Seit 2010 sind Immobilienpreise in der EU um rund 55 Prozent gestiegen. Viele junge Menschen können sich eine eigene Wohnung kaum leisten und bleiben länger bei den Eltern wohnen. Während Portugal als besonders überteuert gilt, investieren einige Länder nun stärker in den Wohnungsbau.
Europa steckt in einer Wohnungskrise. Seit 2010 sind die durchschnittlichen Verkaufspreise für Häuser in der EU um 55,4 Prozent gestiegen, die Mieten um 26,7 Prozent. Damit haben sie das Einkommenswachstum vieler Menschen übertroffen.
Besonders angespannt ist die Lage in Portugal. Die Europäische Kommission schätzt, dass Immobilien dort Ende 2025 im Schnitt rund 35 Prozent überbewertet sind – stärker als in anderen EU-Märkten.
Die Krise trifft junge Menschen besonders hart, vor allem 18- bis 29-Jährige. Laut einem aktuellen Bericht von Eurofound geraten sie häufiger mit Miete, Nebenkosten oder Rechnungen in Rückstand. Eurofound ist eine Stiftung, die sich mit der Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen befasst.
Viele Junge suchen Wohnungen in Städten, weil dort die meisten Jobs entstehen. Gleichzeitig ist dort die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot am größten.
„Europas junge Menschen sind in einer entscheidenden Lebensphase mit dieser Krise konfrontiert“, heißt es in dem Bericht. Viele würden dadurch in Wohnformen gedrängt, die sie sonst nicht wählen würden – etwa bei Eltern oder Verwandten. Das führt oft zu Überbelegung, weil bezahlbarer Wohnraum fehlt.
2024 war Überbelegung besonders häufig in Rumänien (41 Prozent), Lettland (39 Prozent) und Bulgarien (34 Prozent). Am seltensten war sie in Zypern (2 Prozent), Malta (4 Prozent) und den Niederlanden (5 Prozent).
Auch für junge Menschen, die unabhängig wohnen, bleibt die Lage schwierig. Sie geben deutlich mehr von ihrem Einkommen fürs Wohnen aus als andere Altersgruppen. Zudem fühlen sie sich häufiger von Wohnkosten überfordert.
Welche EU-Länder investieren in den Wohnungsbau?
In Bulgarien, Irland, Polen, Portugal und Spanien sowie in Teilen Österreichs und Italiens sind Mieten vielerorts kaum noch bezahlbar. In zahlreichen Regionen würden für eine Standard-Zweizimmerwohnung mehr als 80 Prozent des mittleren Einkommens fällig.
Einige Länder investieren daher stärker in den Wohnungsbau, um die Folgen der Krise abzufedern. Nach aktuellen Eurostat-Daten flossen 2024 EU-weit 5,3 Prozent des BIP in den Wohnungsbau.
Zypern investierte mit acht Prozent am meisten. Es folgen Italien (6,8 Prozent) und Deutschland (6,2 Prozent). Am unteren Ende liegt Polen mit 2,2 Prozent, danach Lettland (2,5 Prozent) und Griechenland (2,6 Prozent).
Im vergangenen Jahr legte die Europäische Kommission erstmals einen Plan für bezahlbaren Wohnraum vor. Er soll helfen, die Wohnungskrise in der EU zu bekämpfen. Vorgesehen sind unter anderem Maßnahmen, um spekulatives Verhalten zu erkennen und mehr Fairness auf dem Wohnungsmarkt zu fördern.
Die EU will dafür mindestens 11,5 Milliarden Euro aus ihrem Mehrjahreshaushalt mobilisieren. Hinzu kommen 43 Milliarden Euro, die bereits für sozialen, bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum zugesagt sind. Nationale und regionale Förderbanken und Institute sollen bis 2029 voraussichtlich weitere 375 Milliarden Euro investieren.
Unerfüllte Wohnwünsche haben oft weitreichende Folgen. Dazu zählen ein verzögerter Start in ein unabhängiges Leben, eingeschränkte Berufsmöglichkeiten und Belastungen für die psychische Gesundheit. Auch Entscheidungen über Familiengründung und Kinderwunsch werden dadurch beeinflusst.