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"Meine Tochter wurde nicht getötet": Familie von Marine Vlahovic weist Vorwürfe gegen Israel zurück

Marine Vlahovic am Set der Sendung Maghreb-Orient Express, ausgestrahlt auf TV5MONDE (@TV5MONDE)
Marine Vlahovic am Set der Sendung Maghreb-Orient Express, ausgestrahlt auf TV5MONDE (@TV5MONDE) Copyright  AP Photo
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Von Estelle Nilsson-Julien & Noa Schumann
Zuerst veröffentlicht am
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Mit irreführenden Beiträgen in den sozialen Medien wird der Tod der französischen Journalistin Marine Vlahovic erneut politisch aufgeladen. Familie und Freunde weisen die Behauptung zurück, Israel habe sie wegen ihrer Gaza-Berichterstattung getötet.

Der Vater der französischen Journalistin Marine Vlahovic, die im November 2024 tot auf dem Dach ihrer Wohnung in Marseille aufgefunden wurde, hat die zunehmenden Spekulationen in den sozialen Medien zurückgewiesen, seine Tochter sei von Israel ermordet worden.

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Jean-Yves Vlahovic, der Vater von Marine Vlahovic – einer Journalistin, die für ihre Dokumentar-Podcasts und ihre Arbeit als Korrespondentin aus Ramallah im Westjordanland bekannt war – sagte Euronews in einem exklusiven Interview, er wolle sich die Zeit nehmen, um Gerüchten ein Ende zu setzen, die seiner Ansicht nach auf nichts beruhen.

In den vergangenen Wochen wurde Israel in einer Reihe von Beiträgen in den sozialen Medien – von denen einige auf X mehr als drei Millionen Aufrufe verzeichneten – beschuldigt, den Tod von Vlahovic inszeniert zu haben. Einige Nutzer gingen noch weiter und beschuldigten den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad.

Viele dieser Beiträge enthielten denselben Satz: "Die französische Journalistin Marine Vlahovic wurde tot in ihrer Wohnung in Marseille aufgefunden, während sie an einem Dokumentarfilm über Israels völkermörderischen Krieg gegen die Palästinenser im Gaza-Streifen arbeitete."

In anderen Beiträgen wurden antisemitische Anschuldigungen erhoben: "Jüdische Zensur scheint eine weitere Journalistin das Leben gekostet zu haben!"

Dabei wurde häufig darauf verwiesen, dass Vlahovic an einem Dokumentarfilm über die humanitäre Krise in Gaza arbeitete, was als angebliches Motiv dargestellt wurde.

Jean-Yves Vlahovic und seine Familie betonten jedoch, dass die Obduktion "keine Hinweise auf traumatische Verletzungen ergeben hat, die auf eine gewaltsame Todesursache hindeuten".

Sie betonten außerdem, dass die Aufnahmen der Überwachungskameras im Treppenhaus des Gebäudes und auf der Straße die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft von Marseille zu dem Schluss gebracht hätten, dass keine unbefugte Person das Gebäude vor dem Tod von Marine Vlahovic betreten oder verlassen habe.

Wiederholte falsche Anschuldigungen

Es ist nicht das erste Mal, dass Gerüchte über den Tod von Marine Vlahovic kursieren. Bereits 2025 wurde eine ähnliche Geschichte verbreitet.

Diesmal wurde in vielen Beiträgen nicht erwähnt, dass Vlahovic bereits vor mehr als einem Jahr gestorben ist. Stattdessen wurde ihr Tod als kürzlich eingetreten dargestellt. Auf anderen Konten in den sozialen Medien wurde die Frage aufgeworfen, warum die Einzelheiten ihrer Obduktion nie veröffentlicht worden seien.

Tatsächlich erklärte die Staatsanwaltschaft von Marseille Anfang Dezember 2024, dass eine Obduktion "die Beteiligung einer dritten Person ausschließt", dass aber "toxikologische Tests" durchgeführt würden.

