Nach der Dunkelfeld-Studie des Bundeskriminalamts sind Frauen insgesamt zu jeder Tageszeit von einem größeren Unsicherheitsgefühl betroffen. Die SKiD-Studie 2024 zeigt, wie sicher sich Menschen in Deutschland fühlen und welche Kriminalität sie tatsächlich erleben, auch wenn sie nicht angezeigt wird.
Wer nachts am Bahnhof umsteigen muss, fühlt sich nur in weniger als drei von vier Fällen wirklich sicher. 27 Prozent haben in einer Dunkelfeldstudie angegeben, dass ihr Sicherheitsgefühl an Bahnhöfen besonders leidet. Das hat die Dunkelfeldstudie "Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2024" (SKiD) ergeben, welche die am Montag erschienene Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ergänzt.
Demnach fühlt sich außerdem jeder fünfte (22,8 Prozent) in Parks und Parkanlagen unsicher. Frauen sind in fast allen Situationen und rund um die Uhr von einem größeren Unsicherheitsgefühl betroffen. Viele reagieren mit Schutzmaßnahmen.
Am Montag hat das Bundeskriminalamt gemeinsam mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) vorgestellt. Gleichzeitig erfasst eine Dunkelfeldstudie das Sicherheitsgefühl der Deutschen und Zahlen, die in der PKS nicht vorkommen.
Dort werden Berichte von Opfern unabhängig davon, ob sie eine Anzeige erstattet haben oder nicht, erfasst. Darüber hinaus wird neben der Kriminalitätslage auch das subjektive Empfinden von Sicherheit, insbesondere im öffentlichen Raum, untersucht.
Für die Ergebnisse wurden etwa 60.800 Fragebögen aus dem ersten Halbjahr 2024 ausgewertet. Die in SKiD 2024 erhobenen Daten beziehen sich auf die in Deutschland in Privathaushalten lebende Bevölkerung ab 16 Jahren. Derzeit läuft bereits die Befragung für eine Folgestudie.
Große Unsicherheit nachts an Bahnhöfen und Parks
Das Sicherheitsgefühl wird in der Studie ausgewertet, da es sich von der objektiven Sicherheitslage unterscheiden kann. Demnach wirke sich das Sicherheitsgefühl von Menschen auf die Lebenszufriedenheit, das soziale Zusammenleben, Einstellungen und Vertrauen gegenüber anderen Menschen und staatlichen Institutionen aus.
Während die Deutschen tagsüber ein relativ ausgeprägtes Sicherheitsgefühl haben, ändert sich das mit der Tageszeit: nachts fühlen sich viele weniger sicher. Drei Viertel der Befragten fühlten sich zwar in ihrer eigenen Wohngegend noch sicher, doch an anderen Orten war das Empfinden deutlich geringer.
Im Öffentlichen Nahverkehr reduziert sich der Anteil der Bevölkerung, der sich sicher fühlt, von tagsüber auf nachts um etwa die Hälfte. In Parks und Parkanlagen ist der Unterschied zwischen tagsüber und nachts mit knapp 55 Prozentpunkten noch deutlicher. Auch auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen sowie an Bahnhöfen fühlen sich nur noch 40,1 % bzw. 27,0 % der Bevölkerung nachts sicher.
Im Vergleich zu tagsüber sind die Unterschiede des allgemeinen Sicherheitsempfindens zwischen Frauen und Männern nachts deutlich größer, was sich in allen untersuchten raumbezogenen Situationen zeigt.
Große Unterschiede zwischen Geschlechtern
Denn in Parks fühlen sich beispielsweise nur 11,1 Prozent der Frauen sicher, während 34,8 Prozent der Männer aussagten, sich dort nachts sicher zu fühlen. Auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen fühlen sich nachts nur halb so viele Frauen (26,9 %) wie Männer (54,1 %) sicher. Ähnlich groß sind auch die Geschlechterunterschiede im allgemeinen Sicherheitsgefühl in der Nacht an Bahnhöfen, an denen sich 38,5 % der Männer, aber nur 16,0 % der Frauen sicher fühlen.
Im ÖPNV fühlen sich nachts ungefähr 6 von 10 (57,2 %) Männern und nur 3 von 10 (33,2 %) Frauen sicher. Selbst in der Wohngegend, wo der Unterschied am geringsten ist, fühlen sich nachts 82,7 % der Männer, aber nur 66,1 % der Frauen sicher. Dies entspricht einem Unterschied von 16 Prozentpunkten.
Viele reagieren mit Schutzmaßnahmen - sie meiden öffentliche Verkehrsmittel (35,1 Prozent) und bestimmte Orte (30,3 Prozent).
Etwa jede vierte Person würde das Haus nachts nur in Begleitung verlassen. (25,6 Prozent). 15 Prozent der Befragten aus der Dunkelfeldstudie gaben an, immer einen Gegenstand mit sich zu führen, mit dem sie in Gefahrensituationen auf sich aufmerksam machen könnten.
Cyberkriminalität: Viele fürchten, selbst Opfer zu werden
Am meisten Angst haben Deutsche, Opfer eines Betrugs im Internet zu werden (52 Prozent). Etwa ein knappes Drittel hat außerdem Bedenken vor Sachbeschädigung (30,9 Prozent) und etwa jeder Vierte hat Sorge vor Wohnungseinbruch, Diebstahl und Körperverletzung (26-28 Prozent). Auch fast jede vierte Person fürchtet sich vor sexueller Belästigung (24 Prozent) sowie einem Terroranschlag (23 Prozent).
Im Vergleich zur Studie aus dem Jahr 2020 hat die Angst vor Kriminalität deutlich zugenommen. Insbesondere bei Betrug im Internet (+ 10 %), Körperverletzung (+ 8,3 %) und sexueller Belästigung (+ 7,6 %) ist der Anteil an Menschen, die sich vor diesen Delikten fürchten, deutlich angestiegen.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das geringe nächtliche Sicherheitsempfinden an Bahnhöfen sowie auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen nicht unerwartet sei, aber Handlungsbedarf signalisieren könnte.
Während die Polizeiliche Kriminalstatistik Fälle, die zur Anzeige gebracht wurden und Verdachtsfälle listet, gibt die Dunkelfeldstudie SKiD Aufschluss darüber, wie viele Fälle zur Anzeige gebracht werden. Denn "Veränderungen durch eine Zu- oder Abnahme der statistisch erfassten Straftaten innerhalb der PKS sind damit nicht zwangsläufig auf eine reale Veränderung des Kriminalitätsaufkommens zurückzuführen", wie es in der Auswertung heißt.
Demnach haben Wohnungseinbruchsdiebstähle mit 56 Prozent die höchste Anzeigequote. Bei Sachbeschädigung ist lediglich jeder dritte Vorfall der Polizei bekannt, bei Betrug liegt die Anzeigenquote nur bei 25 Prozent.