Der Ölpreis liegt mittlerweile über 100 Dollar pro Barrel. Im Interview mit Euronews betonte der Präsident der Eurogruppe, Kyriakos Pierrakakis, dass die EU auf die Probe gestellt werde.
Vor dem Treffen der Eurogruppe am Montag in Brüssel erklärte der griechische Wirtschafts- und Finanzminister Kyriakos Pierrakakis im Interview mit Euronews, dass die EU "auf die Probe gestellt" werde. Grund dafür sei die weiterhin äußerst angespannte und unsichere Lage im Nahen Osten, die auch die Energiemärkte in Turbulenzen versetze.
"Energie wird ein Kernthema unserer Diskussion sein", sagte Pierrakakis in der Euronews-Morgensendung Europe Today.
"Die Auswirkungen auf die Energiepreise sind bereits erheblich, und wir wollen sehen, wie wir dieser Herausforderung konkret begegnen können", fügte er hinzu.
Die Ölpreise überschritten am Montag erstmals seit 2022 die Marke von 114 Dollar pro Barrel. Hintergrund ist die Eskalation im Iran-Krieg. Seit Freitag sind die Preise um rund 25 % gestiegen. Beobachter warnen, dass der Konflikt sowohl die globale Produktion als auch Transportwege gefährden könnte.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Berichts liegen die Ölpreise weiterhin über 100 Dollar pro Barrel.
Der Vorsitzende der Eurogruppe betonte zugleich, dass die EU auf eine mögliche Krise vorbereitet sei. "Wir haben bereits einen Werkzeugkasten, den Instrumentenkasten von 2022. So weit sind wir noch nicht, aber Unternehmen und Haushalte signalisieren bereits, dass sie Unterstützung brauchen, falls die Preise weiter steigen."
Ähnlich wie nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine beobachte die Eurogruppe nicht nur die Energiepreise genau, erklärte Pierrakakis. Auch „die Kosten für Düngemittel und Flugreisen, die Lebensmittelsicherheit sowie alle anderen Faktoren, die sich auf Inflation und die Weltwirtschaft auswirken“, stünden im Fokus.
Unterdessen berichtete die Financial Times am Montagmorgen, dass die Finanzminister der G7 angesichts wachsender Sorgen über die Rohölversorgung über eine gemeinsame Freigabe von Öl aus strategischen Notreserven diskutieren. Diese Reserven werden von der Internationalen Energieagentur koordiniert.
Ein einheitlicher europäischer Energiemarkt
In seinem Interview mit Euronews brachte Pierrakakis zudem die Idee eines "einheitlichen europäischen Energiemarktes" ins Spiel.
Widerstandsfähigkeit allein sei "keine Wachstumsstrategie", sagte der griechische Minister. Die EU müsse "die Barrieren zwischen den Mitgliedstaaten abbauen. Wir brauchen einen europäischen Energiebinnenmarkt."
Nur über den Binnenmarkt könne die EU ihr volles Potenzial entfalten, "selbst auf der Grundlage nationaler Souveränität", betonte er.
Insgesamt vermittelte der Vorsitzende der Eurogruppe eine Botschaft der Geschlossenheit. Europa müsse in der aktuellen Krise „an allen Fronten mit einer Stimme sprechen“.
Wichtige EU-Termine stehen an
Pierrakakis wird am Montag die Sitzung der Eurogruppe leiten. Im Mittelpunkt stehen dabei die steigenden Energiepreise und ihre Folgen für die Eurozone, während die geopolitische Instabilität durch den Iran-Krieg zunimmt.
Zudem werden weitere makroökonomische Entwicklungen mit Blick auf den EU-Gipfel in der kommenden Woche erörtert. Dort stehen unter anderem Gespräche über die Ukraine, den Nahen Osten, den Binnenmarkt, den mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 sowie Verteidigung und Migration auf der Agenda.
Am Dienstag kommt außerdem der Rat für Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN) zu seiner monatlichen Sitzung zusammen, unter dem Vorsitz des zyprischen Finanzministers Makis Keravnos.
Der ECOFIN-Rat wird sich insbesondere mit der Spar- und Investitionsunion, den wirtschaftlichen Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine sowie mit der Vorbereitung des Treffens der G20-Finanzminister und Zentralbankgouverneure befassen, das im kommenden Monat in Washington stattfinden soll.