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US-Truppen als Druckmittel? Trumps Spiel mit Europas Militärbasen

Präsident Donald Trump winkt den Reportern zu, 12. April 2026 in Washington
Präsident Donald Trump winkt den Reportern zu, 12. April 2026 in Washington Copyright  AP Photo/Jose Luis Magana
Copyright AP Photo/Jose Luis Magana
Von Aleksandra Galka Reczko & Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am
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US-Präsident Trump prüft eine Umverteilung seiner Truppen in Europa. Doch wie realistisch ist das – und wen könnte es treffen?

US-Präsident Donald Trump soll einem Bericht der Wall Street Journal (WSJ) eine Verlegung der Truppen in Europa prüfen. Die Soldaten könnten demnach in den Ländern reduziert werden, die den US-israelischen Krieg gegen den Iran dem Präsidenten zufolge nicht ausreichend unterstützen. Möglich wäre demnach mindestens eine Schließung einer US-Militärbasis in Europa, wie zum Beispiel in Deutschland oder Spanien.

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Um welchen Militärstützpunkt es sich handeln könnte, und ob der US-Präsident seine Drohung einhält, ist bislang noch unklar. Im Interview mit dem polnischen Nachrichtenportal Onet räumt der ehemalige Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes, Andrzej Derlatka, ein, dass eine Verlegung eines großen Stützpunktes zwar technisch möglich, jedoch unrealistisch sei.

So sei zum Beispiel die Schließung der spanischen Basis Rota aufgrund der geografischen Lage nicht möglich und ein Umzug der größten US-Basis in Europa im rheinland-pfälzischen Ramstein würde ihm zufolge mindestens zwei bis drei Jahre dauern und etwa 100 Milliarden Euron kosten. Beide Stützpunkte gelten als unerlässlich für US-Einsätze im Nahen Osten, weswegen Derlatka die Drohung Trumps als "Angstmacherei" einschätzt.

Dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki zufolge sind aktuell circa 10.000 US-Soldaten in Polen stationiert, in Deutschland liegt die Zahl bei rund 37.000.

Im Interview mit Euronews betont der ehemalige polnische Verteidigungsminister Dr. Janusz Onyszkiewicz, dass Polen zwar neben den US-Truppen, die bereits im Land stationiert sind, "natürlich gern mehr" hätten, die Verlegung jedoch nicht auf Kosten Deutschlands und Spaniens geschehen sollte. Auch er sieht die Drohung Trumps "eher als politische Signale und Druckmittel".

Zudem müsse man bedenken, so Onyszkiewicz, dass die USA bei den Landstreitkräften, also bei frontnahen Kampfeinheiten, nur sehr wenige dauerhaft in Europa stationiert haben. "Im Grunde handelt es sich um ein Kavallerieregiment in Deutschland und eine Luftlandebrigade in Italien, die zudem eher auf einen südlichen Einsatzraum ausgerichtet ist als auf die zentral-nördliche Region, zu der Polen und die baltischen Staaten gehören", so der ehemalige Verteidigungsminister zu Euronews.

Vertreter der verbündeten US-Truppen marschieren am Dienstag, dem 15. August 2023, in Warschau, Polen, bei einer großen Militärparade zum polnischen Tag der Armee
Vertreter der verbündeten US-Truppen marschieren am Dienstag, dem 15. August 2023, in Warschau, Polen, bei einer großen Militärparade zum polnischen Tag der Armee AP Photo/Czarek Sokolowski

Um welche Truppen könnte es sich handeln?

Onyszkiewicz hebt hervor, dass ein weiterer Knackpunkt die Art der Truppen sei, die möglicherweise versetzt werden, und es sich etwa um zeitlich befristete rotierende Stationierungen, oder eine dauerhafte Stationierung handelt. Letzteres würde ihm zufolge bedeuten, dass die jeweilige Infrastruktur gebaut werden muss.

"Wenn die Einheit dauerhaft bleibt, müssen die Soldaten ihre Familien mitbringen können – wofür wiederum Schulen und weitere Einrichtungen nötig sind. Mit anderen Worten: Man müsste eine kleine Stadt bauen", erklärt er und verweist auf ein ähnliches Beispiel in Litauen.

