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Prorussische Kampagne fälscht Euronews-Berichte über Krieg im Nahen Osten

Gefälschte Euronews-Videos in den sozialen Medien veröffentlicht
Gefälschte Euronews-Videos in sozialen Medien veröffentlicht Copyright  Social media
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Von Estelle Nilsson-Julien & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Eine Desinformationskampagne, die mit pro-russischen Akteuren in Verbindung gebracht wird, imitiert seriöse Medien, um gefälschte Berichte über den Krieg im Nahen Osten zu verbreiten. Das Faktencheck-Team von Euronews The Cube hat die Manipulationstechniken untersucht.

Mit gefälschten Videos, die unter anderem das Logo von Euronews und anderen großen Medien enthaltenn, wurden falsche Behauptungen über den Krieg im Nahen Osten verbreitet. Diese manipulierten Videos wurden in den sozialen Medien tausendfach geteilt und auch vom kremlnahen Netzwerk Pravda weiterverbreitet.

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Nach Angaben von Forschern des Kollektivs Antibot4Navalny steht die Kampagne im Zusammenhang mit der mit Russland verbundenen Operation "Matroschka". Diese Operation führt massenhafte, koordinierte Desinformationskampagnen in sozialen Medien und online durch, die sich gegen die Ukraine und den Westen richten.

Die Forscher sagen, dass sich die Kampagne nicht direkt auf den Krieg im Nahen Osten konzentriert, sondern dass die Krise genutzt werde, um davon unabhängige Narrative zu verbreiten, die den Westen diskreditieren. So werden u. a. Ukrainer als Kriminelle dargestellt, westliche Regierungen ins Visier genommen und versucht, die armenische Regierung im Vorfeld der Parlamentswahlen im Juni zu schwächen.

Gefälschte Behauptungen über Ukrainer

In einem gefälschten Euronews-Video wurde die Stimme eines Journalisten manipuliert, der über einen Drohnenangriff auf das Luxushotel Fairmont The Palm in Dubai berichtete.

Der manipulierte Clip enthielt einen authentischen Euronews-Bericht über den Angriff, manipulierte jedoch die Stimme einer echten Reporterin in der Mitte des Clips. Daraufhin behauptete sie, dass "ukrainische Plünderer" das Chaos der Angriffe auf Dubai nutzen würden, um "Geschäfte, Juwelierläden und verlassene Autos" anzugreifen. In dem tatsächlichen und ursprünglichen Video sagte die Reporterin diese Worte nicht.

Verfälschte Euronews-Berichte
Verfälschte Euronews-Berichte Euronews

In dem manipulierten Material wurde auch fälschlicherweise behauptet, die Behörden hätten nach den Plünderungen 19 Ukrainer festgenommen. Weiter wird behauptet, sie hätten ihre Aktivitäten über WhatsApp koordiniert, wofür es jedoch keine Beweise gibt.

Die Stimme der Journalistin wurde wahrscheinlich mit Hilfe einer KI-Software zum Klonen von Stimmen verändert. Ein weiterer Hinweis dafür, dass der Clip nicht authentisch ist, ist das Abspielen der manipulierten Stimme der Journalistin über allgemeine Archivbilder - eine gängige Technik, die von Desinformationsakteuren eingesetzt wird, um realistische Deepfakes von Reportern vor der Kamera zu vermeiden.

Die gleiche Strategie wurde für einen anderen falschen Euronews-Bericht verwendet, in dem behauptet wurde, dass bei Angriffen auf die Vereinigte Arabische Emirte eine Luxusvilla eines ukrainischen Generals im Wert von sieben Millionen Dollar beschädigt worden sei.

Gefälschter Bericht zielt auf armenischen Premierminister

Das Branding von Euronews wurde auch in einem anderen gefälschten Bericht verwendet. In diesem wurde behauptet, dass bei Angriffen auf die Vereinigte Arabische Emirate eine Wohnung beschädigt wurde, die angeblich dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan gehört.

In dem gefälschten Bericht wurde behauptet, dass die Enthüllung über mehrere Wohnungen, die Paschinjan in den Vereinigten Arabischen Emiraten gehören sollen, eine "Debatte sowohl unter den Einwohnern Armeniens als auch der armenischen Diaspora in aller Welt" ausgelöst habe.

In dem Video wurde außerdem behauptet, Paschinjan besitze in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Anwesen im Wert von 170 Millionen Dollar (147 Millionen Euro), woraufhin der Pressesprecher von Paschinjan erklärte, dass der Wert der Immobilien "70 Millionen Dollar nicht übersteige".

Paschinjan's Pressesprecherin, Nazeli Baghdasaryan, hat jedoch öffentlich auf die falschen Behauptungen reagiert und in den sozialen Medien erklärt, dass "Premierminister Nikol Paschinjan KEINE Immobilien als Eigentum in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder einem anderen Land besitzt".

"Alle Zahlen und 'Werte', die in den Videos kursieren, sowie die Kommentare, die in meinem Namen als Sprecher des Premierministers präsentiert werden, sind frei erfunden und entsprechen nicht der Realität", sagte sie.

Baghdasaryan beschuldigte auch Desinformationsakteure, den Premierminister des Landes im Vorfeld der für Juni 2026 angesetzten Parlamentswahlen diskreditieren zu wollen.

"Wir haben es mit einem klassischen FIMI-Mechanismus (Foreign Information Manipulation and Interference - Manipulation und Einmischung ausländischer Informationen) zu tun, bei dem mehrere charakteristische Instrumente zum Einsatz kommen: falsche Zuschreibungen an seriöse internationale Nachrichtensender (Al Jazeera, Euronews) - mit dem Ziel, dem Material einen falschen Eindruck von Glaubwürdigkeit zu verleihen", sagte sie.

Falsche Informationen über eine Wohnung Paschinjans in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden bereits 2021 über den Telegram-Kanal Mediaport und die "Gazeta der Armenier in Russland" verbreitet.

Nahostkonflikt als Nährboden für gefälschte Videos

Neben Euronews wurden auch zahlreiche andere internationale Medien und Organisationen imitiert, um im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten Falschinformationen über Europa zu verbreiten.

Ein gefälschtes Video, das die französische Zeitung Le Point imitiert, hat sich in den sozialen Medien verbreitet. Darin wird fälschlicherweise behauptet, dass es ukrainischen Telefonbetrügern gelungen sei, französische Bürger nach einer Eskalation des Nahostkonflikts um mehrere Millionen Euro zu betrügen.

In einem weiteren gefälschten Clip wurde ein Bericht des Institute for the Study of War gefälscht, um zu behaupten, Frankreich habe den Tod von 70 französischen Soldaten nach einem iranischen Angriff auf einen Stützpunkt in Abu Dhabi vertuscht.

In einem weiteren Bericht, der die amerikanische Zeitung USA Today imitierte, behaupteten Desinformationsakteure, dass ukrainische Waffen bei Angriffen auf französische, deutsche und amerikanische Militärstützpunkte in den Golfstaaten eingesetzt worden seien.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Matrjoschka-Netzwerk Euronews-Grafiken verwendet, um falsche Behauptungen zu verbreiten. Eine Kampagne mit ähnlichen Methoden wurde während der Olympischen Winterspiele in Mailand und während des Wahlkampfes in Moldawien gestartet.

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