Erwerbstätige in Balkanländern und Mittelmeerraum sind am meisten auch am Wochenende im Einsatz. Und wie steht es mit der Vier-Tage-Woche?
Hunderttausende Menschen in Europa genießen am Wochenende nicht ihre Freizeit, sondern arbeiten: Mehr als ein Fünftel der Erwerbstätigen in Europa, 21,3%, war nach den jüngsten Eurostat-Daten im Jahr 2025 regelmäßig samstags und sonntags im Dienst.
Insbesondere auf dem Balkan und im Mittelmeerraum liegt der Durchschnittswert weit darüber. In Griechenland waren 41% der Erwerbstätigen 2025 am Wochenende tätig, in Bosnien-Herzegowina 33% und in Malta, Zypern und Nordmazedonien 32%.
Gleichzeitig weisen der Norden und der Osten des Kontinents wesentlich niedrigere Quoten auf. In Litauen arbeiteten nur 4% am Wochenende, 7% in Ungarn und 7,5% in Polen.
Es ist wahrscheinlich keine große Überraschung, dass Selbständige an den Wochenenden weniger oft frei haben oder nehmen als Angestellte: 46% der Selbständigen mit Angestellten und 36% der Einzelunternehmer gaben dies an, verglichen zu 18,5% der Arbeitnehmer/innen.
Wenn es nur um abhängig Beschäftigte geht, bleiben Griechenland, Zypern und Nordmazedonien mit Quoten um die 30% an der Spitze, gefolgt von der Schweiz und Malta, die mit 29% knapp darunter liegen.
Bei den Selbstständigen/Arbeitgebern weist Griechenland mit 75% erneut die höchste Quote auf, gefolgt von Belgien (66%) und Frankreich (60%). Ungarn (10%), die Slowakei (15%) und Polen (15%) verzeichnen die niedrigsten Werte.
Häufig am Wochenende zu arbeiten, bedeutet nicht unbedingt, dass man insgesamt mehr arbeitet. Im Fall Griechenlands stimmen die Zahlen jedoch mit anderen Eurostat-Daten überein, die zeigen, dass die Griechen tendenziell mehr Stunden arbeiten als alle anderen in der EU.
In welchen Branchen ist Wochenendarbeit besonders verbreitet?
Wochenendarbeit hängt weitgehend von der Branche ab. So arbeitet beispielsweise - wenig verwunderlich - fast die Hälfte aller Beschäftigten (47,6%) im Bereich Dienstleistung und Verkauf regelmäßig am Wochenende, ebenso die Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei (47,2%).
Auch viele Menschen in sogenannten "einfachen Berufen" (25,7 %), d. h. in manuellen Routinetätigkeiten, die oft mit erheblicher körperlicher Anstrengung verbunden sind, sind an den Wochenenden im Einsatz.
In welchen Ländern wurde die Vier-Tage-Woche bereits erprobt?
Allen Forderungen und Debatten in der Politik zum Trotz scheint der derzeitige Trend in Europa eher Richtung Verkürzung als Verlängerung der Arbeitswoche zu gehen.
Das letzte Land, das eine Arbeitszeitverkürzung ausprobiert hat, war Polen, eine schnell wachsende Volkswirtschaft, die auch mit Burnout-Problemenzu kämpfen hat.
Im Sommer 2025 startete das Land ein Pilotprojekt mit dem Ziel, die Wochenarbeitszeit von 39 auf 35 Stunden zu senken, und zwar ohne Lohneinbußen. Die Beschäftigten konnten zwischen drei Optionen wählen: sechs Stunden Arbeitszeit täglich, ein Wochenende über drei Tage oder zusätzliche Urlaubstage.
Das Experiment, das vom Arbeitsministerium in 90 öffentlichen und privaten Betrieben mit 5.000 Beschäftigten gestartet wurde, soll 2027 ausgewertet werden. Jeder teilnehmende Betrieb wurde mit bis zu 210.000 Euro entschädigt, um die durch die reduzierte Arbeitszeit verursachten Störungen im Dienstplan auszugleichen.
Andere europäische Länder, in die Vier-Tage-Woche getestet wurde, waren Großbritannien, Deutschland, Portugal, Island, Frankreich und Spanien.