Ein nur wenige Wochen altes Baby ist bei seiner Ankunft auf Lampedusa tot erklärt worden. Es kam mit Mutter und Schwester auf einem Boot aus Tunesien. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
In der Nacht zum Samstag ist auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa ein wenige Wochen altes Baby gestorben, nachdem ein Boot mit Migranten die Insel erreicht hatte. Nach Angaben der Behörden starb das Kind kurz nach der Ankunft vermutlich an Unterkühlung. Die genaue Todesursache soll nun untersucht werden.
Gegen 4.30 Uhr morgens erreichten nach einer Rettungsaktion durch ein Boot der italienischen Finanzpolizei insgesamt 55 Menschen den Hafen von Favarolo. Unter ihnen befanden sich Migranten aus Kamerun, der Côte d’Ivoire, Gambia, Guinea, Mali, Nigeria und Sierra Leone. Sieben Frauen und sechs Minderjährige waren ebenfalls an Bord.
Das Baby wurde gemeinsam mit seiner Mutter sofort medizinisch versorgt. Die Ärzte konnten jedoch nur noch den Tod des Kindes feststellen.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Die Staatsanwaltschaft in Agrigent leitete Ermittlungen ein und ordnete eine Untersuchung des Leichnams an. Damit soll geklärt werden, ob Unterkühlung tatsächlich die Todesursache war.
Die Ermittler wollen zudem die Mutter befragen, um den Ablauf der Überfahrt besser nachvollziehen zu können und herauszufinden, wann sich der Gesundheitszustand des Kindes verschlechterte.
Nach Angaben anderer Menschen an Bord war die Gruppe in der Nacht zuvor aus Sfax-El Amra in Tunesien gestartet. Die Überfahrt erfolgte in einem etwa sieben Meter langen Metallboot.
Die Mutter des Babys stammt aus der Côte d’Ivoire. Sie wurde gemeinsam mit ihrer etwa zweijährigen Tochter in das Aufnahmezentrum Contrada Imbriacola gebracht. Nach Angaben von Helfern steht die Frau unter schwerem Schock und wird psychologisch betreut.
Der Leiter der Einrichtung, Imad Dalil, erklärte gegenüber italienischen Medien, dass sofort psychosoziale Unterstützung organisiert worden sei.
"Die Mutter und die Schwester befinden sich im Hotspot und werden betreut. Für sie und die anderen Menschen haben wir umgehend psychologische Hilfe aktiviert", sagte Dalil.
Kritik von NGOs
Die deutsche NGO Sea-Watch reagierte mit scharfer Kritik auf den Vorfall. In einem Beitrag auf X schrieb die Organisation:
"Während der Staat diejenigen angreift, die auf See Leben retten, und gegen den Kapitän von Sea-Watch ermittelt, erreicht ein einmonatiges Baby Lampedusa und stirbt nach einer dreitägigen Überfahrt in den Armen seiner Mutter. Wer wird für dieses Unrecht zur Rechenschaft gezogen?"
Die NGO bezog sich dabei auf ein Ermittlungsverfahren gegen den Kapitän des Rettungsschiffs "Sea-Watch 5". Gegen ihn wird wegen des Verdachts der Beihilfe zur unerlaubten Einreise ermittelt. Sea-Watch hatte die Information nach der Ankunft des Schiffs mit 166 geretteten Menschen im italienischen Brindisi erhalten.
Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, die UN-Agentur zum Schutz und zur Unterstützung von Menschen auf der Flucht vor Kriegen, Gewalt und Verfolgung, hat reagiert und tiefes Beileid sowie große Sorge über die erneute Todesfallserie auf den Routen im Mittelmeer ausgedrückt.
"Eine Mutter hat ihr neugeborenes Kind verloren, das heute Morgen zusammen mit weiteren 54 Menschen tot in Lampedusa ankam. Tiefe Trauer und Sorge um die vielen Kinder und Erwachsenen, die im Mittelmeer nicht sterben dürften", heißt es in einem Beitrag, den das UNHCR in sozialen Netzwerken veröffentlicht hat. Darin erklärt die Agentur, dass sie vor Ort ist, um der Mutter und allen anderen Überlebenden der Ankunft Hilfe zu leisten.