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Papst im „Land des Feuers“: Kritik an Umweltkriminalität

Papst Leo XIV in Acerra bei Neapel – 23.05.2026
Papst Leo XIV in Acerra bei Neapel – 23.05.2026 Copyright  AP Photo/Andrew Medichini
Copyright AP Photo/Andrew Medichini
Von Fortunato Pinto
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der Papst hat am Samstagmorgen ein von Umweltverschmutzung und Kriminalität betroffenes Gebiet bei Neapel besucht.

Es ist ein historischer Tag für Kampanien und für die Gemeinden, die seit Jahren unter den Folgen massiver Umweltverschmutzung leiden. Rund 15.000 Menschen versammelten sich auf der Piazza Calipari in Acerra, um Papst Leo XIV. zu empfangen. Der Pontifex war zu einem Pastoralbesuch angereist, um den Opfern der Umweltkriminalität in der sogenannten „Terra dei Fuochi“ – was auf Deutsch so viel wie „Land des Feuers“ bedeutet – Trost zu spenden und ihrer Situation Aufmerksamkeit zu verschaffen.

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Bei seiner Ankunft wurde der Papst von Alfredo Mantovano, Unterstaatssekretär im Präsidialamt des italienischen Ministerrats, sowie von Glockengeläut und einer Musikkapelle begrüßt. Zunächst wandte er sich an die zahlreichen Gläubigen, die wegen Platzmangels außerhalb der Kathedrale bleiben mussten, bevor er seine inhaltlich und symbolisch bedeutende Visite begann.

Begegnung mit den Opfern der „Terra dei Fuochi“

Die erste Station seines Besuchs war der Dom von Acerra. Dort traf Leo XIV. Angehörige von Menschen, die infolge giftiger Umweltbelastungen und illegal entsorgter Sonderabfälle gestorben sind. Der Papst erinnerte daran, dass bereits Papst Franziskus den Wunsch gehabt habe, diese Region zu besuchen – ein Vorhaben, das nun im Geist der Enzyklika „Laudato si’“ verwirklicht werde.

Angesichts eines Dramas, das ganze Landstriche geprägt habe, fand Leo XIV. deutliche Worte gegen Umweltkriminalität und gesellschaftliche Gleichgültigkeit.

„Vorhin im Dom habe ich einige Angehörige der Opfer der Verschmutzung getroffen, die diesem Gebiet in den vergangenen Jahrzehnten unter dem Namen ‚Terra dei Fuochi‘ traurige Berühmtheit eingebracht hat. Dieser Ausdruck wird dem Guten, das hier lebt und standhält, nicht gerecht. Er hat aber sicher dazu beigetragen, das Ausmaß krimineller Machenschaften und der Gleichgültigkeit bewusster zu machen, die solchen Verbrechen Tür und Tor geöffnet haben“, sagte der Papst.

An die kirchliche wie auch an die zivile Gemeinschaft gerichtet, warnte das Oberhaupt der katholischen Kirche vor Resignation und Untätigkeit. Alle seien aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen und die Strukturen des kriminellen Systems aufzubrechen.

Zugleich betonte er die Notwendigkeit eines tiefgreifenden kulturellen und generationenübergreifenden Wandels. Wahre Erneuerung könne nur durch gemeinsames Lernen und gemeinsames Wachstum entstehen.

„Die Jugendlichen müssen erzogen werden – gewiss. Aber ebenso die Erwachsenen, die Kinder und die Älteren, die Bürgerinnen und Bürger ebenso wie ihre Regierenden, die Arbeiter ebenso wie die Arbeitgeber, die Gläubigen ebenso wie ihre Seelsorger: Wir alle haben noch zu lernen“, sagte Leo XIV.

Papst Leo XIV. während seines Pastoralbesuchs in Acerra in der Provinz Neapel, 23/05/2026
Papst Leo XIV. während seines Pastoralbesuchs in Acerra in der Provinz Neapel, 23/05/2026 AP Photo

Bevor er die Kathedrale verließ, rief der Papst dazu auf, die bestehenden Wirtschafts- und Sozialmodelle grundlegend zu überdenken. Er mahnte, eine Werteordnung wiederzuentdecken, die auf Solidarität und Respekt für die eigene Heimat beruht.

