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Der Hitze ausgeliefert: Viele EU-Bürger können sich keine Klimaanlage leisten

Europa in Bewegung
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Von Alessio Dell'Anna & video by Baptiste Goudier
Zuerst veröffentlicht am
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Tausende Menschen müssen in diesem Jahr bereits im Frühling extreme Hitze aushalten. Hitzewellen gelten inzwischen als größte Klimasorge in Europa. Wie gut ist der Kontinent auf den Sommer vorbereitet?

Der Sommer hat in diesem Jahr früh gehalten, Europa stöhnte bereits im Mai unter Rekordtemperaturen. In Frankreich kletterten die Werte auf bis zu 37 °C – ein Mai-Rekord. Auch das Vereinigte Königreich stellte mit 34,8 °C in London einen Monatsrekord auf. In Irland wurden ungewöhnliche 30,5 °C gemessen.

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Trotzdem verfügen laut einem Bericht der Europäischen Umweltagentur mit dem Titel „Overheated and Underprepared“ 68 Prozent der EU-Bürgerinnen und Bürger zu Hause weder über Klimaanlagen noch über Ventilatoren.

Klimaanlagen unerschwinglich

Bürger mancher EU-Länder kommen ohne Klimaanlage aus. Denn Europa ist nicht überall gleich heiß. Mehr als jede dritte Person, 38 Prozent, gibt jedoch an, sich keine Klimaanlage leisten zu können.

Die Werte sind vor allem in einigen der heißesten Regionen des Kontinents hoch: 42 Prozent in Frankreich, 46 Prozent in Griechenland, 45 Prozent in Portugal und mehr als ein Drittel in Spanien (34 Prozent), Italien (37 Prozent) und Rumänien (39 Prozent).

Das ist besorgniserregend, denn mehr als jede vierte Person in der EU ist über 65 Jahre alt. Besonders alte Bevölkerungen leben in Ländern wie Italien, Portugal oder Griechenland.

Zugleich haben Einwohnerinnen und Einwohner von Malta (8,5 Prozent), Luxemburg (18 Prozent) und Irland (20 Prozent) die geringsten Probleme, eine Klimaanlage oder Ventilatoren zu bezahlen.

Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten, Wohnungen zu kühlen – etwa Rollläden, Markisen oder außenliegende Beschattungsvorrichtungen.

Doch die Mehrheit der Menschen in Spanien (61 Prozent), Portugal (59 Prozent), Italien (57 Prozent) und Zypern (51 Prozent) sagt, dass ihre Häuser nicht einmal über diese Ausstattung verfügen.

Hitze bereitet mehr Sorgen als andere Klima-Risiken

Das bedeutet nicht, dass die Menschen sich keine Sorgen wegen hoher Temperaturen machen würden.

Hitze ist für 85 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger das wichtigste Klima-Risiko – noch vor Überschwemmungen (80 Prozent), Bränden (82,5 Prozent) oder Wasserknappheit (80,5 Prozent).

Im Mittelmeerraum ist die Sorge besonders groß: 75 Prozent in Zypern, 71 Prozent in Griechenland und 70 Prozent in Malta geben an, „sehr“ oder „ziemlich“ besorgt über extreme Hitze zu sein.

Rund die Hälfte der Befragten in der EU fühlt sich schon heute zu Hause zu heiß (50 Prozent) und am Arbeitsplatz (47 Prozent). Mit Blick auf die Stadtviertel, in denen die Befragten leben, sind es sogar 61 Prozent.

Ohne Klimaanlage: Italiener und Deutsche schwitzen

Aus Kommunen kommen sehr unterschiedliche Berichte darüber, wie die Behörden auf Hitze reagieren. Kühlräume oder andere öffentliche Gebäude mit Klimaanlage scheinen jedoch eher die Ausnahme zu sein.

Vor allem Italienerinnen und Italiener scheinen Vor Hitze förmlich zu schmelzen: Nur 15 Prozent berichten von klimatisierten öffentlichen Gebäuden. In Deutschland sind es sogar nur 7 Prozent. In Griechenland, Malta und Rumänien liegt der Anteil dagegen bei rund 40 Prozent, dort können viele Bürgerinnen und Bürger öffentliche Kühloasen nutzen.

Menschen suchen am 26. Mai 2026 in Rom Schutz vor der brennenden Sonne
Menschen suchen am 26. Mai 2026 in Rom Schutz vor der brennenden Sonne AP/Gregorio Borgia

Griechen setzen auf Klimaanlage, Zypern passt Arbeitszeiten an

Neue Bäume zu pflanzen gilt als günstige, nachhaltige und umweltfreundliche Möglichkeit gegen die Hitze. 36 Prozent der EU-Bewohnerinnen und Bewohner sagen, dass sie entsprechende Projekte in ihrer Umgebung beobachten.

Die Umsetzung unterscheidet sich aber stark. Die Spannweite reicht von 59 Prozent gemeldeter Baumpflanzungen in Ungarn bis zu nur 22 Prozent in Griechenland – der drittniedrigste Wert in der gesamten EU.

Eine andere Reaktion auf Hitzetage ist, Arbeits- oder Schulzeiten zu verschieben. Solche Anpassungen haben jedoch nur 15 Prozent der EU-Bürgerinnen und Bürger erlebt. Die Spannbreite reicht von 39 Prozent in Zypern bis zu nur acht Prozent in Portugal.

Aktiver zeigen sich lokale Behörden bei Hitzewarnungen – etwa per Telefonanruf, SMS oder über die Medien. 57 Prozent der Befragten berichten von solchen Warnsystemen.

Diese Kommunikation zielt jedoch eher auf den Notfall ab als auf Vorbeugung. Nur 42,5 Prozent sagen, dass sie Informationskampagnen zu Gesundheitsrisiken bei Extremwetter und empfohlenen Schutzmaßnahmen wahrgenommen haben.

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