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Obduktion zeigt: Leiche ist 11-jährige Lyhanna - Macron räumt Versagen der Justiz ein

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfängt den ungarischen Ministerpräsidenten Peter Magyar am Mittwoch, dem dritten Juni zweitausendsechsundzwanzig, im Élysée-Palast.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfängt den ungarischen Premierminister Peter Magyar am Mittwoch, dem dritten Juni 2026, im Élysée-Palast. Copyright  AP Photo/Thomas Padilla
Copyright AP Photo/Thomas Padilla
Von Vincent Reynier
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der mutmaßliche Täter war den Behörden bereits bekannt. Gegen ihn lagen mehrere Anzeigen wegen sexueller Gewalt gegen Minderjährige vor. Nach dem Tod der elfjährigen Lyhanna wächst in Frankreich die Kritik an Justiz und Kinderschutz.

Nach dem Tod der elfjährigen Lyhanna hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ein Versagen der staatlichen Institutionen eingeräumt. Er sprach der Familie des Mädchens die „Solidarität“ und „Zuneigung der Nation“ aus und kündigte an, mögliche Fehler der Justizbehörden umfassend aufklären zu lassen.

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„Es ist klar, dass es ein Versagen gegeben hat und dass wir die Schwachstellen unseres Systems nicht ignorieren können“, sagte Macron am Freitag in Montenegro, wo er am Westbalkan-Gipfel teilnahm. Nun müsse geklärt werden, wie es dazu kommen konnte und wer dafür die Verantwortung trage.

Obduktionsergebnis

Der Fall erschüttert Frankreich seit Tagen. Die Elfjährige war am Freitagnachmittag der Vorwoche verschwunden. Polizei, Feuerwehr und zahlreiche Freiwillige suchten tagelang nach dem Mädchen. Am Donnerstagabend fanden Ermittler schließlich in einem Silo auf einem landwirtschaftlichen Betrieb nahe Puycasquier im Département Gers eine Leiche. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft trug der Körper Kleidung, die jener des vermissten Kindes ähnelte.

Nun hat die Obduktion gezeigt: es handelt sich um die vermisste Lyhanna.

„Die Identität des Opfers wurde durch einen DNA-Abgleich bestätigt“, sagte Olivier Naboulet, Staatsanwalt in der südwestfranzösischen Stadt Agen.

Besonders brisant ist das Profil des Hauptverdächtigen. Der 41-jährige Jérôme Barella, Vater zweier Kinder, war den Behörden bereits bekannt. Gegen ihn lagen nach französischen Medienberichten mehrere Anzeigen und Hinweise wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige vor. Dennoch war es offenbar weder zu einer Verurteilung noch zu Schutzmaßnahmen gekommen.

Genau dieser Umstand hat in Frankreich eine Debatte über den Umgang der Justiz mit Hinweisen auf sexuelle Gewalt gegen Kinder ausgelöst. Kritiker werfen den Behörden vor, Warnsignale über Jahre hinweg nicht ausreichend ernst genommen zu haben. Einige sprechen von einem ME TOO der sexuellen Gewalt gegen Kinder.

Der mutmaßliche Täter schweigt bislang. Seit seiner Anklage am Montag hat er vor der Ermittlungsrichterin keine Aussage gemacht und keine Fragen beantwortet.

Die Regierung reagierte inzwischen mit ersten Konsequenzen. Justizminister Gérald Darmanin kündigte gemeinsam mit den zuständigen Behörden eine Verwaltungsuntersuchung an. Dabei soll geprüft werden, wie frühere Anzeigen gegen den Verdächtigen bearbeitet wurden und ob es Versäumnisse bei Polizei, Staatsanwaltschaft oder Justiz gab.

Politik fordert Reform der Justiz

Auch politisch hat der Fall bereits Auswirkungen. Mehrere mögliche Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2027 fordern eine Reform des Kinderschutzes und strengere Verfahren bei Verdachtsfällen sexueller Gewalt gegen Minderjährige.

Der frühere Premierminister und wahrscheinliche Präsidentschaftskandidat Édouard Philippe sprach sich dafür aus, Anzeigen und Aussagen von Kindern künftig mit höchster Priorität zu behandeln. Frankreich brauche ein „echtes Vorsorgeprinzip“ beim Schutz von Minderjährigen, sagte er.

Bruno Retailleau, ehemaliger Innenminister und Vorsitzender der konservativen Républicains, beklagte seinerseits eine „Bankrotterklärung“ des Justizsystems und forderte eine „tiefgreifende Reform“.

„Eine Gesellschaft, die nicht einmal mehr in der Lage ist, ihre Kinder zu schützen, ist eine Gesellschaft, in der sich die Menschen irgendwann gegeneinander erheben werden“, schrieb er auf X.

Jordan Bardella, Vorsitzender des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN), wirft dem französischen Staat ebenfalls vor, „schwer versagt“ zu haben, und betont, „das französische Volk fordere Rechenschaft“.

„Diese schreckliche Tragödie hätte vermieden werden können, ja müssen, wenn es in der Justiz nicht zu derartigen Fehlfunktionen gekommen wäre“, erklärte er.

Für die Parteichefin der Grünen, Marine Tondelier, steht der Fall für ein „Symbol eines politisch-justiziellen Systems, das mit geschlechtsbezogener und sexueller Gewalt überfordert ist“.

„Im Jahr 2026 sterben Menschen noch immer daran, dass sie Frauen sind. Dass sie Kinder sind“, sagt sie. „In diesem Fall hat der Hauptverdächtige bereits eine dicke Akte zu sexueller Gewalt gegen Kinder. [...] Und raten Sie mal: Er ist nie von der Polizei vernommen worden“.

Manuel Bompard, Koordinator der linken La France insoumise, fordert schließlich, „den Ermittlerinnen und Ermittlern in diesen Bereichen ausreichende Mittel zu geben“.

Er meint, „die Regierung habe ihnen bisher nur die Mittel gestrichen“.

Anne-Cécile Mailfert von der Aktivistinnenorganisation Fondation des Femmes forderte ihrerseits „ein umfassendes Gesetz gegen sexuelle Gewalt“ und ist überzeugt, dass das derzeitige System „versagt“.

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