„Lernen wir, auf andere Weise reich zu sein: aufmerksamer für unsere Beziehungen, entschlossener, das Gemeinwohl zu fördern, verbundener mit unserer Heimat, dankbarer, wenn wir Menschen aufnehmen und integrieren, die hier mit uns leben wollen“, sagte Leo XIV.

Besonders hob er die Bedeutung hervor, soziale Ausgrenzung zu überwinden, die häufig eng mit dem Verfall von Randgebieten verbunden sei.

„Der Name ‚Terra dei Fuochi‘ verweist auf die Feuer an den Stadträndern, die manchmal von zurückgewiesenen und ausgegrenzten Minderheiten entfacht werden – Menschen, die nur wenige kennen und noch weniger achten. Ausgrenzung erzeugt immer Unsicherheit. Der schwierige Weg besteht darin, die Ausgrenzung zu bekämpfen, nicht die Ausgegrenzten; die ganze Kette zu zerbrechen und nicht nur das letzte Glied zu treffen. Ihr wisst das gut!“, erklärte der Papst.

Treffen mit Bürgermeistern und Umweltinitiativen

Nach dem Besuch im Dom fuhr Leo XIV. im Papamobil zur Piazza Calipari, der zweiten und letzten Station seines Aufenthalts. Dort warteten die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der rund 90 Gemeinden der „Terra dei Fuochi“ sowie Tausende Einwohnerinnen und Einwohner und Vertreter von Umweltinitiativen.

Ausgehend von der biblischen Vision der verdorrten Gebeine des Propheten Ezechiel zog der Papst eine Verbindung zwischen ökologischer Zerstörung und der Hoffnung auf einen gemeinsamen Neuanfang. Er erinnerte an die frühere Fruchtbarkeit der Region.

„Dieses Land hieß einst Campania felix, weil seine Fruchtbarkeit, seine Produkte und seine Kultur wie ein Lobgesang auf das Leben wirkten. Und doch ist hier der Tod eingezogen – der Tod des Landes und der Menschen“, sagte Leo XIV.

Gleichzeitig appellierte er an Politik und Gesellschaft, nicht in Resignation zu verfallen. Sein Aufruf verstand sich auch als Plädoyer für mehr bürgerschaftliches Engagement.

Zum Abschluss äußerte der Papst den Wunsch, dass die zerstörerischen „Feuer“ der giftigen Müllbrände in eine neue geistige und soziale Kraft verwandelt werden könnten.

„Kein Feuer mehr, das zerstört, sondern ein Feuer, das belebt und wärmt – das Feuer des Geistes, das Herzen und Gedanken von Tausenden Menschen entzündet und zu Fürsorge, Trost, Aufmerksamkeit und wahrer Liebe inspiriert“, sagte er.

Kirche und Bürgermeister fordern Aufklärung und Wandel

Auch Vertreter von Kirche und Politik äußerten sich zu den Folgen der Umweltkriminalität in der Region. Der Bischof von Acerra, Antonio Di Donna, erinnerte an das jahrzehntelange Leid der Bevölkerung und verwies darauf, dass Sicherheitskräfte erst vor Kurzem erneut illegale Giftmüllentsorgung im Gebiet von Caserta entdeckt hätten.

Anschließend sprach Acerra-Bürgermeister Tito d’Errico im Namen der anwesenden Stadtoberhäupter. Er betonte den Willen der Bevölkerung, sich gegen die Krise zu stemmen, und dankte den nationalen sowie regionalen Behörden für die Zusammenarbeit bei der ökologischen Sanierung.

„Unser Gebiet ist komplex und trägt tiefe Wunden, die Straftäter hinterlassen haben, die allein dem Profit dienten. Wir erleben das Leid der Verschmutzung, das Drama der Brände und den Schmerz der Familien. Das sind Wunden, die nach Gerechtigkeit, Wahrheit und Heilung verlangen“, sagte d’Errico.

Gleichzeitig betonte er, die Region sei „kein Land der Resignation, sondern der zivilen Widerstandskraft und des moralischen Aufbruchs“, das nach tiefgreifendem Wandel verlange.

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