Einige Europaabgeordnete und Internet-Nutzer behaupten, die Gäste, die Angela Merkel im EU‑Parlament beklatschten, seien Statisten gewesen. The Cube hat nachgehakt.
Mehrere Europaabgeordnete und Posts in den sozialen Medien haben behauptet, es seien "Claqueure" engagiert worden, um Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel zu beklatschen. Sie war am 19 Mai 2026 im Europäischen Parlament in Straßburg mit dem Europäischen Verdienstorden ausgezeichnet worden.
Mit der neu geschaffenen Auszeichnung sollen laut EU-Parlament Persönlichkeiten geehrt werden, die sich für die europäische Integration und die in den EU-Verträgen verankerten Werte eingesetzt haben.
Mehrere Europa-Abgeordnete kritisierten, die zusätzlichen Gäste im Plenarsaal seien "Statisten", "Zufallsfiguren" oder eben "Claqueure" - also bezahlte Klatscher - gewesen. Andere unterstellten, der Applaus für Merkel bei der Verleihung des Europäischen Verdienstordens sei inszeniert worden.
In einem am 19. Mai veröffentlichten Post schrieb der deutsch-polnische AfD-Abgeordnete Tomasz Froelich, Mitglied der Fraktion "Europa der souveränen Nationen": "Unfassbarer Vorgang im Europäischen Parlament: Gleich wird Angela Merkel mit dem Europäischen Verdienstorden geehrt. Die patriotischen Fraktionen boykottieren das, ihre Ränge sollten leer bleiben. Um diese politische Botschaft zu konterkarieren, wurden entgegen aller parlamentarischen Gepflogenheiten Claqueure auf die Plätze unserer Abgeordneten gesetzt. Wahnsinn!"
Der 37-jährige Froelich ist der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der "Jungen Alternative" und wird dem rechten Flügel der AfD zugerechnet.
Was wirklich geschah
Aufnahmen der Zeremonie zeigen, dass die Plätze, auf denen sonst die Fraktion "Patrioten für Europa" sitzt, über weite Strecken leer blieben. Mehrere Abgeordnete des weit rechts stehenden Bündnisses hatten die Veranstaltung boykottiert.
Die deutschen AfD-Abgeordneten sind wegen interner Meinungsverschiedenheiten unter Europas Rechtspopulisten nicht Teil dieser Fraktion.
Abgeordnete der italienischen rechtspopulistischen Lega erklärten, sie hätten stattdessen an einer Demonstration italienischer Landwirte gegen das Mercosur-Handelsabkommen teilgenommen.
Andere, darunter der finnische Abgeordnete Sebastian Tynkkynen aus der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (ECR), erklärten, sie hätten aus Protest den Saal verlassen. Auf X behauptete Tynkkynen in einem Beitrag vom 19. Mai 2026, "der EU-Apparat" habe begonnen, "irgendwelche Leute auf die Sitze der gewählten Politiker zu setzen".
Die Behauptung, das Europäische Parlament habe "Claqueure" engagiert oder "zufällig ausgewählte Leute" in den Saal geholt, damit sie Merkel beklatschen, ist jedoch falsch.
Ein Sprecher des Europäischen Parlaments erklärte gegenüber Euronews, die Plenarsitzung sei für die Dauer der Zeremonie offiziell unterbrochen worden. Deshalb durften Gäste den Saal betreten, darunter die Preisträgerinnen und Preisträger, Familienangehörige und Mitarbeitende, die an der Organisation beteiligt waren.
Außerdem teilte das Parlament mit, dass wie bei solchen Anlässen üblich die anwesenden Abgeordneten Vorrang bei den Sitzplätzen hatten.
Erklärung von Roberta Metsola
Parlamentspräsidentin Roberta Metsola wiederholte diese Erklärung in der nächsten Plenarsitzung und sagte an die Abgeordneten gerichtet:
"Sie wussten gestern, dass die Sitzung einvernehmlich für die Dauer der Verleihung des Verdienstordens unterbrochen wurde. Dadurch konnten Gäste den Plenarsaal betreten, darunter die Preisträgerinnen und Preisträger, die sonst keinen Zutritt gehabt hätten, ihre Familien sowie einige Mitarbeitende, die an der Ausrichtung der Veranstaltung gearbeitet haben."
Es gibt daher keinerlei Hinweise darauf, dass die nicht dem Parlament angehörenden Gäste gezielt platziert oder angewiesen wurden, für Merkel Applaus zu inszenieren. Auch hielt sich die Begeisterung für die zweiminütige Rede der Ex-Kanzlerin laut den Augenzeugen in Straßburg in Grenzen.