Es ist kein Geheimnis, dass sich viele wegen horrender Preise den Kauf einer Immobilie gar nicht leisten können. Eine neue Studie zeigt aber noch andere Beweggründe - zum Beispiel neue Trends im Lebensstil.
Lieber eine Immobilie kaufen, statt dem Vermieter das Geld in den Rachen zu werfen - das war seit langem die Maxime, und Wohneigentum einst der entscheidende Meilenstein für jeden berufstätigen Erwachsenen mit einem stabilen Einkommen.
Doch die steigenden Immobilien- und Energiepreise, die Unbeständigkeit der Arbeitsplätze und die Mobilität führen in Europa langsam zu einer Trendwende.
In fast der Hälfte der Länder, die das Immobilienbüro Re/Max Europe in seinem jährlichen Bericht "European Housing Trend" untersucht hat, ist die Wohneigentumsquote rückläufig. Für die Studie wurden im August 2025 mehr als 20.000 Erwachsene in 23 Ländern befragt.
Auch wenn der Studie zufolge in ganz Europa gut zwei Drittel der Befragten Eigentümer ihrer Wohnimmobilie sind, ist die Zahl der Eigenheimbesitzer in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Rumänien und der Tschechischen Republik um 2 % gesunken, in Kroatien und Ungarn um 3 %, in Griechenland um 1 % und in der Türkei sogar um 9 %.
Es bleibt abzuwarten, ob sich der Trend fortsetzt, aber im deutschsprachigen Teil Europas ist die Miete bereits fest etabliert.
In Österreich (48 %), der Schweiz (62 %) und Deutschland (63 %) sind die meisten Menschen nicht Eigentümer ihrer Wohnung. Auch in Spanien (25 %), Frankreich (36 %) und dem Vereinigten Königreich (27 %) ist der Anteil der Mieter beträchtlich.
Finanzielle Hindernisse dürften das Haupthindernis sein, Wohneigentum zu erwerben, aber es gibt noch andere Beweggründe, wie die Studie aufzeigt. Lebensstil, Mobilität und veränderte Erwartungen prägen neue Trends.
Was hält die Menschen davon ab, in ein Eigenheim zu ziehen?
Laut Re/Max gaben 53 % derjenigen, die keine Immobilie kaufen wollen, an, dass sie mit ihrer derzeitigen Situation vollkommen zufrieden sind. Und 21 % begründeten die Präferenz fürs Mieten damit, dass sie die "ständigen Verpflichtungen, die mit dem Besitz einer Immobilie verbunden sind", scheuen.
Am dritthäufigsten wurden mit 19 % der Kaufpreis und die hohen Vorlaufkosten genannt, einschließlich der damit verbundenen Verwaltungsgebühren und Grunderwerbssteuern, die in Ländern wie zum Beispiel Großbritannien, Belgien und Spanien zwischen 6 % und mehr als 8 % des Hauswerts liegen.
Wie lange dauert es, das Eigenkapital anzusparen?
Und dann ist da natürlich noch die nötige finanzielle Basis, das Eigenkapital. Dem Bericht zufolge dauert es in Europa durchschnittlich 7,3 Jahre, bis man dieses angespart hat, in manchen Ländern wie zum Beispiel Deutschland auch gut einmal zehn Jahre.
Viele Europäer wenden sich an die "Bank von Mama und Papa", um eine Immobilie zu kaufen.
Dem Bericht zufolge verließ sich mehr als ein Viertel (26 %) der Europäer auf ein Geldgeschenk, um ihre erste Immobilie zu kaufen. In Griechenland waren es sogar 38 % und in Litauen 36 %, während in Finnland und den Niederlanden nur jeweils 12 % auf solche Art Hilfe setzen konnten.
In Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich lag der Anteil der Befragten, die auf familiäre Hilfe angewiesen sind, näher am europäischen Durchschnitt zwischen 20 % und 26 %.
Flexibilität geht vor: Europas Nomaden meiden die Verpflichtung
Abgesehen von finanziellen Schwierigkeiten ist das Mieten in vielen Fällen eine bewusste Entscheidung, die vom Lebensstil beeinflusst wird.
Etwa 16 % der Menschen, die das Mieten dem Kaufen vorziehen, tun dies, um frei und ungebunden umziehen zu können, wann immer sie wollen.
In Malta lag dieser Anteil bei 50 %, was auf die große ausländische Wohnbevölkerung des Landes zurückzuführen ist, in Finnland bei 33 %.
Millennials (29 - 44 Jahre) erwiesen sich in der Befragung als die Generation mit der höchsten Präferenz für Wohnmobilität: 22 % gaben Mobilität als einen der Gründe fürs Mieten an, deutlich mehr als die GenZ (13 - 28 Jahre) mit 11 %.
Spanien und Deutschland sind die begehrtesten Ziele der mobilen Europäer für das Leben im Ausland (22 %), gefolgt von Italien (15 %), der Schweiz (13 %) und dem Vereinigten Königreich, das mit den USA gleichauf liegt (jeweils 11 %).
Ist der Kaufdrang in Städten oder in kleineren Orten größer?
Am wenigsten motiviert, ein Haus zu kaufen, sind der Studie zufolge die Bewohner kleinerer Städte: 17 % der Bewohner von Städten mit weniger als 10.000 Einwohnern gaben an, kein Interesse an einem Eigenheim zu haben, mehr als die Befragten in Großstädten (12 %) oder auf dem Lande (14 %).
Von den Stadtbewohnern, die nicht an einem Kauf interessiert sind, gaben 49 % an, dass sie mit ihrer derzeitigen Wohnsituation zufrieden sind, etwas weniger als die 52 % unter den Dorfbewohnern.
"Dorfbewohner schätzen auch eher die Flexibilität des Mietens (15 %) als Großstädter (10 %), was darauf hindeutet, dass in weniger städtischen Gebieten die Wahl des Lebensstils eine größere Rolle spielt als finanzielle Zwänge", heißt es in dem Bericht.