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"Ein Nein würde Türen schließen": Island vor Richtungsentscheidung über EU-Kurs

Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir, isländische Ministerin für auswärtige Angelegenheiten, im Gespräch mit Euronews
Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir, isländische Ministerin für auswärtige Angelegenheiten, im Gespräch mit Euronews Copyright  Euronews
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Von Shona Murray
Zuerst veröffentlicht am
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Nach Ansicht der isländischen Außenministerin ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die Gespräche über einen EU-Beitritt wieder aufzunehmen. Angesichts der zunehmenden Instabilität der transatlantischen Beziehungen und der globalen Politik dürfe Island nicht "allein gelassen" werden.

Nach den Spannungen zwischen der US-Regierung sowie Dänemark und der EU wegen Grönland richtet die isländische Regierung nun den Blick auf eine mögliche EU-Mitgliedschaft.

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Der nordische Inselstaat will am 29. August 2026 in einem Referendum darüber abstimmen, ob die Gespräche über einen Beitritt wieder aufgenommen werden sollen.

Die isländische Außenministerin Katrín Gunnarsdóttir erklärte im Gespräch mit Euronews, ein EU-Beitritt könne die wirtschaftliche Stabilität des Landes stärken und zugleich seine Einbindung in einen Kreis gleichgesinnter Staaten festigen – obwohl Island bereits Teil der NATO ist.

Im Januar hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, gegen acht europäische Länder Strafzölle in Höhe von zehn Prozent zu verhängen. Hintergrund war deren Bereitschaft, sich angesichts amerikanischer Drohungen an einer Aufklärungsmission rund um Grönland zu beteiligen. "Einige Länder signalisierten: Wenn ihr uns wegen unserer Unterstützung für Grönland und Dänemark mit Zöllen belegt, reagieren wir ebenfalls mit Gegenmaßnahmen", so Gunnarsdóttir, die der liberalen Reformpartei Viðreisn angehört.

Gerade diese Form europäischer Geschlossenheit habe die Märkte bewegt und letztlich dazu beigetragen, dass Trump einer Vereinbarung zur verstärkten Sicherheit in der Arktis im Rahmen der NATO zustimmte. "Das hat spürbare Auswirkungen auf die US-Märkte gehabt. Und ich denke, das ist einer der Gründe, weshalb die US-Regierung reagiert hat", sagte sie am Donnerstag in der Euronews Sendung Europe Today.

Die Argumente für einen EU-Beitritt hält sie für überzeugend: mehr Sicherheit im Verbund von 28 Staaten in einer zunehmend instabilen Welt. Zugleich verweist sie auf die Brexit-Debatte im Vereinigten Königreich als warnendes Beispiel. "Jeder kennt den Brexit und die Vielzahl an Unwahrheiten, die damals verbreitet wurden", sagte Gunnarsdóttir. "Es wird kein einfacher Weg. Aber am Ende muss man der Bevölkerung vertrauen", fügte sie hinzu.

Referendum über die Wiederaufnahme der EU-Beitrittsgespräche

Im August steht ein Referendum an, bei dem die Wählerinnen und Wähler darüber entscheiden sollen, ob die formellen Gespräche über eine EU-Mitgliedschaft wieder aufgenommen werden.

Fällt das Votum positiv aus, würden Beitrittsverhandlungen mit Brüssel beginnen. Über einen möglichen EU-Beitritt selbst würde anschließend in einer weiteren Abstimmung entschieden. "Es geht um eine ganz einfache Frage: Wollen wir die Verhandlungen fortsetzen – ja oder nein?", sagte die isländische Außenministerin am Rande eines Treffens mit hochrangigen Vertretern aus Brüssel.

"Ein Nein würde aus meiner Sicht viele Türen verschließen. Sollte die Antwort Nein lauten, besteht die Gefahr, dass Island ziemlich isoliert dasteht." Island ist seit 1970 Teil des europäischen Binnenmarkts im Rahmen der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und orientiert sich damit bereits weitgehend an den Regulierungsstandards der EU. Auch der sogenannte EU-Besitzstand – also die Gesamtheit der gemeinsamen Regeln, Rechte und Verpflichtungen – spielt in diesem Rahmen eine zentrale Rolle.

Die Insel mit rund 400.000 Einwohnern gehört zudem dem Schengen-Raum an. Ein EU-Beitritt wäre daher – vorausgesetzt, die Bevölkerung stimmt zu – theoretisch vergleichsweise reibungslos umzusetzen. Nach Angaben der Regierung könnten die Verhandlungen bis 2028 abgeschlossen sein.

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