Spanien hat 018 eingeführt, einen kostenlosen Dienst für Opfer von Verkehrsunfällen und ihre Familien. Er steht 365 Tage im Jahr in mehr als 50 Sprachen zur Verfügung und bietet psychologische Unterstützung, Rechtsberatung und Sozialberatung über eine einzige Telefonnummer, E-Mail und Whatsapp.
Am 23. April, dem Welttag des Buches, stellte Innenminister Fernando Grande-Marlaska im Beisein von Opferverbänden den neuen 018-Dienst am Sitz der Dirección General de Tráfico vor.
Jeanne Picard, Sekretärin der Organisation Stop Accidentes, sprach von einem „ganz besonderen“ Tag. Seit mehr als zwei Jahrzehnten habe man genau dies gefordert: eine leicht zu merkende, kostenlose Telefonnummer mit fachkundiger Unterstützung am anderen Ende.
Der Hintergrund unterstreicht die Bedeutung des Dienstes. Im Jahr 2025 registrierte die DGT 1.028 tödliche Verkehrsunfälle, bei denen 1.119 Menschen ums Leben kamen. Zudem wurden 4.936 Personen so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Diese Zahlen stehen jedes Jahr für zahlreiche Ermittlungen, Gerichtsverfahren und für Familien, die plötzlich vor existenziellen Fragen stehen.
Was die 018 bietet und für wen sie gedacht ist
Der neue Dienst ergänzt bestehende Notrufsysteme, ersetzt jedoch nicht die 112. Die 018 greift erst, wenn der akute Notfall beendet ist und Betroffene Unterstützung im weiteren Vorgehen benötigen.
Dazu zählen Fragen zu Versicherungen, Gutachten, Entschädigungen, Krankschreibungen oder möglichen Gerichtsverfahren. Hinzu kommt häufig eine psychische Belastung, die auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bestehen bleibt.
Die Hotline wird von Fachkräften aus Psychologie, Sozialarbeit und Recht betreut, die auf Verkehrsunfälle spezialisiert sind und über mehrjährige Erfahrung in der telefonischen Beratung verfügen.
Erreichbar ist die 018 täglich von 8 bis 21 Uhr in mehr als 50 Sprachen, darunter auch die Ko-Amtssprachen Spaniens. Das Angebot richtet sich sowohl an Unfallopfer als auch an deren Angehörige.
Je nach Bedarf werden Anrufende an spezialisierte juristische oder psychologische Ansprechpartner weitergeleitet. Fachliche Rückmeldungen erfolgen in der Regel innerhalb von 24 Stunden. In schweren Fällen ist eine Begleitung über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr möglich – vorausgesetzt, die Betroffenen stimmen zu.
Lücke in der Nachsorge
Die Einführung eines solchen Angebots verweist auch auf Defizite in der bisherigen Versorgung. Während für körperliche Verletzungen klare Abläufe bestehen, blieb die Zeit danach oft unzureichend abgedeckt.
Psychische Folgen, Unsicherheiten im Umgang mit Behörden oder rechtliche Fragen wurden bislang häufig von Initiativen und dem Engagement einzelner Organisationen aufgefangen.
Nach Angaben von Álvaro Gómez, Direktor der Beobachtungsstelle für Straßenverkehrssicherheit, soll die 018 als zentrale Anlaufstelle dienen. Viele Betroffene wüssten bislang nicht, welche Ansprüche sie haben oder wie sie diese durchsetzen können.
Zudem erleichtert die Hotline den Kontakt zu spezialisierten Hilfsangeboten in den jeweiligen Regionen – ein wichtiger Punkt, da vorhandene Strukturen für Betroffene oft schwer zugänglich sind.
Teil einer größeren Strategie
Die 018 ist Teil der nationalen Strategie für Straßenverkehrssicherheit bis 2030. Ziel ist es unter anderem, die Unterstützung von Unfallopfern systematisch zu verbessern.
Nach offiziellen Angaben lag die Zahl der Verkehrstoten in Spanien 2025 bei 36 pro eine Million Einwohner und damit unter dem EU-Durchschnitt. Dennoch sind viele Staaten noch nicht auf Kurs, das europäische Ziel zu erreichen, die Zahl der Todesopfer und Schwerverletzten bis 2030 zu halbieren.
Neben der Prävention rückt damit auch die Frage stärker in den Fokus, wie Betroffene nach einem Unfall unterstützt werden. Genau hier setzt der neue Dienst an. Neben der Telefonnummer ist er auch per WhatsApp, E-Mail und über ein Online-Formular erreichbar.