Vor circa drei Jahren hatte Deutschland beschlossen, eine Kampfbrigade in Pabradė, etwa 30 Kilometer von der belarussichen Grenze entfernt, zu stationieren. Planmässig sollen bis 2027 5.000 Militärangehörige dorthin verlegt werden. Dafür müssen jedoch nicht nur Kasernen gebaut werden. Neben einer Schule entsteht ein ganzes Umfeld mit Kita, Wohnraum und Infrastruktur – quasi eine kleine deutsche Community in der litauischen Hauptstadt Vilnius.

"Vor der gleichen Herausforderung stünden auch wir", räumt Onyszkiewicz ein. Man könnte sich ihm zufolge zwar wünschen, dieses Problem zu haben, "aber es wäre weder einfach noch günstig – der Aufbau einer solchen Infrastruktur ist äußerst kostspielig". Die Gesamtkosten der deutschen Brigade in Litauen werden auf rund elf Milliarden Euro geschätzt. Deutschland finanziert die Truppen und die Ausrüstung, Litauen hingegen kommt für die Infrastruktur auf, die für die Stationierung der Brigade erforderlich ist.

Soldaten der 10. Panzerdivision üben mit einem Kampfpanzer Leopard 2A7V im Rahmen der NATO-Übung Grand Quadriga auf dem Truppenübungsplatz Pabrade/Litauen, am 22.05.2024
Soldaten der 10. Panzerdivision üben mit einem Kampfpanzer Leopard 2A7V im Rahmen der NATO-Übung Grand Quadriga auf dem Truppenübungsplatz Pabrade/Litauen, am 22.05.2024 Bundeswehr/Marco Dorow

Sollte die USA demnach erwägen, eine Brigade in Polen zu stationieren, würde Polen die Kosten für die Infrastruktur stemmen müssen, so Onyszkiewicz. "Ein solcher Stützpunkt ist keine Kleinigkeit", räumt er ein und erklärt, dass eine Panzerbrigade nicht nur Soldaten bedeutet, sondern auch rund 100 Panzer, eine ähnliche Anzahl an gepanzerten Fahrzeugen sowie eine große Menge an zusätzlicher Ausrüstung – die idealerweise überdacht gelagert wird, insbesondere angesichts unseres Klimas. "All dies ist mit enormen Investitionen und Kosten verbunden. Es ist also alles andere als einfach", ergänzt der ehemalige polnische Verteidigungsminister.

Ein großer aktueller Unterschied ist jedoch, dass weder auf dem Luftwaffenstützpunkt in Ramstein oder Rota permanent stationierte US-Panzerbrigaden sind. Zwar gibt es US-Panzerbrigaden, die aktuell in Europa stationiert sind, jedoch rotieren sie, sind über verschiedene Standorte verteilt, operieren jedoch hauptsächlich von Polen und Deutschland aus und sind entlang der Ostflanke der NATO stationiert.

Stationierung in "loyalen" Ländern unrealistisch

Onyszkiewicz betont deswegen, dass es realistisch wäre, anstelle von einer Brigade zusätzliche US-Ausrüstungsvorräte in Polen zu stationieren. Das würde bedeuten, dass Personal im Ernstfall möglichst schnell eingeflogen werden könnte.

"Der Transport einer ganzen Panzerbrigade erfordert etwa 20 Züge und über hundert Lastwagen – das verdeutlicht das Ausmaß. Befindet sich die Ausrüstung bereits vor Ort, müssen nur noch die Soldaten entsandt werden, was wesentlich schneller geht. Eine solche Verstärkung ist also plausibel. Auch die Zahl der Rotationstruppen könnte erhöht werden", erklärt er gegenüber Euronews. Sollte eine US-Einheit verlegt wären, wäre es dem ehemaligen polnischen Verteidigungsminister eine, die bereits in Deutschland stationiert ist. Grund dafür sei ihm zufolge, dass "sie bereits auf unser Einsatzgebiet ausgerichtet ist".

Eine Schließung des Luftwaffenstützpunkt in Ramstein wäre demnach nicht von Nutzen für die USA. Denn von dort aus werden die amerikanischen Drohnen- und Raketenangriffe im Nahen Osten koordiniert und gesteuert, da über die Basis Datenverbindungen und Satelliten-Relais laufen, die für die Steuerung von Drohnen im Nahen Osten notwendig sind.

Eine direkte Steuerung aus den USA wäre aufgrund der Distanz zu langsam, weshalb Ramstein als Zwischenstation für Datenübertragung und Analyse für die USA dient, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet. Neben Ramstein befindet sich in der Region zudem eine weitere US-Airbase in Spangdahlem, sowie das Landstuhl Regional Medical Center und auch die US-Atomwaffen in Büchel.

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