Bayerns Polizei geht künftig auf Drohnenjagd. Ein neues Abwehrzentrum soll 100 Mitarbeiter beschäftigen. Doch wie sieht es in den anderen Bundesländern aus?
Nachdem im vergangenen Herbst immer wieder Drohnen über den Flughafen München und andere kritische Infrastruktur geflogen sind, legt der Freistaat Bayern nun nach: Mit einem Kompetenzzentrum, das die Polizei befähigen soll, Drohnen in Zukunft zu beseitigen.
In der Kreisstadt Erding mit europaweit bekannter Therme und einer Brauerei, die auch über Landesgrenzen hinweg bekannt ist, gibt es seit 1. April nun auch ein Drohnenzentrum.
Derzeit arbeiten im Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum, kurz DKAZ, etwa 40 Menschen, geplant sind allerdings 100 Mitarbeiter. Am 4. Mai wurde es nun mit Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann eröffnet.
Eine echte Drohnenabwehreinheit hat bisher nur die Bundespolizei. Als neuer Baustein ist im Dezember allerdings auch ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum hinzugekommen, das Länder und Sicherheitsbehörden enger zusammenbringen soll. So rüsten die Bundesländer auf.
Bayerische Polizei geht auf Drohnenjagd
Gezielte Störungen durch Drohnen hätten in den letzten Jahren massiv zugenommen, heißt es in einer Mitteilung des Bayerischen Innenministeriums. Angriffe auf Kritische Infrastruktur, den Luftverkehr oder militärische Einrichtungen würden für erhebliche wirtschaftliche Schäden sorgen und die Bevölkerung verunsichern.
Diesen Bedrohungen will die bayerische Polizei nun entschiedener, schneller und wirksamer begegnen – unter anderem mit dem DKAZ. "Drohnensichtungen erfordern schnelle Entscheidungen: Gefahren müssen erkannt, verifiziert und im Ernstfall konsequent abgewehrt werden", erklärte Söder auf der Plattform X.
Sicherheit sei kein Zufall, sondern das Ergebnis von entschlossenem Handeln, teilte er weiter mit. Söder lobte darüber hinaus, dass eine enge Zusammenarbeit mit dem Defense Lab geplant ist. Daraus entstehe ein "bundesweit einmaliges Innovationsökosystem". Hier sollen Bundeswehr, Wissenschaft und Start-Ups sowie Altbekannte aus der Industrie Ideen austauschen.
Bedrohung mittels Drohnen - neue Einheit bei der Bundespolizei
Seit vergangenem Dezember gibt es eine echte Drohnenabwehreinheit bei der Bundespolizei. Die Truppe hat ihren Dienst im brandenburgischen Ahrensfelde aufgenommen. "Gegen Drohnen Bedrohungen setzen wir auf ein klares Prinzip: aufspüren, abwehren, abfangen", stellte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt am ersten Tag der Einheit klar.
"Die neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei wird zeigen, wie wir auf neue hybride Bedrohungen reagieren: schnell, präzise, mit Spitzen-Technologie", erklärt er weiter. Die Beamten der Drohnenabwehreinheit sollen zu Spezialkräften aus- und weitergebildet werden.
Die neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei soll mit zunächst 130 Mitarbeitenden an verschiedenen Standorten operieren. 30 Millionen Euro wurden bereits 2025 bereitgestellt, insgesamt will die Bundesregierung nach eigenen Angaben etwa 100 Millionen Euro investieren.
Diese Beamten könnten dann gegen Drohnen vorgehen. Zur polizeilichen Praxis gehören hierbei beispielsweise die Störung von Steuersignalen, Detektionstechnik, physische Wirkmittel und auch Abfangdrohnen.
Die Drohnenabwehreinheit ist der Bundespolizeidirektion 11 unterstellt, die zur Bekämpfung von Sabotage, Spionage, Terrorismus, Extremismus und Organisierter Kriminalität arbeitet. Diese ist an mehr als 35 Standorten im gesamten Bundesgebiet vertreten.
Dabei gilt die Drohnenabwehreinheit als eine von drei Säulen zur Bekämpfung von Bedrohungen mittels Drohnen. Weitere Säulen sind das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum sowie eine Einrichtung zur Forschung an Drohnentechnik.
Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum
Einige Tage nach der Einführung der Abwehreinheit bei der Bundespolizei hat Alexander Dobrindt (CSU) die Innenminister der Länder in Bremen getroffen. Auf der Innenministerkonferenz am 4. Dezember beschlossen sie das gemeinsame Drohnenabwehrzentrum (GDAZ).
Die Einrichtung hat ihren Sitz in Berlin ist ebenso wie die Drohnenabwehreinheit an die Bundespolizeidirektion 11 angebunden. Eröffnet wurde das GDAZ am 17. Dezember.
