Der Iran-Konflikt betrifft nun auch direkt die deutschen Verbraucher und Industrie. Die Preise für Sprit drohen drastisch. Aber auch Lebensmittel, Gas, Aktienkurse sind betroffen. Inflationssorgen stehen bereits im Raum.
Am Dienstag überschritt der Benzin-Preis an einigen Tankstellen die 2-Euro-Marke. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben schwere Auswirkungen weltweit, die auch in Deutschland spürbar werden: Es droht ein regelrechter Preis-Schock.
In Deutschland verlangen bereits die ersten Tankstellen für einen Liter Super E5: 2 Euro oder mehr. Der bundesweite Durchschnitt für Super E10 liegt aktuell bei etwa 1,85–1,91 € pro Liter (Stand Dienstagmittag). Das ist der höchste Wert seit fast zwei Jahren.
Doch nicht nur der Sprit, auch Gas, Lebensmittel und Aktienkurse stehen erheblich unter Druck. Der Deutsche Aktienindex (DAX) lag Dienstagmittag zeitweise bei mehr als vier Prozent im Minus, er wird aufgrund der Preissprünge für Energie stark belastet.
Der Anstieg der Ölpreise wird vor allem ausgelöst durch die Blockade der wichtigsten Handelsroute der Welt. Das iranische Regime hat die Seestraße von Hormus für geschlossen erklärt und drohte damit, Schiffe, welche die Meerenge dennoch durchqueren sollten, in Brand zu setzen. Auch deutsche Reederei-Schiffe sind betroffen.
Benzinpreise an Tankstelle klettern in Höhe
Fast ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls wird durch die Meerenge transportiert - täglich rund 20 Millionen Barrel Öl (ca. 20 % des globalen Öls). Besonders Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind stark betroffen, da Angriffe auf Raffinerien und Schiffe zu Produktionsausfällen führen. Das Ergebnis: Unsicherheit treibt die Rohöl-Preise in die Höhe. Auch die Transportkosten steigen.
Womöglich sind nun Preisanstiege von 5–10 Cent pro Tag realistisch - je nach Dauer des Konflikts. Allein von Freitag bis Montag stieg der Dieselpreis um rund 7 Cent auf etwa 1,82–1,89 € je Liter.
Klar ist: Sollte der Ölpreis in den nächsten Tagen nicht deutlich nachgeben, hält der Aufwärtstrend vorerst an.
Bei Gaspreis droht Verdopplung
Zudem laufen 20-30 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels durch die Meerenge. Katar ist einer der größten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG) und verschifft mehrheitlich sein LNG über den Hormus-Weg. Katar Energy musste nun die Produktion vorerst stoppen. Auch Deutschland bezieht einen Teil seines LNG über Katar-Routen.
Der Großhandelspreis für Erdgas ist am Montag drastisch gestiegen. An der Börse Amsterdam kletterte der Preis um 25 Prozent hoch. Der größte Sprung seit 2023. Die Produktionsstopps im Nahen Osten lässt europäische Gaspreise um bis zu 38 % ansteigen, berichtet die britische Zeitung The Guardian.
Analysen warnen: Der Schiffsverkehr in Nahost könnte bei Stillstand von mehrmonatigen Störungen zu einer Verdopplung der Gaspreise führen. So beispielsweise die Einschätzung von Goldman Sachs-Experten. Das wäre das Worst-Case-Szenario.
Die Situation wirkt sich direkt auf Heizkosten und Strompreise aus – besonders in importabhängigen Ländern wie Deutschland. Zwar kommt der Großteil des Gases aus Norwegen, den USA und den Niederlanden, doch globale Engpässe und Spekulation treiben die Preise hoch. Haushalte und Industrie müssen sich auf deutlich höhere Rechnungen einstellen. Eine erneute Energiepreiskrise ist denkbar.
Auch Lebensmittelpreise betroffen
Direkt importierte Produkte aus dem Nahen und Mittleren Osten (z. B. Trockenfrüchte, Datteln, Nüsse, Pistazien, Granatäpfel, Gewürze wie Safran) werden teurer – durch Lieferausfälle und Verzögerungen.
Indirekt trifft es aber fast alles: Höhere Energiepreise wirken sich auf die gesamte Lieferkette aus. Denn Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion sind energieintensiv (Traktoren, Transport, Kühlung, Dünger aus Petrochemie). Steigende Öl- und Gaskosten führen daher zu höheren Produktions- und Transportkosten.
Als starke Importnation könnte Deutschland eine Inflationswelle erleben – ähnlich wie 2022. Falls der Konflikt länger anhält wäre eine Preissteigerung bei Lebensmitteln von 2–5 % oder mehr möglich.