Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Alleskönner? 38 Prozent setzen auf Flexibilität statt Karriereleiter

Euronews
Euronews Copyright  Europe in Motion
Copyright Europe in Motion
Von Alessio Dell'Anna & Baptiste Beauval
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Flexibilität statt „ein Leben lang“ in derselben Branche und ein Privatleben, das nicht ständig hinten ansteht: Fachkräfte setzen heute andere Prioritäten als früher. Immer mehr planen sogenannte Portfolio-Karrieren und wechseln zwischen Job und Sektor. Experten sagen: Diese Anpassung ist nötig.

Es ist eine große Umstellung für die Arbeitswelt – und sie dürfte 2026 zu den prägenden Trends zählen. Der Randstad Workmonitor 2026, der beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt wurde, spricht von der „Great Workforce Adaptation“. Mehr als jeder dritte Arbeitnehmer glaubt demnach, dass traditionelle Karrierewege nicht mehr ausreichen, um mit dem Wandel auf dem Arbeitsmarkt Schritt zu halten.

Bemerkenswert ist, dass 72 Prozent der Arbeitgeber diese Einschätzung teilen.

Schon jetzt wechseln viele junge Arbeitnehmer im Laufe ihrer Karriere den Arbeitsplatz und sogar die Branche. Rund 38 Prozent der Berufseinsteiger streben aktiv eine Portfoliokarriere an. Dabei sammeln sie Erfahrungen in unterschiedlichen Rollen und Sektoren, statt langfristig in einem festen Karrierepfad zu bleiben.

In Europa ist diese Haltung besonders verbreitet. Den höchsten Zuspruch für Portfoliokarrieren gibt es in Luxemburg (57 Prozent), Polen (47 Prozent) und Norwegen (45 Prozent).“ Am wenigsten offen für Flexibilität sind Beschäftigte in Tschechien (25 Prozent) und Deutschland (27 Prozent).

Flexibilität hat ihren Preis

Ein breit gefächertes Portfolio kann mehr Chancen eröffnen und die Widerstandsfähigkeit erhöhen. Gleichzeitig bringt das Jonglieren mit mehreren Rollen neue Belastungen mit sich. Es kann also ein zweischneidiges Schwert sein.

Das könnte erklären, warum die Work-Life-Balance mit 46 Prozent weltweit zum wichtigsten Faktor für den Verbleib im Job geworden ist. Sie liegt deutlich vor klassisch wichtigen Punkten wie wettbewerbsfähiger Bezahlung und Sozialleistungen (23 Prozent).

Besonders deutlich ist diese Priorisierung bei den jüngeren Generationen. Fast die Hälfte der Generation Z (45 Prozent) und der Millennials (43 Prozent) würde einen Job kündigen, der nicht zum Privatleben passt. Bei der Generation X sind es 37 Prozent, bei den Boomern 30 Prozent.

Work-Life-Balance wichtiger als Gehalt?

Trotzdem bleibt Jobsicherheit entscheidend. In einigen Ländern, etwa in Österreich und Deutschland, liegt sie als Argument für den Verbleib im Job sogar knapp vor der Work-Life-Balance.

Auffällig ist jedoch, dass das Gehalt am seltensten als Grund genannt wird, im Unternehmen zu bleiben. In keinem der 25 untersuchten Länder ist es der wichtigste Faktor. Eine Ausnahme bildet Ungarn.

Auch außerhalb Europas steht die Work-Life-Balance oft an erster Stelle, zum Beispiel in Argentinien (44 Prozent), Australien (50 Prozent), Brasilien (45 Prozent), Kanada (43 Prozent), Mexiko (43 Prozent) und China (44 Prozent). In Europa melden einige Länder sogar noch höhere Werte, darunter die Niederlande (52 Prozent), Polen (51 Prozent) und Italien (52 Prozent).

Die besten Tipps für eine Portfoliokarriere

„Talente definieren Erfolg neu, indem sie Risiken reduzieren“, heißt es im Randstad-Bericht. Viele bauen Portfolio-Karrieren auf und suchen Sicherheit eher durch Abwechslung als durch feste Laufbahnen.

Randstad-CEO Sander van ’t Noordende sagte im Gespräch mit Europe in Motion, dass junge Talente sich auf Fähigkeiten konzentrieren sollten, die in vielen Rollen und Branchen gefragt sind. Er nannte auch handwerkliche und praktische Tätigkeiten, nicht nur klassische Bürojobs.

Van ’t Noordende betonte zudem, dass kontinuierliches Lernen entscheidend sei, besonders im Umgang mit KI. Gleichzeitig dürfe man den Wert menschlichen Urteilsvermögens, von Kreativität und Zusammenarbeit nicht unterschätzen.

Manager als Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten

So widersprüchlich es klingt: Unsicherheit am Arbeitsplatz kann Manager und Beschäftigte näher zusammenbringen.

Viele Unternehmen erwarten von ihren Führungskräften, häufiger im Austausch mit den Teams zu sein (66 Prozent). Sie wollen Kündigungen und Burnout vorbeugen.

Umgekehrt suchen auch Arbeitnehmer häufiger den Kontakt zu ihren Vorgesetzten (60 Prozent). Viele reagieren damit auf das unsichere makroökonomische Umfeld.

Randstad bezeichnet Manager deshalb als „Stabilitätsanker“ am heutigen Arbeitsmarkt.

„Vor dem Hintergrund von Umbrüchen und wirtschaftlichen Herausforderungen gerät das Vertrauen zwischen Arbeitgebern und Talenten zunehmend unter Druck“, heißt es im Bericht. Wenn das Vertrauen zwischen Führungskräften und Beschäftigten hoch ist, können Unternehmen jedoch besser verstehen, was ihre Teams motiviert und antreibt.

„Diese Stabilitätsanker müssen genutzt werden, um Vertrauen wiederherzustellen und Loyalität zu stärken“, so der Bericht.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Jobs werden ins Ausland verlagert - diese EU-Länder sind am stärksten betroffen

KI am Arbeitsplatz: Arbeitnehmer in Europa zeigen sich bereit

Generation Z kündigt am schnellsten - aber wie lange noch?