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Studieren in Deutschland: Drama um Abschiebung ausländischer Studenten

Deep Shambarkar vor der International University "IU" in Berlin, Dezember 2025
Deep Shambarkar vor der International University "IU" in Berlin, Dezember 2025 Copyright  Franziska Müller/Euronews
Copyright Franziska Müller/Euronews
Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am
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Ein Gericht erlaubt einem Studenten der International University doch zu bleiben – wegen der psychischen Belastung reist er schließlich trotzdem zurück nach Kenia. Hunderte internationale Studenten kämpfen weiter mit Ausreiseaufforderungen, unklaren Visaregeln und Unsicherheit.

Kommt die Abschiebung oder nicht? Noch immer bangen internationale Studierende der privaten Hochschule "International University" (IU) in Berlin um ihre Zukunft. Bei Hunderten von ihnen lagen in den vergangenen Monaten Aufforderungen zur Ausreise im Briefkasten, wie Euronews im Dezember 2025 aufdeckte.

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Vor wenigen Tagen dann die positive Nachricht zumindest für einen Studenten: Ein Berliner Kammergericht hat entschieden, dass der Kenianer bleiben darf, damit er sein Studium beenden kann. Das Berliner Landesamt für Einwanderung (LEA) hatte bereits dagegen Beschwerde eingelegt, weil es darauf bestand, dass er das Land verlässt.

Für den jungen Mann kommt der Beschluss des Kammergerichts zu spät: Wenige Tage vorher stand für ihn die Entscheidung, in seine Heimat zurückkehren zu wollen. Schließlich reiste er aus, trotz der Möglichkeit zu bleiben, ließ Deutschland und sein fast abgeschlossenes Masterstudium hinter sich. Zu groß waren der psychische Druck und die Unsicherheit, erklärt Anwältin Anna Prymak Euronews.

Die Gerichtverfahren seien "langwierig", so Prymak. "Viele der Personen sind inzwischen fast fertig mit dem Studium und trotzdem wird darüber gestritten."

Hintergrund ist, dass das LEA Anfang 2025 seine Visa-Vergabe für Studierende geändert hat, "ohne die IU Internationale Hochschule darüber zu informieren", so die Hochschule im Dezember 2025.

20.000 Euro für nichts?

Betroffen waren insbesondere hybride Studiengänge, welche viele der zur Ausreise aufgeforderten Studierenden damals belegten. Mit dem Modell können die Studenten ihre Hochschul-Kurse auch online absolvieren. Eine Anwesenheitspflicht entfällt.

International University "IU" in Berlin, Dezember 2025
International University "IU" in Berlin, Dezember 2025 Franziska Müller/Euronews

Deep Shambarkar hat bisher etwa 20.000 Euro für sein Studium bezahlt, wie er Euronews im Dezember 2025 erzählte. Dafür nahm er in seiner Heimat einen Studienkredit auf. Doch ob er sein Masterstudium in Deutschland abschließen kann, ist offen und das, obwohl er so gut wie fertig ist. Sein Fall liegt immer noch bei den Behörden.

Bis er entschieden ist, muss Deep sich mit den kurzfristigen Aufenthaltsverlängerungen abfinden, die das LEA ihm immer wieder ausstellt: "Ich habe wegen dieser Unsicherheit tatsächlich meinen Nebenjob verloren, und jetzt ist kein anderer Arbeitgeber bereit, mich einzustellen, weil ich keine gültige Arbeitserlaubnis mit einer Restgültigkeit von mindestens zwei Monaten vorlegen kann."

Mehr als 130.000 Studierende

Mittlerweile muss der Student auf Erspartes zurückgreifen. Auch Deeps Traum, in Deutschland beruflich Fuß zu fassen, scheint mehr und mehr zu zerplatzen: "Nach dem, was ich von Kollegen höre, scheint es sich um ein systemisches Problem zu handeln", sagt Deep.

Deep spielt auf die inzwischen langen Wartezeiten für das sogenannte "Job Seeker Visa" an, das Visum zur Arbeitsplatzsuche. Eigentlich soll es Fachkräften ermöglichen, innerhalb von bis zu sechs Monaten einen Job in ihrem Bereich zu finden.

Doch mittlerweile liege die Wartezeit auf einen Termin bei drei bis vier Monaten, so Deep. Zeit, die am Ende vom Visum abgezogen werden würde.

Dass nun in einem anderen Fall im Sinne des Studenten entschieden wurde, ist für Deep ein Wermutstropfen: "Die Verzögerungen bei dem LEA lösen einen Dominoeffekt aus: Ohne einen stabilen Aufenthaltstitel verliert man seine Lebensgrundlage, und die 'Lösung' kurzfristiger Verlängerungen reicht nicht aus, um Arbeitgeber zufriedenzustellen. Im Grunde werden wir durch die Bürokratie ins Abseits gedrängt."

Die IU ist mit mehr als 130.000 Studierenden eine der größten Hochschulen Deutschlands. Etwa 4.500 der Studierenden sind Inder. Sie machen gut ein Fünftel der internationalen Studierenden aus.

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