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Petraeus: Trump könnte Führung eines reformierten iranischen Regimes akzeptieren

David Petraeus, früherer CIA-Direktor und pensionierter US-General, im Euronews-Interview.
David Petraeus, Ex-CIA-Chef und pensionierter US-General, im Euronews-Interview. Copyright  Euronews
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Von Mared Gwyn Jones & Lauren Walker
Zuerst veröffentlicht am
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Der frühere CIA-Chef David Petraeus sagte Euronews, es könne eine moderatere Galionsfigur auftauchen, die wieder klaren Kurs halten will. Das wäre jedoch ein radikaler Bruch mit der aktuellen Lage.

Der frühere CIA-Direktor und pensionierte US-General David Petraeus sagte Euronews, er halte es für möglich, dass US-Präsident Donald Trump eine Venezuela-ähnliche Lösung akzeptiert. Demnach könnte eine moderate Figur aus dem bestehenden iranischen Machtapparat versuchen, mit den USA „ins Reine zu kommen“, nachdem Ajatollah Ali Chamenei in der ersten Welle gemeinsamer US-israelischer Angriffe auf den Iran getötet wurde.

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„Es besteht die Möglichkeit, dass jemand auf den Plan tritt und sagt: Sehen Sie, Herr Präsident, Sie haben recht. Das Atomprogramm, die Bewaffnung unserer Stellvertreter und unsere Tötung von Amerikanern, Arabern und Israelis haben uns ins Verderben geführt. Wir erkennen unseren Irrweg und wollen künftig geradlinig handeln, wir wollen mit unseren Nachbarn und mit Ihnen auskommen“, sagte Petraeus im Euronews-Format „12 Minutes With“.

Venezuelas langjähriger Staatschef Nicolás Maduro wurde im Januar dieses Jahres durch ein dramatisches Eingreifen der USA entmachtet. An seine Stelle trat seine Stellvertreterin und Galionsfigur des Regimes, Delcy Rodríguez, die Trump als „großartig“ bezeichnet hat. Der übrige venezolanische Regierungsapparat blieb im Amt.

Petraeus räumte ein, dass ein solches Szenario einen „sehr drastischen Bruch“ mit der bisherigen Linie des Regimes bedeuten würde.

Er fügte hinzu, er halte dies nicht für das wahrscheinlichste Ergebnis. Bereits am Sonntag habe sich ein dreiköpfiges Leitungsgremium gebildet – bestehend aus dem Präsidenten, dem Chef der Justiz und einem ranghohen Geistlichen –, das das Land nach Chameneis Tod steuern soll.

Außenminister Abbas Araghchi stellte in Aussicht, dass ein neues oberstes geistliches Oberhaupt schon in wenigen Tagen ernannt werden könnte. Chameneis Nachfolger soll von einem religiösen Gremium islamischer Gelehrter bestimmt werden, die dem bisherigen Oberhaupt loyal sind.

„Schaut man sich die möglichen Kandidaten an, sind das im Allgemeinen ziemlich kompromisslose Ideologen, ähnlich dem letzten obersten geistlichen Oberhaupt. Wir sollten unsere Hoffnung, dass sich eine pragmatische Persönlichkeit durchsetzt, daher nicht zu hoch schrauben.“

Als Trump am Montag seine Ziele für den Konflikt mit dem Iran erläuterte, verzichtete er darauf, offen einen Regimewechsel zu fordern – obwohl er den Krieg zu Beginn als Chance präsentiert hatte, für die Iraner ihre Regierung „zurückzuerobern“.

Petraeus stellte fest, Trump wolle zwar „Bedingungen für einen Regimewechsel schaffen, den das iranische Volk für sich nutzen könnte“, doch diese Ziele seien bislang nicht erreicht.

„Das Problem ist natürlich: Am Ende setzen sich diejenigen durch, die die meisten Waffen haben und zur größten Brutalität bereit sind. In diesem Fall sind das die Kräfte des Regimes, die zusammengerechnet auf fast eine Million Mann kommen. Sie sind bewaffnet. Sie sind brutal“, erklärte er.

„Die Frage lautet also: Gibt es jemanden, der sich davon lösen kann, der über echte Schlagkraft verfügt – über Waffen, über große Gefolgschaft – und die nötige Autorität besitzt, um die Bevölkerung zu mobilisieren und gemeinsam das Regime herauszufordern? Leider glaube ich nicht, dass das derzeit der Fall ist.“

„Keine Bodentruppen“

Trumps Kriegsziele und seine Vorstellung von der Zukunft Irans bleiben ebenso unklar wie der Zeitplan. Dennoch lehnten es sowohl der Präsident als auch sein Kriegsminister Pete Hegseth am Montag ab, den Einsatz von Bodentruppen auszuschließen.

