Mit der groß angelegten Militärübung „Orion 26“ bereitet Frankreich seine Streitkräfte auf einen möglichen Krieg hoher Intensität in Europa vor. An dem dreimonatigen Manöver nehmen rund 12.000 Soldaten sowie zahlreiche Land-, Luft- und Seeeinheiten teil.
In Frankreich hat eine Militärübung außergewöhnlichen Ausmaßes begonnen. Unter dem Namen „Orion 26“ trainieren die Streitkräfte des Landes für einen möglichen Krieg hoher Intensität in Europa. Das Manöver ist auf drei Monate angelegt und umfasst rund 12.000 Soldatinnen und Soldaten sowie mehrere Hundert Fahrzeuge aus Heer, Luftwaffe und Marine.
Nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums handelt es sich um die größte militärische Übung des Landes seit dem Kalten Krieg. Ziel sei es, die Einsatzbereitschaft der Armee für besonders komplexe und umkämpfte Szenarien zu erhöhen, einschließlich hybrider Bedrohungen. Geprobt werden sollen sowohl Führungsstrukturen als auch der Einsatz von Kampfverbänden im Feld.
Mark Rutte: Die NATO istRusslands nächstes Ziel
Das Manöver findet vor dem Hintergrund des anhaltenden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine statt, der inzwischen seit fast vier Jahren andauert. Gleichzeitig mehren sich in Europa hybride Angriffe, die westliche Sicherheitsbehörden überwiegend Russland zuschreiben.
Für den NATO-Generalsekretär Mark Rutte besteht kein Zweifel: "Wir sind das nächste Ziel Russlands". Rutte warnt vor einem möglichen Angriff Moskaus auf das Bündnis in den nächsten fünf Jahren.
"Orion 26" soll die Kommandos sowie die Feldeinheiten auf die Probe stellen und sicherstellen, dass die Übermittlungs- und Logistikketten funktionieren. Zudem soll getestet werden, ob die Interoperabilität mit den Streitkräften der NATO-Verbündeten gegeben ist.
Zum Auftakt von "Orion 26" ist Mitte Februar eine simulierte amphibische und luftgestützte Landung in der Bretagne geplant.
An dem Einsatz werden drei Brigaden, 1800 taktische Fahrzeuge und 30 Hubschrauber sowie rund 800 Drohnen beteiligt sein, die seit fast vier Jahren eine entscheidende Rolle im Krieg in der Ukraine spielen. Auch Luftmanöver sind geplant.
Diese Phase wird einen Monat dauern, in der die französischen und NATO-Streitkräfte Einsätze im freien Gelände simulieren, einen Gegenangriff starten oder natürliche Hindernisse wie die Flüsse Seine und Aube mit echtem Beschuss überwinden werden.
"Orion 26" soll auch die französischen Reservisten aller Armeen trainieren.
Merkur gegen Arnland
Nach Darstellung des französischen Verteidigungsministeriums kommt der Übung besondere Bedeutung zu. Hintergrund sei die Einschätzung, dass eine direkte Beteiligung an einem hochintensiven militärischen Konflikt in Europa nicht mehr ausgeschlossen werden könne. „Orion 26“ solle deshalb das Ausbildungs- und Bereitschaftsniveau der Streitkräfte deutlich anheben.
Das Übungsszenario basiert auf einem fiktiven Konflikt zwischen zwei erfundenen Staaten namens Arnland und Merkur. Dabei orientiert sich die Lagebeschreibung laut Verteidigungsministerium deutlich an der aktuellen Sicherheitslage in Europa. Merkur wird als expansionistische Macht dargestellt, die versucht, seinen Nachbarn Arnland durch hybride Angriffe zu destabilisieren und dessen Annäherung an die Europäische Union zu verhindern.
Neben klassischen Gefechtsszenarien stehen auch Cyberangriffe sowie Operationen im virtuellen Raum und im Weltraum auf dem Übungsplan. An „Orion 26“ beteiligen sich insgesamt 24 mit Frankreich verbündete Staaten, darunter die USA, Japan, die Schweiz und Marokko.