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Rekordhitze im Mai: Frankreichs Klimaschutzpläne im europäischen Hitzedom auf dem Prüfstand

ARCHIVBILD: Eine Frau schützt sich mit einem Schirm vor der Sonne vor dem Louvre in Paris. Am Freitag, 20. Juni 2025, steigen die Temperaturen auf 31 Grad.
ARCHIV: Eine Frau spannt am Louvre-Museum in Paris ihren Schirm gegen die Sonne auf; am Freitag, 20. Juni 2025, kletterten die Temperaturen auf 31 Grad. Copyright  AP Photo
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Von Jeremiah Fisayo-Bambi & Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Frankreich probt seit Wochen den Ernstfall für extreme Hitze. Jetzt steckt das Land selbst unter einer Hitzehaube fest.

Frankreich hat den heißesten Maitag seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt und rüstet sich nun für noch außergewöhnlichere Hitze.

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Die staatliche Wetterbehörde Météo France meldete am Sonntag neue Monatsrekorde an 352 Messstationen, vor allem im Westen des Landes. Den höchsten Wert registrierten die Meteorologen mit 37,1 Grad nahe Hossegor in der Nähe von Biarritz. Klimaforscher sprechen von einem „beispiellosen“ Ereignis, das zu dieser Jahreszeit nur eine Chance von eins zu 1.000 hat – auf Grundlage von Messreihen, die bis 1979 zurückreichen.

Vorhersagen zufolge bleibt Frankreich in den kommenden Tagen unter einer „außergewöhnlich starken“ Hitzekuppel gefangen. Dieses großräumige Hochdruckmuster hält Hitzeperioden fest und tritt durch die menschengemachte Erderwärmung immer häufiger auf.

Die Tageshöchstwerte sollen heute (26. Mai) in Nantes auf 35 Grad steigen, in Paris, Lyon, Toulouse und Bordeaux werden 34 Grad erwartet. Selbst nördliche Städte wie Lille müssen mit bis zu 30 Grad rechnen.

Die Hitzewelle, die bereits mit mehreren Todesfällen in Verbindung gebracht wird – darunter ein 53-jähriger Läufer, der am Sonntag bei einem Rennen in Paris starb –, gilt als Warnsignal für das, was Frankreich im Sommer bevorstehen könnte.

Wird Frankreich immer heißer?

Im vergangenen Jahr traf eine ganze Serie von Hitzewellen Frankreich. In einigen Regionen kletterten die Temperaturen auf bis zu 40 Grad. Dutzende Départements standen zeitweise auf Alarmstufe Orange, das Département Aude erlebte eines der schwersten Waldfeuer Frankreichs der vergangenen 50 Jahre, angefacht von der heißen, trockenen Witterung. Das Jahr 2025 war in der Europäischen Union insgesamt das bislang schlimmste Waldbrandjahr.

Nach Angaben des Copernicus-Klimadienstes der EU (C3S (Quelle auf Englisch)) herrschten in Frankreich während des Sommers 2025 durchgehend überdurchschnittlich warme Bedingungen. In großen Teilen des Landes gab es im Schnitt 15 zusätzliche „Sommertage“, also Tage, an denen die Höchsttemperatur mindestens 25 Grad beträgt.

Im Südwesten Frankreichs gehörten die Temperaturabweichungen zu den höchsten in Europa; dort lagen die Spitzenwerte rund 6 Grad über dem jahreszeitlichen Mittel.

Nach dem extrem heißen Sommer kam eine Schnellanalyse der London School of Hygiene & Tropical Medicine zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel für rund 68 Prozent der 24.000 hitzebedingten Todesfälle in 854 europäischen Städten verantwortlich war, weil er die Temperaturen um bis zu 3,6 Grad in die Höhe trieb.

In Frankreich trug der Klimawandel demnach zu 1.444 Hitzetoten bei; Paris verzeichnete eine der höchsten Opferzahlen.

Auf dieses Szenario bereitet sich Frankreich seit Jahren vor – unter anderem mit der viel beachteten Krisenübung „Paris bei 50 °C“.

Ist Frankreich auf extreme Hitze vorbereitet?

Im Jahr 2023 organisierte die Stadt Paris die Initiative „Paris bei 50 °C“ in zwei Arrondissements, um die Bewohnerinnen und Bewohner auf eine Zukunft mit extremer Hitze vorzubereiten.

Die Initiative brachte Stadtplaner, Gesundheitsexperten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Behördenvertreter zusammen. Gemeinsam untersuchten sie Schwachstellen in zentralen Bereichen wie Wohnen, Gesundheitswesen, Energieversorgung und öffentlichen Räumen.

