Monatelang pausiert, jetzt ist sie zurück auf dem Wasser: Andrea Bunar liefert wieder Briefe per Kahn. Seit 14 Jahren versorgt sie Lehde – auf einer Route, die seit 129 Jahren existiert.
Monatelang hat Andrea Bunar auf diesen Tag gewartet: Endlich ist Frühling, und endlich kann sie wieder mit dem Kahn die Post ausliefern. Die 55-Jährige ist Deutschlands einzige Kahnpostfrau. In Lehde im Spreewald, südwestlich von Berlin, versorgt sie die Anwohner seit 14 Jahren mit Briefen und Paketen.
Der Spreewald ist bekannt für seine 300 Kilometer langen Wasserwege. Sie führen durch grüne Wälder und Moore. Die UNESCO erkannte die Region im Jahr 1991 offiziell als Schutzgebiet an. Deutlich länger, seit 129 Jahren, wird die Post hier per Kahn ausgeliefert, und das von Montag bis Samstag – jeden Tag.
Etwa zwei Stunden braucht Bunar für ihre rund acht Kilometer lange Tour. "Wasser entschleunigt. Es geht alles etwas ruhiger zu", sagt sie darüber. Bunar liefert etwa 600 Briefe und 80 Pakete wöchentlich aus. Die Briefkästen der Anwohner befinden sich direkt am Wasser. Inzwischen gehört der Kahn fest zum Dorfbild.
Im Winter steigt Bunar auf das Auto um. Doch auch das hat seine Herausforderungen: Oft sind die Straßen vereist oder verschneit. Ihre Tour dauert dann deutlich länger als zu Wasser.
Bis Oktober bleibt die Postfrau erst einmal auf dem Wasser. "Es lief alles wie am Schnürchen und den Muskelkater spüre ich dann morgen", sagt sie über ihre erste Tour des Jahres.