In einem Interview mit der „New York Post“ sagte Trump, er brauche „wahrscheinlich“ keine Truppen am Boden, werde sie aber einsetzen, falls nötig.

Petraeus geht dennoch nicht davon aus, dass die USA „Stiefel auf den Boden“ setzen, also Bodentruppen entsenden. Er verweist auf die zunehmend geschwächte Fähigkeit Irans, Vergeltungsangriffe in der bisherigen Intensität fortzusetzen.

„Ich denke, mit jedem Tag wird die Fähigkeit Irans zur Vergeltung weiter abnehmen“, sagte Petraeus. „Wir werden ihre Raketenbestände und Abschussvorrichtungen weiter reduzieren, ebenso die Kurzstreckenraketen und sogar die Drohnen. Sie werden große Mühe haben, auch nur annähernd das bisherige Tempo der Angriffe zu halten.“

Seit Beginn der ersten US-israelischen Angriffe am Samstag hat Iran eine ganze Reihe von Drohnen- und Raketenangriffen zur Vergeltung gestartet, die auf US-Einrichtungen und Verbündete in der Region zielen.

Auf die Frage am Montag, ob der Krieg in einen langwierigen Konflikt abgleiten könnte, sagte Hegseth: „Wir sorgen dafür, dass der Auftrag erfüllt wird. Aber wir sind uns sehr klar (...) der törichten Entscheidungen der Vergangenheit bewusst, die uns leichtfertig in Einsätze geführt haben, die nicht an klare, konkrete Ziele gebunden waren.“

Petraeus sagte, die USA hätten aus den „katastrophal schlechten Entscheidungen“ gelernt, die sie beim Einmarsch in den Irak im Jahr 2003 getroffen hätten, als sie Saddam Husseins Regierung und Verwaltung vollständig zerschlugen.

„Uns wurden die Beine weggezogen, als beschlossen wurde, die gesamte irakische Armee zu entlassen, ohne den Soldaten zu sagen, wie sie künftig für sich und ihre Familien sorgen sollten“, sagte Petraeus.

„Dann haben wir die Baath-Partei – Husseins Partei – entmachtet, bis hinunter zu Zehntausenden von Beamten, viele davon im Westen ausgebildet. Wir brauchten sie und setzten sie bereits ein in einem Land, das wir nicht ausreichend verstanden.“

Er fügte hinzu, die USA hätten „wichtige Teile“ des Hussein-Apparats zurückholen und „eine Art ‚Venezuela lite‘“ schaffen können, „weil die obersten Ebenen ohnehin ausgeschaltet waren“.

Europäische Beteiligung „möglich“

Auf die Frage, ob Trump mit der Unterstützung europäischer Verbündeter gerechnet habe, sagte Petraeus, eine europäische Beteiligung – insbesondere mit defensiver Rolle – „wäre von Anfang an klug gewesen“.

„Denn es hätte von Beginn an klar sein müssen, dass Iran seine Ziele nicht auf US- und israelische Stützpunkte beschränken wird. Das Regime nimmt zivile Ziele ins Visier, Flughäfen und Häfen in den Golfstaaten und darüber hinaus und reicht damit bis nach Zypern“, so Petraeus.

Eine mutmaßliche Drohne traf einen britischen Luftwaffenstützpunkt an der Südküste der Insel. Griechenland ordnete daraufhin die Entsendung von zwei Fregatten und einem Paar F-16-Kampfjets an.

Petraeus betonte, dass anfangs keine Annahme bestanden habe, europäische Staaten würden sich an der Operation beteiligen.

Zur Möglichkeit einer weitergehenden europäischen Beteiligung an den von den USA und Israel geführten Einsätzen, auch mit offensiver Rolle, sagte Petraeus: „Meinem Verständnis nach ist darüber gesprochen worden.“

„Ich würde mir kein Urteil darüber anmaßen, wie das ausgeht. Aber allein die Tatsache, dass darüber diskutiert wird, zeigt, dass es durchaus im Bereich des Möglichen liegt.“

Das vollständige Interview sehen Sie bei Euronews am Dienstag, dem 3. März, um 14.45 Uhr MEZ.

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