammeln, wie Besucherlisten und Telefonanrufe der flüchtigen Personen, die noch immer auf freiem Fuß sind.
Warnung vor den geflohenen Häftlingen
Frederico Morais, der Präsident der Gewerkschaft der Strafvollzugsbeamten in Portugal warnte die Menschen vor den Geflüchteten: „Wenn Sie diesen Gefangenen begegnen, versuchen Sie nicht, mit ihnen zu interagieren, rufen Sie die Notrufnummer 112 an, rufen Sie die örtlichen Behörden an, denn dies sind Individuen, die nicht auf die Mittel schauen, um ihre Ziele zu erreichen. Mit anderen Worten: Sie haben kein Problem damit, Menschen zu töten, um zu entkommen."