Auf dem Pariser Gipfel ringt die EU um eine gemeinsame Linie für die Straße von Hormus: Während Berlin eine Beteiligung mit Minenjägern und Unterstützungsschiffen ins Spiel bringt, hält sich Rom mit einem konkreten Beitrag noch zurück.
Auf dem Pariser Gipfel versuchen die EU-Staaten, eine gemeinsame Position und eine Strategie zur Freigabe der Energieroute durch die Straße von Hormus zu finden. Die Meerenge ist seit Wochen wegen der Spannungen mit dem Iran blockiert; die jüngste US-Marineblockade hat die Lage zusätzlich verschärft.
Eine mögliche internationale Mission zur Sicherung der Straße von Hormus birgt nun das Risiko einer direkten Konkurrenz zwischen Deutschland und Italien - und zwar bei einem der heikelsten Instrumente moderner Seekriegsführung: Minenjägern, genauer gesagt Minenzerstörern.
Auf der einen Seite steht Berlin, das sich in dieser Frage profilieren könnte. Auf der anderen Seite steht Rom, das zwar vorsichtiger agiert, zugleich aber auf eine der modernsten Flotten innerhalb der NATO verweisen kann.
Deutschland plant Minenjagdboote
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Deutschland sei bereit, sich mit Minenjägereinheiten, einem Geleitschiff und Aufklärungsflugzeugen an der Mission zu beteiligen. Dieses Engagement ist jedoch an klare Voraussetzungen gebunden: einen Waffenstillstand, ein internationales Mandat und die Zustimmung des Bundestags.
Deutschland verfügt über rund zehn Einheiten zur Minenbekämpfung, darunter Minenzerstörer und Unterstützungsschiffe. Das ist eine beachtliche Zahl, ihr Einsatz hängt jedoch von politischen und strategischen Bedingungen ab, die bislang nicht erfüllt sind.
Italiens Fähigkeiten
Italien verfolgt einen anderen Ansatz. Dank einer Kombination aus Technologie, operativer Erfahrung und hoher Spezialisierung gilt die italienische Marine innerhalb der NATO seit Jahren als wichtiger Bezugspunkt für Minenräumoperationen auf See.
Den Kern dieser Fähigkeit bilden die Einheiten der Gaeta-Klasse sowie ihres Vorgängers, der Lerici-Klasse. Sie wurden speziell für das Aufspüren und Unschädlichmachen moderner Minen entwickelt. Die Schiffe sind rund 52 Meter lang, haben eine Besatzung von etwa 50 Soldaten und verfügen über moderne Sonarsysteme sowie drahtgesteuerte Unterwasserfahrzeuge, sogenannte ROVs, die in Tiefen von mehreren hundert Metern operieren können.
Der eigentliche Qualitätssprung liegt jedoch in den Materialien und in der geringen Geräuschsignatur. Die Rümpfe bestehen aus verstärktem Glasfasergewebe, um die magnetische Signatur zu minimieren. Gleichzeitig sind die Antriebssysteme so ausgelegt, dass Vibrationen und Geräusche reduziert werden. Dadurch sind die Einheiten selbst für besonders ausgeklügelte Minen nur schwer zu erfassen.
Der Vorteil von Minenzerstörern
Diese Eigenschaften machen die italienischen Minenjäger besonders geeignet für komplexe Einsatzszenarien, in denen Minen nicht einfach verankert sind, sondern als intelligente Systeme auf akustische, magnetische oder druckbedingte Signale reagieren.
Im Unterschied zu klassischen Minenräumern, die größere Gebiete durch die Auslösung von Sprengkörpern "säubern", gehen Minenzerstörer wesentlich präziser vor: Sie orten jede einzelne Mine, analysieren sie und neutralisieren sie mithilfe von Unterwasserdrohnen oder spezialisierten Tauchern.
Gerade in der Straße von Hormus ist diese Präzisionsfähigkeit entscheidend. Die Meerenge zählt zu den sensibelsten Energiekorridoren der Welt, und schon wenige Minen können dort den globalen Ölverkehr massiv beeinträchtigen.
Im Anschluss an den ebenfalls in Paris abgehaltenen Militärgipfel, an dem auch Vertreter der italienischen Marine teilnahmen, beraten die Staats- und Regierungschefs, darunter auch Giorgia Meloni, über erste mögliche Maßnahmen zur Entminung der Straße von Hormus.