Die Familie von Marine Vlahovic bestätigte Euronews, dass sie den Obduktionsbericht eingesehen habe. Dieser bestätige, dass sie nicht ermordet wurde. Nach Angaben der Familie wurden "keine traumatischen Verletzungen gefunden, die auf Gewalt zurückzuführen sind und zum Tod beigetragen haben könnten". Weitere Einzelheiten des Berichts wollte die Familie nicht öffentlich machen.

Enttäuschung über die Berichterstattung zum Gaza-Krieg

Die erneute Welle von Anschuldigungen, Israel für den Tod von Vlahovic verantwortlich zu machen, kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die israelische Regierung wegen ihrer Militärkampagne mit den USA gegen den Iran zunehmend in die öffentliche Kritik gerät.

Jean-Yves Vlahovic bezeichnete Berichte, wonach Marine zum Zeitpunkt ihres Todes an einem Dokumentarfilm mit dem Titel "Im Gazastreifen" gearbeitet habe, als ungenau.

"Meine Tochter hat keinen Dokumentarfilm in Gaza gedreht. Sie reiste mit einem Kollegen nach Kairo, weil sie hoffte, Ende 2023 nach Gaza zu kommen, aber es gab keine Möglichkeit, dorthin zu gelangen. In Ägypten traf sie Menschen aus dem Gazastreifen, die vor den israelischen Bombardements geflohen waren – das war das Thema ihres Dokumentarfilms", sagte er.

Obwohl es keine Beweise dafür gibt, dass Vlahovics Tod mit Israel zusammenhängt, hatte die Journalistin ihre Frustration über die Art und Weise zum Ausdruck gebracht, wie französische Medien über den Krieg im Gazastreifen berichteten.

2024 berichtete Télérama, dass Vlahovic aus Frustration über die Berichterstattung zum Gaza-Krieg beschlossen habe, ihren Presseausweis nicht zu verlängern. Ihr Vater erläuterte Euronews die Hintergründe dieser Entscheidung und sagte, seine Tochter sei tief betroffen gewesen von dem, was sie als mangelndes Vertrauen in palästinensische Reporter in Gaza empfand.

Die freiberufliche Journalistin Mariam Dagga, 33, die während des Gaza-Krieges für Associated Press und andere Medien tätig war (AP Photo/Jehad Alshrafi, File)
Die freiberufliche Journalistin Mariam Dagga, 33, die während des Gaza-Krieges für Associated Press und andere Agenturen gearbeitet hat (AP Photo/Jehad Alshrafi, File) AP Photo

Palästinensische Journalisten gehörten zu den wenigen Quellen, die während des Krieges zwischen Israel und der Hamas noch vor Ort berichten konnten, nachdem Israel nach den Terroranschlägen der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausländischen Reportern die Einreise in den Gazastreifen untersagt hatte.

"Sie hatte mehrere Jahre im Westjordanland gelebt und dort viele Freunde, darunter auch Journalisten in Gaza. Sie war entsetzt über das, was sie als Blackout der französischen Medien empfand. Sie sagte mir, dass einige Medien den Journalisten aus dem Gazastreifen nicht vertrauten – und das schockierte sie", sagte er Euronews.

Marine Vlahovic selbst sprach im Nachwort ihres Podcasts "Carnets de Correspondante", der Ende Juni 2024 von Arte Radio veröffentlicht wurde, über diese Enttäuschung und reflektierte über ihre Zeit in Ägypten.

In der letzten Folge, "Gaza Calling", sagte sie: "Ich bin schließlich nach Frankreich zurückgekehrt, aber ich bleibe mit Gaza verbunden. Ich ziehe mich aus dem Journalismus zurück – ich bin entmutigt von der Berichterstattung in den Medien. Zum ersten Mal seit 15 Jahren werde ich keine Verlängerung meines Presseausweises beantragen."

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