Im Rahmen der Übung gingen rund 70 Kinder in einen dunklen Tunnel, in dem konstant 18 Grad herrschen. Unter Tage sollten sie Szenarien durchspielen, die die Folgen extremer Temperaturen darstellen, wie sie bald zur neuen Normalität werden könnten.

Dazu gehörte, dass Kinder eine Lebensmittelvergiftung durch verdorbene Nahrung während eines Stromausfalls nachspielten oder die Folgen eines Kohlenmonoxidlecks aus einem defekten Generator. Die Erziehungsberechtigten hatten dem Experiment zuvor ausdrücklich zugestimmt.

Mitarbeitende des Roten Kreuzes nutzten die inszenierten Szenarien, um zu entscheiden, wen sie zuerst ins Krankenhaus bringen würden – in dem Wissen, dass Gesundheitssysteme während Hitzewellen schnell an ihre Grenzen stoßen. Feuerwehrleute, Stadtverwaltung und Lehrkräfte spielten mit und simulierten die chaotischen Abläufe, die ein solches Ereignis auslösen kann.

Eine Auswertung der Übung warnte, dass extreme Hitze eine ernste Gefahr für die öffentliche Gesundheit in Frankreich darstellt, besonders für vulnerable Gruppen. Auch die Infrastruktur, etwa Metro- und Bahnlinien, gilt als stark hitzeanfällig.

Der Bericht empfiehlt, Paris in eine „Oasenstadt“ zu verwandeln: mit mehr Grünflächen, zusätzlichen schattigen Aufenthaltsorten, weniger hitzespeichernden Oberflächen sowie Schulen und öffentlichen Einrichtungen, die für extreme Hitze angepasst werden.

Paris ist – wie viele andere europäische Städte – häufig vom städtischen Wärmeinsel-Effekt betroffen. Beton, Asphalt und andere Baustrukturen speichern die Hitze und halten die Temperaturen hoch. Klimaanlagen in Innenräumen verstärken diesen Effekt noch, auch wenn sie für viele Menschen lebenswichtig sind.

„Die Länder, die im kommenden Jahrzehnt am besten durch diese Entwicklung kommen, sind nicht unbedingt die reichsten“, sagt Ionna Vergini, Gründerin des weltweiten Wetterdienstes WFY24 (Quelle auf Englisch), gegenüber Euronews Earth. „Entscheidend ist, ob sie Hitze als Frage der öffentlichen Gesundheit behandeln – und nicht nur als Wetterphänomen.“

Was unternimmt Frankreich gegen extreme Hitze?

Paris hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verändert, um grüner zu werden. Nach Angaben der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) wurden seit 2020 mehr als 100.000 Bäume in der Hauptstadt gepflanzt, darunter 40.000 allein im Winter 2023.

Seit 2020 verschwanden zudem mehr als 6.000 Parkplätze und 1,3 Hektar Asphalt, um Straßen begrünen zu können. Bis 2024 gab es fast 100 Pariser Straßen mit Pflanzenkübeln, in denen sich Natur und Stadtleben miteinander verbinden. Bäume und andere Pflanzen verbessern zugleich die Luftqualität – ein wichtiger Vorteil für stark belastete Städte.

„Diese Umgestaltungen werden durch den künftigen bioklimatischen Lokalen Urbanen Plan (PLUb) vereinfacht und zum Standard gemacht“, erklärt die IUCN. „Er schreibt den Kurs für ein grüneres, naturreicheres Paris fest und verfolgt das Ziel, 300 Hektar zusätzliche Naturflächen in der Stadt zu schaffen.“

Neben den Empfehlungen, die in der Übung „Paris bei 50 °C“ erneut bekräftigt wurden, geht Frankreich auch die Ursachen der extremen Hitze an.

Beim Santa-Marta-Gipfel zu fossilen Energien im April legte Frankreich seinen nationalen Fahrplan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas vor, der stark auf Elektrifizierung setzt.

Der Plan sieht vor, die Kohleverstromung bis 2030 zu beenden, Öl bis 2045 aus dem Energiesektor zu verdrängen und Gas bis 2050 abzuschaffen – als Teil der Strategie, Klimaneutralität zu erreichen.

Er bündelt bestehende Maßnahmen, darunter das Verbot von Gasheizungen in Neubauten ab 2026 und das Ziel, dass bis 2030 zwei Drittel der Neuwagen elektrisch fahren. Zugleich bekräftigt er die Zusage Frankreichs, andere Länder beim Übergang zu unterstützen.

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