Die Aufgabe des Zentrums: ein nationales Lagebild zu Drohnenbewegungen erstellen. Bund und Länder und insbesondere ihre Sicherheitsbehörden sollen enger zusammenarbeiten. Dadurch soll ermöglicht werden, gemeinsam Risiken einschätzen und auch die Bundeswehr miteinbeziehen zu können.
Alle Sicherheitsbehörden sollen gemeinsam am Tisch sitzen, auch die Bundeswehr und die Nachrichtendienste, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zum Abschluss der Innenministerkonferenz berichtete. "Es wird dort auch einen Stuhl für die Länder geben", sagte Hamburgs Innensenator Grote. Im Fokus stehen bei der Drohnenabwehr vor allem Flughäfen, Bundeswehr-Standorte und Energieversorger.
Neben einem Akutbild der Lage soll ein weiterer Fokus auf der Forschung und Entwicklung liegen. Man müsse mit den technologischen Innovationen Schritt halten und auf neue Bedrohungslagen reagieren können, wie das Bundesinnenministerium in einer Kurzmeldung mitteilte.
Denn bisher schätzt das Innenministerium ab, dass viele Drohnenflüge gar nicht primär auf direkte Angriffe abzielen, sondern vielmehr auf Verunsicherung. Schnelle, koordinierte Reaktionen seien jedoch in beiden Fällen notwendig.
Drohnenabwehr-Zentren in anderen Bundesländern
Wenn es um die Forschung geht, so kann Sachsen-Anhalt das Drohnentestzentrum Cochstedt vorzeigen. Geht es nach Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann, sollte die Einrichtung zum nationalen Drohnenabwehrzentrum ausgebaut werden.
Willingmann schlug im Dezember 2025 vor, die Forschung stärker auf neuartige Technologien zur Drohnenabwehr auszurichten. Sachsen-Anhalt stehe voll dahinter. "Wir brauchen aber ebenso Rückenwind aus Berlin, finanziell und politisch", forderte der Minister. Die bestehende Forschungsinfrastruktur in Kombination mit einem vollwertigen Flughafen könne zügig erweitert werden und sei ein echtes Pfund zur Entwicklung einer effektiven Drohnenabwehr für Deutschland, wie Willingmann betonte. Letztendlich hat sich der Bund mit Fördergeldern zurückgehalten.
Bayern ist nach dem Gemeinsamen Abwehrzentrum des Bundes zwar Vorreiter, wenn es um landeseigene Maßnahmen geht. Doch auch Mecklenburg-Vorpommern hat bereits im September 2024 angekündigt, ein Drohnenabwehrzentrum bei der Landespolizei aufbauen zu wollen. Das Bundesland im Norden Deutschlands sieht sich zunehmend als Ziel nternationaler Spionageaktivitäten, Cyberangriffe und hybrider Einflussnahmen.
"Wir erleben eine neue Qualität der Bedrohung – subtil, technisch hochentwickelt, politisch gesteuert", erklärte Innenminister Christian Pegel im Juli 2025 bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts. Beim Verfassungsschutz ist demnach das "MV-Forum Hybrid" aufgebaut worden, das als Kontaktpunkt für Abwehrmaßnahmen eingesetzt werden soll.
Hier sitzen Vertreter der Ministerien, Behörden und Kommunalverwaltungen zusammen, um die Abwehr von Angriffen zu unterstützen. Diese hybriden Angriffe treffen uns im Kern. Wenn sie erfolgreich sind, verlieren wir mehr als Daten – wir verlieren Vertrauen, Zusammenhalt und Sicherheit", mahnte Minister Pegel. Um auf diese Herausforderungen zu reagieren, wolle das Land demnach ein eigenes Drohnenabwehr-Zentrum aufbauen, die Cyberabwehr verstärken und in Frühwarnsysteme für kritische Infrastrukturen investieren.
Inwiefern die Anti-Drohnen-Einheit inzwischen im Einsatz ist, darauf antwortet das Ministerium nach Medienangaben ohne weiterführende Informationen. Demnach soll es auf Fragen zum Abwehrzentrum "aus einsatztaktischen Erwägungen" und auch "aus Geheimhaltungsgründen" keine Antworten geben, wie der NDR berichtet. Lediglich zwei Einsätze sind bekannt: beim Airbeat-One-Festival und an der polnischen Grenze sollen Drohnen abgewehrt worden sein.
Im Jahr 2025 hat allein die Bundespolizei Drohnenfeststellungen im niedrigen dreistelligen Bereich getroffen, sagte Dr. Dieter Romann, der Präsident des Bundespolizeipräsidiums. Zwei Drittel der Drohnen seien über den größten deutschen Verkehrsflughäfen gesichtet worden. Laut einem Lagebild des Bundeskriminalamts sollen im Jahr 2025 insgesamt mehr als 1.000 verdächtige Drohnenflüge registriert worden sein.